WhatsAppBye, bye SMS

Erstmals wurden im vergangenen Jahr mehr IP-basierte Nachrichten als SMS verschickt. In ein paar Jahren wird die 160-Zeichen-Nachricht wohl komplett verschwunden sein. von Martin Weigert

2010 startete Facebook, hier Mark Zuckerberg bei der Vorstellung, einen neuen Nachrichten-Dienst.

2010 startete Facebook, hier Mark Zuckerberg bei der Vorstellung, einen neuen Nachrichten-Dienst.  |  © Justin Sullivan/Getty Images

Prognosen über den bevorstehenden Tod der SMS gibt es seit Jahren. Bisher handelte es sich dabei nur um Vorhersagen. Nun gibt es Zahlen. Zahlreiche Ereignisse belegen, dass die 160-Zeichen-Nachricht gut zwanzig Jahre nach ihrem offiziellen Debüt endgültig vor der Ablösung durch IP-basierte Kommunikationsformen steht. In wenigen Jahren dürfte sie zumindest in den Industrienationen aus der Mobilfunklandschaft verschwunden sein.

Das deutlichste Indiz für eine derartige Entwicklung liefert eine Untersuchung des britischen Marktforschungsunternehmens Informa. Laut dieser wurden 2012 weltweit erstmals mehr Nachrichten über IP-basierte Chatmessenger verschickt als mittels der klassischen SMS. 19,1 Milliarden Over-The-Top Messages (OTT) täglich standen 17,6 Milliarden SMS gegenüber. Für Ende 2013 rechnet Informa mit 41 Milliarden OTT-Nachrichten pro Tag und 19,5 Milliarden versendeten SMS täglich.

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Das Unternehmen geht demnach zwar noch von einem leichten Anstieg des SMS-Volumens aus, vorrangig getrieben von der zunehmenden Handyverbreitung in Entwicklungsländern. Das entscheidende Wachstumspotenzial aber sieht die Studie im OTT-Segment, also bei IP-basierten Kurznachrichten.

Stetige Erfolgsmeldungen der Messenger-Dienste

Antreiber und Profiteure des Booms von OTT-Messages sind mobile Chat-Apps für Smartphones, von denen in jüngster Zeit ständig Erfolgsmeldungen zu vernehmen waren. So gab WhatsApp kürzlich stolz bekannt, mit über 200 Millionen aktiven Nutzern größer zu sein als Twitter. Mit nach eigenen Angaben zwölf Milliarden verschickten Nachrichten pro Tag stellt das kalifornische Startup den Löwenanteil der OTT-Messages, zumindest unter Berücksichtigung der Informa-Zahlen.

Auch andere Anbieter sind dabei, die in puncto Funktionalität eingeschränkte und für Nutzer mit Zusatzkosten verbundene SMS auf die hinteren Plätze zu verweisen. Der japanische WhatsApp-Konkurrent Line verkündete am Mittwoch, die Marke von 150 Millionen registrierten Usern durchbrochen zu haben. Sein südkoreanischer Widersacher Kakao Talk liegt derweil bei 80 Millionen Nutzern. Chinas Antwort auf derartige Dienste, WeChat, spricht von 300 Millionen Nutzern.

Und natürlich darf man Facebook nicht vergessen. Facebook Messenger allein hatte im Januar 56 Millionen aktive Nutzer. Insgesamt verwenden mittlerweile 751 Millionen Menschen die unterschiedlichen mobilen Versionen von Facebook. Viele von ihnen werden zumindest hin und wieder OTTs von ihren Mobiltelefonen aus verschicken.

Exklusive Rolle der SMS schwindet

Damit SMS endgültig abgelöst werden können, braucht es neben der grundsätzlichen Verfügbarkeit multifunktionaler und kostenloser oder kostengünstiger Chat-Apps auch noch eine Integration dieser Dienste ab Werk. Solange die SMS exklusiv in mobile Betriebssysteme eingebettet ist, werden Anwender sie trotz der augenscheinlichen Nachteile weiter verwenden. Doch mittlerweile bewegt sich auch an dieser Front etwas.

Früh wurde die Sonderrolle der SMS von Blackberry und Apple infrage gestellt. Beide integrierten einen kostenlosen Messanger analog zur Kurznachricht in ihre Betriebssysteme. Die mangelnde Unterstützung anderer Plattformen ist es, die beispielsweise iMessage daran hindert, der SMS noch schneller das Wasser abzugraben.

Leserkommentare
  1. die SMS wird genauso wenig sterben wie die Telefonie. Das facebook alles daran setzen wird ist klar, aber wen interessiert schon facebook im wahren Leben

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    Schließlich gibt es die SMS schon seit Urzeiten, sie ist eine unglaublich persönliche Kommunikationsform und die Kommunikation per Semaphoren ist ja auch nicht ausgestorben!!

    "aber wen interessiert schon facebook im wahren Leben"

    Mich. Warum fragen Sie?

