Firefox OSKeon, das erste Firefox-Smartphone

Das mobile Betriebssystem Firefox OS ist nicht nur ein Spielzeug für Nerds, es könnte zum Liebling der Masse werden. Denn jeder kann damit machen, was er will. von Tobias Költzsch

Smartphone Keon mit Firefox OS

Smartphone Keon mit Firefox OS  |  © Golem

Mozilla hat sich mit Firefox OS Großes vorgenommen: Das Unternehmen, das den populären Browser Firefox entwickelt, will das Mobile Web aus der Umklammerung großer Konzerne mit proprietären Plattformen befreien. Dazu setzt Mozilla bei Firefox OS auf das Internet und die Ideen, die es erfolgreich gemacht haben.

Bis die ersten Smartphones mit Firefox OS verkauft werden, wird es noch ein paar Monate dauern, aber beim spanischen Hersteller Geeksphone konnten vor wenigen Wochen bereits die ersten für Entwickler gedachten Smartphones namens Keon mit Firefox OS bestellt werden. Die Nachfrage war groß, die Geräte waren dementsprechend schnell ausverkauft. Denn Firefox OS lässt sich zwar auf aktuellen High-End-Smartphones ausprobieren, es soll aber ausdrücklich auch auf günstiger Hardware vernünftig laufen.

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Firefox OS unterscheidet sich grundlegend von anderen mobilen Betriebssystemen wie iOS und Android, obwohl es auf dem gleichen Linux-Kernel wie Android basiert. Das hat den Vorteil, dass Mozilla und die Hersteller von Firefox-Smartphones die gleichen Treiber wie für Android verwenden können.

Der große Unterschied besteht aber in der Oberfläche des Betriebssystems, was weitreichende Folgen hat: So setzt Mozilla bei Firefox OS voll auf Webtechnik, sodass Apps für das System mit HTML, CSS und Javascript geschrieben werden. Dabei verzichtet Mozilla auf proprietäre APIs und setzt auf Webstandards. Wo diese fehlen, treibt Mozilla im Rahmen des W3C ihre Entwicklung voran.

So kann jede Web-App, die in Firefox läuft, mit minimalem Aufwand zu einer App für Firefox OS gemacht werden. Entwickler müssen dazu lediglich eine Manifest-Datei anlegen und das Design der App an die Displaygröße anpassen.

Der offene Ansatz setzt sich auch beim verwendeten Appstore fort, der bei Mozilla Firefox Marketplace heißt. Wie bei anderen Systemen können hier Apps gefunden und mit wenigen Klicks installiert werden. Allerdings muss niemand den Weg über den Firefox Marketplace wählen. Jeder Entwickler kann seine App auch direkt selbst zum Download anbieten. Und Dritte können ebenfalls Appstores für Firefox OS betreiben. Anders als bei Apple und teilweise auch Google gibt es bei Firefox OS also keine Instanz, die darüber entscheidet, welche Apps erlaubt sind und welche nicht. Wie im Web kann jeder Nutzer selbst entscheiden, welche Inhalte er auf seinem Gerät installieren will.

Äußerlich Android und iOS ähnlich

Der Startbildschirm von Firefox OS ähnelt dem von Android oder iOS, hat allerdings neben der App-Übersicht zwei zusätzliche Bildschirme. Einer davon entspricht weitgehend dem Sperrbildschirm: Er zeigt neben der auf allen Seiten des Startbildschirms vorhandenen App-Leiste die Uhrzeit und das Datum an. Bisher haben wir den Sinn dieses Bildschirms noch nicht erkennen können, womöglich ändert sich dies aber in künftigen Versionen des Betriebssystems.

