Prognosen über den bevorstehenden Tod der SMS gibt es seit Jahren. Bisher handelte es sich dabei nur um Vorhersagen. Nun gibt es Zahlen. Zahlreiche Ereignisse belegen, dass die 160-Zeichen-Nachricht gut zwanzig Jahre nach ihrem offiziellen Debüt endgültig vor der Ablösung durch IP-basierte Kommunikationsformen steht. In wenigen Jahren dürfte sie zumindest in den Industrienationen aus der Mobilfunklandschaft verschwunden sein.

Das deutlichste Indiz für eine derartige Entwicklung liefert eine Untersuchung des britischen Marktforschungsunternehmens Informa. Laut dieser wurden 2012 weltweit erstmals mehr Nachrichten über IP-basierte Chatmessenger verschickt als mittels der klassischen SMS. 19,1 Milliarden Over-The-Top Messages (OTT) täglich standen 17,6 Milliarden SMS gegenüber. Für Ende 2013 rechnet Informa mit 41 Milliarden OTT-Nachrichten pro Tag und 19,5 Milliarden versendeten SMS täglich.

Das Unternehmen geht demnach zwar noch von einem leichten Anstieg des SMS-Volumens aus, vorrangig getrieben von der zunehmenden Handyverbreitung in Entwicklungsländern. Das entscheidende Wachstumspotenzial aber sieht die Studie im OTT-Segment, also bei IP-basierten Kurznachrichten.

Stetige Erfolgsmeldungen der Messenger-Dienste

Antreiber und Profiteure des Booms von OTT-Messages sind mobile Chat-Apps für Smartphones, von denen in jüngster Zeit ständig Erfolgsmeldungen zu vernehmen waren. So gab WhatsApp kürzlich stolz bekannt, mit über 200 Millionen aktiven Nutzern größer zu sein als Twitter. Mit nach eigenen Angaben zwölf Milliarden verschickten Nachrichten pro Tag stellt das kalifornische Startup den Löwenanteil der OTT-Messages, zumindest unter Berücksichtigung der Informa-Zahlen.

Auch andere Anbieter sind dabei, die in puncto Funktionalität eingeschränkte und für Nutzer mit Zusatzkosten verbundene SMS auf die hinteren Plätze zu verweisen. Der japanische WhatsApp-Konkurrent Line verkündete am Mittwoch, die Marke von 150 Millionen registrierten Usern durchbrochen zu haben. Sein südkoreanischer Widersacher Kakao Talk liegt derweil bei 80 Millionen Nutzern. Chinas Antwort auf derartige Dienste, WeChat, spricht von 300 Millionen Nutzern.

Und natürlich darf man Facebook nicht vergessen. Facebook Messenger allein hatte im Januar 56 Millionen aktive Nutzer. Insgesamt verwenden mittlerweile 751 Millionen Menschen die unterschiedlichen mobilen Versionen von Facebook. Viele von ihnen werden zumindest hin und wieder OTTs von ihren Mobiltelefonen aus verschicken.

Exklusive Rolle der SMS schwindet

Damit SMS endgültig abgelöst werden können, braucht es neben der grundsätzlichen Verfügbarkeit multifunktionaler und kostenloser oder kostengünstiger Chat-Apps auch noch eine Integration dieser Dienste ab Werk. Solange die SMS exklusiv in mobile Betriebssysteme eingebettet ist, werden Anwender sie trotz der augenscheinlichen Nachteile weiter verwenden. Doch mittlerweile bewegt sich auch an dieser Front etwas.

Früh wurde die Sonderrolle der SMS von Blackberry und Apple infrage gestellt. Beide integrierten einen kostenlosen Messanger analog zur Kurznachricht in ihre Betriebssysteme. Die mangelnde Unterstützung anderer Plattformen ist es, die beispielsweise iMessage daran hindert, der SMS noch schneller das Wasser abzugraben.