    Aber egal. Kern des Artikels ist doch, dass die Alternativen zur kostenpflichtigen SMS zunehmen. In meinem Umfeld habe die meisten inzwischen ein Smartphone und somit nutze ich immer weniger SMS, dafür immer mehr WhatsApp und andere Dienste. Vielleicht wird die SMS nie ganz aussterben, aber sie verliert zunehmend an Bedeutung. Die Zahl der SMS, die ich schreibe, wird jedenfalls zunehmend weniger, obwohl ich über mein Smartphone kommuniziere.

    Die Telefonie wäre auch schon ausgestorben, wenn die Anbieter nicht in weiser Voraussicht die entsprechenden Ports für VoIP gesperrt hätten bzw. wenn es mittlerweile nicht so günstig wäre.
    Festnetz Telefonie gibt es noch, weil es mittlerweile spottbillig ist. Ferngespräche um die halbe Welt tätigt heute doch kein Mensch mehr über das normale Telefon sondern über Skype/MSN/was auch immer.

    Das ist auch VIEL wirtschaftlicher. Während für ein Telefongespräch von DE nach USA ein Kabel im Atlantik blockiert wird, über das dann 50KB/s übertragen werden, kann mit VoIP über das selbe Kabel die maximale Datenlast übertragen werden. Ich bin mir zwar nicht 100% sicher, dass das heute noch genauso funktioniert (bzw. es gäbe sicherlich auch noch andere alternativen), aber früher war das zumindest so.

    Zu Whatsapp Zeiten in Kombination mit preiswerten, mobilen Internetflats hat die SMS einfach komplett ihre Berechtigung verloren und macht nur noch da Sinn, wo einer der beiden Kommunikationspartner die app nicht hat ;-)

  2. Schließlich gibt es die SMS schon seit Urzeiten, sie ist eine unglaublich persönliche Kommunikationsform und die Kommunikation per Semaphoren ist ja auch nicht ausgestorben!!

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    Antwort auf "Träumt weiter..."
  3. angekündigt, sich unlängst auch vom Email verabschiedet...
    und ??
    Papierloses Büro ist nach wie vor Fantasie und Email ist quick-lebendig!

    "Solange die SMS exklusiv in mobile Betriebssysteme eingebettet ist..." - Entscheidender Satz, obwohl ich es anders formulieren würde.
    SMS ist plattformunabhängig. dieses Kommunikationsformat funktioniert zw. Mobiltelefonen beliebiger Bauart, ohne dass man irgendwo ein Account haben muss und ohne dass man extra was installieren soll! mit SMS man anbieter- und herstellerunabhängig. und weder FB noch Twitter, noch diverse andere Dienst können diesen Vorteil bieten.

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  4. Übrigens: Das Nassrasieren wird auch aussterben, die Schallplatte sowieso, Bücher sind praktisch schon tot, Zeitungen, Religionen, Armbanduhren, die Schreibschrift und sogar die Rockmusik, so mit richtigen Instrumenten und mehreren Musikern...
    Solche unnötigen Schlagzeilen werden ganz sicher ganz genauso aussterben.
    Gähn!
    Liebe Zeit-Online, das brauchst du nicht!

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    Wenn man davon spricht, dass Dinge wie die Nassrasur, die Schallplatte, Bücher, Zeitungen und Armbanduhren aussterben, so bedeutet das nicht, dass sie niemand mehr verwendet. Es bedeutet schlicht, dass diese Dinge ihre Funktionalität zugunsten effizienterer Nachfolger eingebüßt haben. Das schließt selbstverständlich nicht aus, dass o.g. Dinge auch weiterhin aus nostalgischen Gründen Verwendung finden.

    .

    Der Short Message Service ist die bislang einzige Möglichkeit, ohne Einschränkung über Handy zu kommunizieren.

    In allen anderen Fällen müssen die Kommunizierenden beim selben Dienst einen Account haben. Das ist ein immenser Nachteil gegenüber SMS. Und da spreche ich noch nicht einmal über die Wahnsinns-Zugriffsmöglichkeiten der neuen Dienste auf die Daten im Mobiltelefon.

  5. "aber wen interessiert schon facebook im wahren Leben"

    Mich. Warum fragen Sie?

    Aber egal. Kern des Artikels ist doch, dass die Alternativen zur kostenpflichtigen SMS zunehmen. In meinem Umfeld habe die meisten inzwischen ein Smartphone und somit nutze ich immer weniger SMS, dafür immer mehr WhatsApp und andere Dienste. Vielleicht wird die SMS nie ganz aussterben, aber sie verliert zunehmend an Bedeutung. Die Zahl der SMS, die ich schreibe, wird jedenfalls zunehmend weniger, obwohl ich über mein Smartphone kommuniziere.

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    Zumindest in den meisten Mobilfunkverträgen sind doch X SMS im Paketpreis enthalten... für mich macht es keinen Unterschied, ob eine Nachricht als SMS oder iMessage rausgeht... ist im selben Ordner, nur das eine blau und das andere grün...

