Entwicklerkonferenz WWDCWarten auf das nächste große Ding von Apple

Apple wird heute Abend neue Produkte vorstellen. Im Fokus dürften dabei keine neuen Geräte stehen, sondern neue Software und der Musikstreamingdienst iRadio. von Nils Rüdel

Für Tim Cook ist dieser Montag ein wichtiger Tag. Einer der Wichtigsten vielleicht in seiner knapp zweijährigen Amtszeit als Apple-Chef. Heute hat er die Chance, zur Abwechslung mal wieder positive Schlagzeilen zu machen.

Wenn Cook ab 19 Uhr deutscher Zeit in San Francisco die Entwicklerkonferenz WWDC eröffnet, erwarten Fans, Analysten, Investoren und Medien vor allem eines: endlich wieder coole, revolutionäre Neuheiten. Das also, wofür der Technologiekonzern eigentlich steht.

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Denn in den vergangenen Wochen waren es weniger erfreuliche Dinge, mit denen man sich am Firmensitz im kalifornischen Cupertino herumschlagen musste: Ärger mit dem US-Kongress wegen angeblicher Vermeidung von Steuern in Milliardenhöhe. Ein drohendes Importverbot einiger Modelle des iPhone und iPad wegen möglicher Patentverletzungen. Ein Prozess wegen angeblicher Preisabsprachen auf dem amerikanischen E-Book-Markt. Und der Verdacht, Apple gewähre wie auch andere IT-Firmen dem US-Geheimdienst NSA Einblick in die Daten der Nutzer.

Der Konzern bestreitet all diese Vorwürfe, und erwiesen ist davon nichts. Dennoch ging es in letzter Zeit bei Apple mehr um Selbstverteidigung als um Jubelmeldungen. Dazu kommt, dass Investoren und Kunden ungeduldig geworden sind: Die Aktie liegt derzeit mit knapp 442 Dollar etwa 40 Prozent unter Höchststand. Gleichzeitig verlor Apple bei den Smartphones die Marktführerschaft an Googles Betriebssystem Android.

Entsprechend hoch sind die Erwartungen, dass Apple-Chef Cook in seiner Ansprache auf der WWDC eine überzeugende Strategie für künftiges Wachstum vorlegt. "Apple muss zeigen, dass es immer noch in der Lage ist, Produkte zu erfinden, von denen die Verbraucher noch nicht wissen, dass sie sie brauchen oder haben wollen", sagte Van Baker vom Marktforschungsinstitut Gartner. Unter Cook gab es bislang vor allem Updates der Verkaufsschlager iPhone und iPad.

Apples Radiodienst

Glaubt man den Gerüchten in den einschlägigen Technologie-Blogs wie "All Things D" oder "Mashable", wird es heute allerdings keine Produkt-Revolution geben, wie sie der verstorbene Gründer Steve Jobs legendär mit dem Spruch "One more thing" eingeleitet hatte. "Ich sehe keine Ankündigungen irgendwelcher neuen Geräte", sagt auch Baker. Jobs-Nachfolger Cook hatte auch erst für den Herbst eine Produkt-Offensive angekündigt.

Das bedeutet: Das nächste große Ding lässt auf sich warten. Die gerüchteumwobene Alleskönner-Armbanduhr etwa, die Apple-Beobachter "iWatch" nennen, wird es heute nicht geben. Genauso gedulden müssen sich die Fans wohl auf Neuigkeiten über den Apple-Fernseher, der angeblich in den Laboren des Konzerns entwickelt wird.

Wohl aber rechnen Experten an diesem Montag mit kleineren Neuheiten, etwa dem lang erwarteten Musik-Dienst. Quasi in letzter Sekunde, so berichtete das Wall Street Journal, habe es Apple geschafft, die nötigen Lizenzen der Musikbranche für das Internet-Radio zu beschaffen. Mit dem "iRadio" genannten Service sollen Nutzer kostenlos Lieder im Web anhören können und bei Bedarf dann einzeln kaufen. Es ist Apples Antwort auf Streaming-Dienste wie Spotify oder Pandora, die dem iTunes-Store zunehmend Konkurrenz machen.

