"Das "Fairphone-Projekt" nimmt erste Bestellungen für sein "Smartphone" entgegen, das weitgehend nach fairen Bedingungen hergestellt wird und vor allem so weit wie möglich auf sogenannte Blutmetalle verzichtet. Fast alle der im Fairphone verarbeiteten Rohstoffe stammen aus Minen, deren Erträge nachweislich nicht aus konfliktbelasteten Gegenden kommen. Das Projekt setzt damit auf Nachhaltigkeit sowie eine sozial- und umweltverträgliche Herstellung – also Fair Trade für Smartphones.

Dazu haben die Projektteilnehmer inzwischen ein chinesisches Unternehmen ausfindig gemacht und selbst begutachtet. Zunächst sollte die Endproduktion in Europa erfolgen. Da aber die meisten Komponenten bereits in "China" hergestellt werden, wäre der Aufwand für eine europäische Produktion zu hoch. Deshalb hat sich das Fairphone-Projekt für die Fabriken des Herstellers A'Hong entschieden, der zwei Fertigungshallen in Shenzhen und Chongqing hat. Zunächst mussten sich die Fairphone-Mitarbeiter bei zahlreichen anderen Herstellern aber Abfuhren holen.

Die Fertigungsanlagen mussten zahlreiche Kriterien erfüllen: Zunächst musste A'Hong Fairphones Philosophie teilen und auf eine langfristige Zusammenarbeit setzen wollen. Das Fairphone-Projekt besteht auch darauf, Einfluss auf die Produktionskette zu nehmen, etwa um die Arbeitsbedingungen der Angestellten zu verbessern oder eben den Einsatz von konfliktfreien Materialien durchzusetzen.

Da die Produktion des Fairphones sichergestellt ist, hat das Projekt mit den Vorbestellungen begonnen und gleichzeitig Details zur Hardware veröffentlicht, die in dem Smartphone verbaut werden soll. Das "System-on-a-Chip" stammt von Mediatek und ist mit vier Kernen ausgestattet, die mit bis zu 1,2 GHz getaktet werden können. Die integrierte GPU ist von PowerVR und treibt den 4,3-Zoll-TFT-Bildschirm mit einer Auflösung von 960 x 540 Pixeln an. Die Abdeckung aus Dragontail-Mineralglas der Firma Asahi soll wie sein Pendant von Corning kratzresistent sein. Die Abmessungen des Gehäuses betragen 123 mal 64,5 mal 9,8 Millimeter, das Fairphone soll 165 Gramm wiegen.

Aktuelle Hardware

Der austauschbare Akku soll eine Nennladung von 2.000 mAh haben. Wo die beiden SIM-Karten und die Micro-SD-Karte mit einer maximalen Kapazität von 32 Gigabyte untergebrachten werden sollen, ist den Spezifikationen nicht zu entnehmen. Intern sind laut Hersteller 16 Gigabyte Speicher verbaut. Hinzu kommt der Arbeitsspeicher mit einem Gigabyte.

Das UMTS-Modem funktioniert mit den Frequenzen 850/900/1.800/1.900 MHz im GSM-Band und 900/2.100 MHz oder 850/2.100 MHz im UMTS-Band. WLAN und Bluetooth soll es ebenfalls geben, Details dazu kann der Hersteller aber noch nicht liefern. Die rückseitige Hauptkamera hat eine Auflösung von acht Megapixeln, die vorderseitige Kamera ist mit 1,3 Megapixeln für die Videotelefonie geeignet. Ausgeliefert wird das Fairphone mit dem Betriebssystem Android 4.2.

Die Spezifikationen zerstreuen erste Bedenken, dass sich das Fairphone aufgrund schwacher Hardware von vornherein nicht verkaufen wird. Zumindest die aktuellen Spezifikationen und der Preis von 325 Euro klingen vielversprechend, wenn auch der Bildschirm eine niedrige Auflösung hat. Am Freitag waren bereits mehr als 1.300 Smartphones aus dem ersten geplanten Kontingent von 5.000 verkauft.

Das Fairphone-Projekt erklärt auf seiner Webseite, welche Kriterien es für ein Fair-Trade-Smartphone für wichtig hält. Die Mitarbeiter sind sich aber bewusst, dass es gegenwärtig kaum möglich ist, ein vollkommen ethisches Smartphone herzustellen.

Das Fairphone kann über den "Shop des Projekts" bestellt werden. Im Herbst will das Unternehmen die Geräte ausliefern.

Korrektur: In einer ersten Version dieses Artikels stand, dass die Bezahlung nur per PayPal möglich ist. Das ist nicht korrekt, weshalb wir den Satz entfernt haben. Alle Zahlungsmöglichkeiten werden hier aufgelistet.

Erschienen auf golem.de