  6. Die Telefonie wäre auch schon ausgestorben, wenn die Anbieter nicht in weiser Voraussicht die entsprechenden Ports für VoIP gesperrt hätten bzw. wenn es mittlerweile nicht so günstig wäre.
    Festnetz Telefonie gibt es noch, weil es mittlerweile spottbillig ist. Ferngespräche um die halbe Welt tätigt heute doch kein Mensch mehr über das normale Telefon sondern über Skype/MSN/was auch immer.

    Das ist auch VIEL wirtschaftlicher. Während für ein Telefongespräch von DE nach USA ein Kabel im Atlantik blockiert wird, über das dann 50KB/s übertragen werden, kann mit VoIP über das selbe Kabel die maximale Datenlast übertragen werden. Ich bin mir zwar nicht 100% sicher, dass das heute noch genauso funktioniert (bzw. es gäbe sicherlich auch noch andere alternativen), aber früher war das zumindest so.

    Zu Whatsapp Zeiten in Kombination mit preiswerten, mobilen Internetflats hat die SMS einfach komplett ihre Berechtigung verloren und macht nur noch da Sinn, wo einer der beiden Kommunikationspartner die app nicht hat ;-)

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    Antwort auf "Träumt weiter..."
    • sjdv
    • 02. Mai 2013 21:05 Uhr

    Wollen wir wirklich, dass in Zukunft alle unsere Kommunikation über die Server der Großen - Google, Facebook, Apple; Microsoft - läuft ?
    Ausserdem kann ich eine SMS von einem 14,99 Billighandy an ein Iphone5 schicken. Das ist mir 9 cent wert.

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    solch belangloser schei** den ich und 99,99% der User über whatsapp/ Google Talk/ Skype schreiben, kann meinetwegen über x-beliebige server laufen.

    was User von sicherer Kommunikation halten sieht man ja am Beispiel BlackBerry.

    "Wollen wir wirklich, dass in Zukunft alle unsere Kommunikation ...." ob wir wollen odor nicht, AGfA (die großen 4: Amazon, Google, Facebook, Apple) will das und sie wollen, dass wir es mögen! Das ist knallharter Kampf um die Kommunikationskanäle, um die Daten, die wir dabei produzieren und um die Abhängigkeit, in die wir dadurch geraten. Wir haben die Wahl. Ich bin und bleibe Fan der SMS, des Buches, des Kinos und Theaters, der Schallplatte.... usw.

  7. Mein Outdoor-Handy funktioniert seit Jahren einwandfrei. Ein neues Gratis-Smart-Phone habe ich ausgeschlagen. Brauch ich nicht, will ich nicht. Unnötige Ressourcenverschwendung, wo ich doch eh nur mit dem Handy telefonieren und sms schreiben will. Für's Internet hab ich einen Computer. Den schalte ich ein, wenn ich will, und das ist nicht immer.

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    Es gibt immer welche die der neuen Welt mit Skepsis begegnen. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit...

    Mein Opa schreibt nur Briefe, meine Tante benutzt nur das Telefon und ein Faxgerät , mein Cousin ist den ganzen Tage bei Facebook Messenger und WhatsApp ereichbar, meine Mutter nimmt seit neustem ihr iPad auch mit auf Zugfahrten und ich benutze mit Vorliebe eMail, Skype, Twitter und iMessage auf meinem Smartphone....Unter Kommunikationsstress leiden wir alle mal mehr, mal weniger:

    mein Opa wenn er allen Geburtstagsgästen per Hand eine Einladung und danach eine Dankeskarte schreibt

    Meine Tante insb. dann wenn die Papierrolle beim Faxgerät leer ist

    meine Mutter, wenn sie 3 Projekte gleichzeitig per email vom Zug aus koordinieren muss,

    und ich wenn ich gerade auf Skype mit einem Kunden spreche und gleichzeitig 5 meiner Studenten kurz vor Abgabe der Hausarbeiten mich auf Skype kontaktieren (hätte ich kein Skype würden sie bei mir an der Türe klopfen).

    Wenn Sie nie unter Kommunikationsstress leiden, herzlichen Glückwunnsch! Und das meine ich nicht zynisch, ich beneide Sie dafür!
    Aber zu glauben das käme davon dass sie Anstelle von Facebook Messenger die SMS Funktion ihres Outdoor-Handys benutzen klingt naiv!

    Ich muss zugeben, jetzt seit einiger Zeit mit einem so genannten »Outdoor-Smartphone« durch buckelige Welten und dergleichen mehr zu radeln, hatschen usw. Auch ganz nett, weil: Kartenmaterial, das oft sogar AV-Karten übertrifft, jederzeit dabei, mehrere Karten parallel vergleichbar und im Notfall immer GPS-Koordinaten für die gute alte ÖAV/DAV-Karte. War vorher skeptisch, bin jetzt realistisch begeistert ;)

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