Den zweiten zusätzlichen Bildschirm findet der Nutzer, indem er ganz nach links wischt. Hier befindet sich eine Suchfunktion für das Smartphone und das Internet. Außer in den üblichen Suchmaschinen und bei Wikipedia wird der eingegebene Begriff auch in zahlreichen anderen Portalen und Suchseiten gesucht. Auf den Suchbegriff "San Francisco" folgen beispielsweise Links zu Yahoo, Trip Advisor, MLB (Baseball), Twitter, Google Maps, Foursquare, Flickr und zahlreichen weiteren Webdiensten. Diese können auf Knopfdruck im Browser geöffnet oder als Verknüpfung in der App-Ansicht abgelegt werden.

Mit der Suchfunktion können so Webdienste gefunden werden, von denen der Nutzer nicht wusste, dass sie zu seinem gesuchten Begriff Informationen anbieten. Zu manchen Begriffen wie beispielsweise Städten bietet Firefox OS auch einen passenden Hintergrund in den Suchergebnissen an – im Falle Berlins ein Bild des Brandenburger Tors.

Leserkommentare
  1. Ein unausgereiftes Betriebssystem, fehlende Apps, veraltete Hardware, kaum Sicherheitsvorkehrungen für Otto Normal und kein zentraler App-Shop. Ja, das wird ganz sicher der Liebling der breiten Massen und der Entwickler. /s

    Gut, von einem Golem-Artikel erwarte ich nichts anderes, aber muss die Zeit so was auch noch übernehmen?

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    >Ein unausgereiftes Betriebssystem,
    Es ist ja auch noch nicht fertig :)
    >fehlende Apps,
    Wie gesagt werden diese vermutlich durch Webentwickler schnell verfügbar sein, da es sich um Webstandards handelt
    >veraltete Hardware
    Das Betriebssystem ist erst einmal unabhängig von der Hardware, aber es muss ja auch nicht immer das neueste und schnellste sein. Schließlich richtet es sich auch an Low-Budget Marktsegmente wie z.B. Entwicklungsländer
    >kaum Sicherheitsvorkehrungen für Otto Normal
    Das halte ich für ein Gerücht. Am wichtigsten bzgl. Sicherheit wird wohl die Verwaltung der Berechtigungen von Apps sein, was hier gut umgesetzt wurde
    >und kein zentraler App-Shop.
    Der Appstore heisst Marketplace, ist aber keine Pflicht und das ist auch gut so.

    Btw. wer einmal Firefox OS ausprobieren will kann sich das Firefox-Addon installieren
    https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/firefox-os-simulator/

    ist für Sie negativ?

    Das würde ich und hoffentlich die meisten Menschen aber doch etwas anders sehen...

    Vielversprechend!

    Vielleicht werde ich ja doch noch Smartphonenutzer, mal sehen wie es in 1 bis 2 Jahren aussieht.

  2. Ich habe das System zwar nicht persönlich ausprobiert, aber der minimalistische Ansatz könnte bei vielen Anklang finden. Sehr aufgeräumte Oberfläche ohne viel Schnickschnack auf die wesentlichen Funktionen beschränkt. Das ist es worauf es den meisten ankommt. Dazu ist die natürlich Offenheit des Systems sehr lobenswert. Wenn es bei den angebotenen Telefonen mit der Hardware gut zusammenspielt könnte es ein Erfolg werden.

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  3. warum sollte ich für alle Betriebssysteme spezielle Apps programmieren, eventl. Gebühren in einem App-Store zahlen usw. usw.

    Klar wird es Anlaufschwierigkeiten geben, und natürlich braucht man nicht für jedes System eigene Anwendungen schreiben, da man diese auch konvertieren kann. Aber trotzdem, ich glaube die fehlenden Apps werden in wenigen Monaten da sein.

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  4. Vielleicht kann mir das jemand erklären? Kann ich das Smartphone nur nutzen, wenn ich online bin? Der Appstore hatte nur 10 Apps oder so oder habe ich etwas übersehen?

    Ist es nicht etwas gefährlich, wenn ich jeden Mist aus dem Internet auf mein Handy laden kann?

    Finde es nicht gut, wenn der Netzbetreiber mir eine Menge mist auf mein Handy installiert, man will doch endlich unabhängig von irgendwelchen Datenkraken werden und nicht noch tiefer in den Sumpf gezogen werden.

