Ein "Explorer"-Modell von Google Glass © Andrew H. Walker/Getty Images für das Whitney Museum of American Art

Die Liste der Dinge, die man mit Google Glass anstellen kann, wird länger und länger. Es gibt bereits eine App der New York Times für Eilmeldungen im Sichtfeld, eine App, um Fotos der Brillenkamera auf Facebook zu teilen und eine App, mit der die Kamera durch ein Augenzwinkern ausgelöst wird.

Gleichzeitig wächst die Liste der Orte, an denen Google Glass unerwünscht sein wird. Ein Kneipenbesitzer in Seattle war der erste, der seine Bar zu Glass-freien Zone erklärt hat, weil er nicht will, dass seine Kundschaft heimlich fotografiert oder gefilmt wird. Kinos und Nachtclubs in den USA haben ebenfalls erklärt, dass Glass wie jede andere Kameratechnik bei ihnen nicht gestattet ist. Auch die Kasinos von Las Vegas lassen keinen Zweifel daran, dass sie Spieler mit der Google-Brille rausschmeißen werden.

Caesar's Palace, eines der bekanntesten Kasinos der Stadt, weist sogar darauf hin, dass jeder, der beim Filmen der Glücksspiele erwischt wird, festgenommen werde. Das sei so durch mehrere Glücksspiel-Gesetze von Nevada festgelegt und gelte für alle Geräte, ob Smartphones, Minikameras oder eben Google Glass.

Diese Ansagen kommen früh. Googles Verwaltungsratschef Eric Schmidt sagte jüngst, das Produkt werde wohl erst in etwa einem Jahr verkauft. Derzeit testen nur einige Tausend Menschen, fast ausschließlich in den USA, die sogenannte Explorer-Version der Brille, um Google Feedback zu geben und Apps zu entwickeln.

Wenn sie auf den Markt kommt, wird sie vermutlich noch gar nicht dazu taugen, einen ganzen Kinofilm mitzuschneiden oder beim Blackjack zu helfen. Allein der Akku begrenzt die Möglichkeiten der Kamera. Nach Angaben des Bloggers Robert Scoble, der zu den "Explorern" gehört, entsprechen sechs Minuten Videoaufnahme schon 20 Prozent einer Akkuladung. Nach spätestens 30 Minuten wäre der Akku also leer.

Dennoch sind weitere "Verbotszonen" für Google Glass absehbar, zum Beispiel in Fabriken, die sich vor Industriespionage schützen wollen und schon jetzt Smartphones verbieten. Auch an öffentlichen Orten, an denen Menschen ihre Privatsphäre durch die Kamerafunktionen von Glass bedroht sehen, sind Verbotsschilder wie die der Kampagne Stop The Cyborgs denkbar.

Google redet kaum über solche Szenarien. Das Unternehmen weist höchstens darauf hin, dass die Entwicklung von Glass noch nicht abgeschlossen sei und dass insbesondere die Explorer mithelfen sollen, die Zukunft dieser Technik zu formen.

Je länger die Liste der Orte wird, an denen Glass nicht erwünscht ist, desto schwieriger dürfte es für Google werden, die nötige Begeisterung für das Produkt zu erzeugen. "Google Glass braucht kein Marketing, sondern Aufklärung", schrieb Sascha Lobo kürzlich. Google überlässt die Aufklärung derzeit den Kritikern seines Produktes. Dabei hätte das Unternehmen durchaus die Chance, Marketing durch Aufklärung zu betreiben.