Leserkommentare
    • bvdl
    • 10. Juni 2013 11:23 Uhr

    ...was sollte das sein? Man darf nicht vergessen, dass Apple zu der damaligen Zeit ja nicht aus dem "Nichts" heraus etwas erfunden hat sondern die Bedürfnisse der Kunden nur in genialer Weise gebündelt hat. Aber wo ist denn heute die große Baustelle, die Apple in dieser genialen Art und Weise überhaupt angehen könnte. Vor allem: wo sitzen nicht schon längst andere Wettbewerber drauf? Fernseher, Smart Watch... was langweilig. Als revolutionär wird sich Google Glass erweisen. Man merkt schon jetzt, obwohl das Ding noch recht rudimentär ist, was das auslösen wird. Apple wird in den nächsten Jahren von den Dingen zehren, die es bereits erschaffen hat.

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    • x87x
    • 10. Juni 2013 13:05 Uhr

    Noch vor 10 Jahren konnte sich niemand vorstellen, ein Telefon mit den Fingern zu bedienen. Vor 5 Jahren hat niemand an argumented reality a la Google Glasses gedacht. Dieses Mal hatte Google die Nase vielleicht vorne, aber warum sollte Apple es nicht bald wieder besser machen können? Die Bedürfnisse der Nutzer möglichst effizient zu vereinen wird immer der höchste Ansporn bleiben, denn es kommen ja ständig neue hinzu.

    • bvdl
    • 10. Juni 2013 15:05 Uhr

    Was Apple vor Jahren genial "zusammengeführt" hat, war vorher alles schon da. Haette man mich Anfang 2007 gefragt, wie ich mir ein Telefon vorstelle, haette ich auf jeden Fall genannt: richtig im Internet Browsen, Musik hoeren, ein vernuenftiger Touch Screen. Die Nutzerbedürfnisse waren damals da, lagen auf der Hand. Und welche Bedürfnisse liegen heute auf der Hand?

    • crazyp
    • 10. Juni 2013 18:54 Uhr

    Im Nachhinein kann man von den meisten großen Innovationen immer sagen. "So habe ich mir das vorgestellt." "Das war meine Idee!" usw... nur leider fehlt oft der Beweis.

    Kreativität heißt oft nur vorhandene Dinge neu kombinieren. Der Schiffscontainer war seinerzeit auch sehr kreativ, ist aber einfach und wird heute millionenfach benutzt.

    Apple wurde schon oft tot-gesagt. Vor der Erfindung des iPods und iPhones hätte Niemand auch nur einen Cent auf Apple gesetzt.

    Aber das ist halt so bei Innovationen. Niemand kann sich denken das in einem Bereich "noch was geht" und dann kommt Jemand daher der alles umkrempelt. Damit meine ich nicht nur Apple.

  1. Ich wollte eine Mission zum Mars und ich bekam ein App.

    Eine Leserempfehlung
    • Time24
    • 10. Juni 2013 12:08 Uhr

    Was macht die Telekom übermorgen und was wird BASF nächsten Monat wohl präsentieren?

    Berichten Sie doch morgen bitte von den Fakten, wenn diese es Wert sind. Aber immer schon vorab über möglich Dinge zu spekulieren nervt extrem.

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    Was die Telekom übermorgen macht, wissen wir doch schon: Drosseln

  2. Was die Telekom übermorgen macht, wissen wir doch schon: Drosseln

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  3. wie der Name schon andeutet, ein sündiger Apfel, dem viele nur schwer widerstehen können, auch ich. Besitze zwar nur ein Iphone, bin aber von der Bedienung, dem Gefühl und der Verarbeitung ziemlich angetan. Eine ziemlich emotionale Angelegenheit, die die Firma stets geschickt vermarktet und umsetzt.
    Wer weiß, vielleicht kommt nach der heutigen Vorstellung ein Macbook Air dazu. Man lebt nur einmal ;)

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    wenn jede Schwiegermutter so ein Ding hat, ist das nicht mehr cool und die Marke wertlos.
    Wie Sie selbst sagen, man kauft primär ein Gefühl.

    wie wärs wenn man sich mal wieder was gutes zu Essen kauft, oder einen schönen Ausflug und sich darauf besinnt was man wirklich BRAUCHT im Leben und was nicht.

