E-BooksApple wehrt sich gegen Preiskartell-Vorwurf

Hat Apple mit unlauteren Mitteln höhere Preise für E-Books durchgesetzt? Nein, sagt der Konzern vor Gericht, die Verleger hätten Amazon einfach eins auswischen wollen. von Axel Postinett

Billig-Bücher bei Amazon, das war amerikanischen Verlegern ein Dorn im Auge. Deshalb hätten die Buchunternehmen auf einer anderen Verkaufsplattform höhere Preise durchsetzen wollen, nicht Apple – auf diesen kurzen Nenner lässt sich die Position des Technologiekonzerns aus Kalifornien im aktuellen Verfahren um ein angebliches Preiskartell bei elektronisch vertriebenen Büchern (E-Books) zusammenfassen. Alles andere wäre auch ein Desaster für Vorstandschef Tim Cook.

Wenn Apple mit dieser Verteidigungsstrategie durchkommt, dann könnte man das laufende Gerichtsverfahren als erledigt betrachten. Denn die fünf großen US-Verlage, die mitangeklagt waren, haben sich zwischenzeitlich alle mit dem US-Justizministerium in Vergleichen geeinigt. Ohne Schuldanerkenntnis haben sie sich zur Zahlung von Ausgleichszahlungen verpflichtet. Mittlerweile steht Apple also ganz alleine vor Gericht und scheint Willens, die Sache bis zum Ende durchzufechten.

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Eddy Cue, Top-Manager beim Kultkonzern aus Cupertino, sagte am Donnerstag als zentraler Zeuge vor einem Bundesgericht in Manhattan aus. Nach den Erkenntnissen der Anklage war er Apples Hauptansprechpartner für die Buchverleger. Im Prinzip geht es in dem Streit um ein Geschäftsmodell, das Apple vorgeschlagen haben soll: Statt wie bei Amazon die Bücher zu einem Großhandelspreis zu verkaufen, wollte Apple ein Agenturmodell einführen. Die Verleger sollten die Preise bestimmen und Apple erhalte 30 Prozent davon als Verkaufsprovision.

Der Effekt: Amazon verkaufte Bücher mit minimalem Aufschlag auf den Einkaufspreis (oder sogar darunter), um seinen Marktanteil auszubauen, was die Verleger nicht verhindern konnten. Apple versprach den Buchkonzernen die Preishoheit, was dazu geführt haben soll, dass sie die Preise illegal untereinander absprachen.

Als ihm Telefondaten vorgelegt wurden, die die Absprache der Buchverleger untereinander dokumentieren sollten, bestritt Cue laut der Webseite AllThingsD jede Kenntnis der Unterhaltungen. Auf Vorhaltungen, die Preise für E-Books seien nach Eröffnung des iBook-Stores tatsächlich gestiegen, konterte Cue mit dem Hinweis, dies sei zu erwarten gewesen angesichts der "allgemeinen Unzufriedenheit" mit Amazons Preispolitik der 9,99-Dollar-Bestseller. "Die Verlage machten klar, dass sie höhere Preise von uns erwarteten", so Cue laut AllThingsD.

Das Apple-Buchgeschäft sei ein wichtiger Bestandteil für den Start des Tablet-Computers iPad im Jahr 2010 gewesen, so Cue – und auch aufgrund der angeschlagenen Gesundheit des damaligen Chefs Steve Jobs habe er alles daran gesetzt, rechtzeitig die wichtigsten Verlage mit an Bord zu holen. "Steve war nahe dem Lebensende und wir starteten das iPad. Er war wirklich stolz darauf", so Cue vor Gericht. "Das hatte eine besondere Bedeutung für mich."

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