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    Webapps sind Apps, die im Browser laufen. Wenn man die aufrufen will muss man logischerweise online sein.
    Das Firefox OS nutzt für seine Apps die gleiche Technik (Html usw.), die auch offline funktioniert, wenn man die Anwendung einmal heruntergeladen hat. Von daher wird es für Webentwickler nicht schwierig sein, Programme anzubieten.
    Was die Sicherheit anbelangt: Grundsätzlich würde ich sagen ist es nicht gefährlicher als mit dem Heim-PC Webseiten zu besuchen.. Man muss nur darauf achten, welche Berechtigungen man einer App gibt, ob man z.B. Zugriff auf die Kontakte zulässt usw.

    "Webapps sind Apps, die im Browser laufen. Wenn man die aufrufen will muss man logischerweise online sein."
    Das ist so nicht richtig bzw. sorgt für Verwirrung. Grundsätzlich sind Web-Apps ähnlich nutzbar wie normale (im Fachsprech: native). Zur ersten Installation muss man online sein, ja. Dies ist aber bei nativen Apps auch erforderlich. Die "Installation" einer Web-App läuft meist so ab: 1. Man öffnet die Seite/Adresse der Web-App im Browser (z.B. www.bspwebapp.de ) 2. Man wird gefragt, ob man für die App auf seinem Startbildschirm (je nach Betriebssystem variieren hier die bezeichnungen) eine Verknüpfung erstellen möchte. 3. Die Web-App wird heruntergeladen und in den Cache (in einfach: Speicher des Browsers) gespeichert. Fertig.
    Web-Apps lassen sich dadurch, dass sie im Cache gespeichert sind, auch offline nutzen, ein "Online-Zwang" besteht also nicht. Natürlich sind einige Apps offline in der Funktion eingeschränkt, aber das ist bei nativen Apps ja auch nicht anders.

    Thema Appstore: Der Appstore von Firefox OS bietet soweit ich das sehen kann aktuell 821 Apps. Das ist natürlich noch nicht viel, aber das ganze befindet sich ja noch im Entwicklungsstadium und die ersten Geräte für die Early-Bird Entwickler sind erst vor 3 Wochen angekommen.
    Der Appstore von Firefox OS bietet übrigens 2 Möglichkeiten der App-Verteilung. 1. Man kann die App auf einem eigenen Server hochladen (im Prinzip wie eine Website). 2. Man übergibt Mozilla die Web-App als zip, Mozilla hostet sie.

    "Finde es nicht gut, wenn der Netzbetreiber mir eine Menge mist auf mein Handy installiert, man will doch endlich unabhängig von irgendwelchen Datenkraken werden und nicht noch tiefer in den Sumpf gezogen werden."

    Grade das ist eine der Möglichkeiten, die Firefox OS bietet. Man kann Apps direkt beim App-Anbieter herunterladen und muss sich dafür nicht in einem Appstore registrieren.

    • porph
    • 29. Mai 2013 9:34 Uhr

    "Ist es nicht etwas gefährlich, wenn ich jeden Mist aus dem Internet auf mein Handy laden kann?"

    Ja, ist es. Genauso, wie es das heute vermutlich auf Ihrem PC ist. Man mag das als Rückschritt sehen, weil in "alten Zeiten" nie eine zentrale Kontrollinstanz darüber entschied, was man sich auf das eigene Gerät installierte. Man war voll und ganz der eigenen Mündigkeit ausgeliefert, ohne dass ein gutmütiger, grosser Bruder einem die Entscheidungen abnahm. Offenbar haben die Erfinder von Firefox OS das Ziel, diese altertümlichen pre-Smartphone Zustände teilweise wiederherzustellen, beziehungsweise einfach die Wahl zu lassen, ob man einen zentralisierten "AppStore" verwendet, oder nicht.