    Was machen alle diese Menschen wenn sie es sich mal nicht mehr leisten können?

    Diese ganzen Technischen neuerungen machen einen doch nur noch zur Geisel der Wirtschaft.....oder wann haben sie das letzte mal ein Smartphone selbst repariert?

    Naja viel Spaß beim Rechnungen bezahlen wünsche ich auf jeden Fall mal!

    Ich geb mein Geld lieber für Dinge aus, die langlebiger und einfacher sind, aber ich bin ja auch schon 21 und ein alter Mann :D

    das jeder sein Selbstverständnis vom Leben hat, jedoch sollte niemals die Freude zu kurz kommen, denn erst das macht das Leben richtig lebenswert. Es gibt Leute die sich über eine Reise freuen, es gibt Leute die sich über ihr Auto freuen, es gibt Leute die sich über einen Kugelschreiber freuen etc....
    Emotionen können so schön sein. Also freuen wir uns alle einfach so viel es geht in unserer begrenzten Lebensdauer. Es ist doch viel zu Schade grimmig und verbittert dahin zu leben.

  4. Das wäre eine großes Ding.

    Apple hört ab sofort auf, für die NSA zu spionieren. Wäre auch ein großes Ding.

    So groß, dass darüber noch nicht mal spekuliert wird.

    Also Apple: iSteuern rein, iNSA raus. Überrascht mich!

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    vielleicht stellt Apple ja auch nur eine neue Hintertür für die NSA vor.

    Android-Smartphones haben weltweit längst den hauptsächlichen Marktanteil.
    Lifestyle-Produkte wie ClubMate oder die I-Dinge sind selten von Dauer.

    • x87x
    • 10. Juni 2013 13:05 Uhr

    Noch vor 10 Jahren konnte sich niemand vorstellen, ein Telefon mit den Fingern zu bedienen. Vor 5 Jahren hat niemand an argumented reality a la Google Glasses gedacht. Dieses Mal hatte Google die Nase vielleicht vorne, aber warum sollte Apple es nicht bald wieder besser machen können? Die Bedürfnisse der Nutzer möglichst effizient zu vereinen wird immer der höchste Ansporn bleiben, denn es kommen ja ständig neue hinzu.

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    schon immer das Telefon mit den Fingern bedient. Früher via Wählscheibe, heute via Touchscreen. Und den Touchscreen im Telefon hat Apple auch nicht als erste eingesetzt. Ich erinnere mich an Palm-Geräte (vor mehr als 10 Jahren), die aber noch einen Eingabestift benötigten, da die Technik noch nicht ausgereift war. Apple hat als erstes auf die Bedienung nur über den Touchscreen mit den Fingern ohne zusätzliches Eingabegerät gesetzt.

    • Robo T
    • 10. Juni 2013 13:16 Uhr

    das iphone wurde 2007 vorgestellt, das ipad 2010.

    2 revolutionäre produkte in den letzten 6 jahren. welcher andere konzern kann das von sich behaupten?

    die in dem artikel hochgeschraubte erwartunsghaltung kann ich absolut nicht nachvollziehen. sie mindert die qualität des artikels doch sehr, reiht er sich damit ein in die unzähligen reißerischen artikel auf focus-niveau.

    6 Leserempfehlungen
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    und noch mehr als die beiden Punkte:

    - iTunes Music Store und die Beseitigung des damals gängigen DRM
    - Appstore für Mobilgeräte UND Desktops

    Man mag online-Stores mögen oder nicht, jedenfalls hat Apple diese auf ein völlig neues Niveau gebracht....

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