    Etwas weniger computerhistorisch und dafür weitschweifender betrachtet, könnte man sich vergleichend genauso fragen, ob wir eigentlich genug Sicherheitskameras im öffentlichen Raum haben. Natürlich "ist es gefährlich, wenn mir auf der Strasse jeder Mist passieren kann, ohne dass die Polizei es direkt sieht". Trotzdem gibt es manche Menschen, die der Meinung sind, es gibt bereits genug Sicherheitskameras.

  5. Webapps sind Apps, die im Browser laufen. Wenn man die aufrufen will muss man logischerweise online sein.
    Das Firefox OS nutzt für seine Apps die gleiche Technik (Html usw.), die auch offline funktioniert, wenn man die Anwendung einmal heruntergeladen hat. Von daher wird es für Webentwickler nicht schwierig sein, Programme anzubieten.
    Was die Sicherheit anbelangt: Grundsätzlich würde ich sagen ist es nicht gefährlicher als mit dem Heim-PC Webseiten zu besuchen.. Man muss nur darauf achten, welche Berechtigungen man einer App gibt, ob man z.B. Zugriff auf die Kontakte zulässt usw.

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    "Das Firefox OS nutzt für seine Apps die gleiche Technik (Html usw.), die auch offline funktioniert, wenn man die Anwendung einmal heruntergeladen hat."

    Den Satz hab ich beim Lesen leider irgendwie übersehen, also so falsch und verwirrend ist deine Aussage dann doch nicht. Sorry ;)

  6. ...hab deshalb mit den Smartphonekauf bisher immer gezögert.
    War bisher eine Entscheidung zwischen Pest (Apple/iOS/Iphone) und Cholera (Google/Android), ganz viel wird einfach diktiert, Windows mobile ist ja eher eine Randerscheinung. Das wollte ich so nicht. Wie frei war man doch beim PC dagegen...
    Würde gerne selber entscheiden, wie lange ich mein Smartphone nutze und mit was für Inhalten...

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    Vielleicht wäre ja das Fairphone was für Sie:
    http://www.fairphone.com/

    Das kommt bereits gerootet, sodass jedes Betriebssystem installierbar ist. Ob Firefox OS, Ubuntu for phones, Sailfish OS, Tizen...
    Mal schauen, was sich neben Android/iOS behaupten kann. Zumindest Ubuntu räume ich recht gute Chancen ein und da hat man auf jeden Fall mehr Kontrolle über die eigenen Daten als bei Apple und Google.

    Wieso endlich? die FireFox Apps (HTML, CSS und Javascript) laufen doch überall :) Und weder Apple noch Google kontrollieren was Sie in Ihrem Browser so alles laden.

  7. >Ein unausgereiftes Betriebssystem,
    Es ist ja auch noch nicht fertig :)
    >fehlende Apps,
    Wie gesagt werden diese vermutlich durch Webentwickler schnell verfügbar sein, da es sich um Webstandards handelt
    >veraltete Hardware
    Das Betriebssystem ist erst einmal unabhängig von der Hardware, aber es muss ja auch nicht immer das neueste und schnellste sein. Schließlich richtet es sich auch an Low-Budget Marktsegmente wie z.B. Entwicklungsländer
    >kaum Sicherheitsvorkehrungen für Otto Normal
    Das halte ich für ein Gerücht. Am wichtigsten bzgl. Sicherheit wird wohl die Verwaltung der Berechtigungen von Apps sein, was hier gut umgesetzt wurde
    >und kein zentraler App-Shop.
    Der Appstore heisst Marketplace, ist aber keine Pflicht und das ist auch gut so.

    Btw. wer einmal Firefox OS ausprobieren will kann sich das Firefox-Addon installieren
    https://addons.mozilla.org/de/firefox/addon/firefox-os-simulator/

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    Antwort auf "schlechter Artikel"
  8. ist für Sie negativ?

    Das würde ich und hoffentlich die meisten Menschen aber doch etwas anders sehen...

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    Antwort auf "schlechter Artikel"

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