Entwicklerkonferenz WWDCApple ist doch noch ein bisschen mutig

Apple hat bei seiner Entwicklerkonferenz Software-Updates vorgestellt. Und einen schwarzen Zylinder. Der Eindruck bleibt, das Unternehmen rennt der Konkurrenz hinterher. von 

Mac Pro

Der neue Mac Pro hat die Form eines Zylinders.  |  © REUTERS/Stephen Lam

Seit der Vordenker Steve Jobs tot ist, fällt Apple nichts mehr ein – besagt das Gerücht. Das Unternehmen bemühte sich bei der Eröffnung seiner Entwicklerkonferenz WWDC, das zu widerlegen. Es fiel ihm schwer.

Apple stellte eine Reihe neuer Produkte vor, Hardware stand dabei erwartungsgemäß nicht im Vordergrund. Es ging viel mehr um die Betriebssysteme des Unternehmens, um iOS und OS X. Bis man wieder ein neues iPhone oder iPad oder gar eine iWatch präsentieren kann, sollen Updates dieser beiden System die Kunden bei Laune halten.

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Am deutlichsten wird das beim mobilen System iOS 7. Das bekommt eine neue Benutzeroberfläche, mit animierten Hintergründen, neuen Schriftarten und Icons sowie 3D-Effekten, die sich bemerkbar machen, wenn man sein iPhone nach vorne oder zur Seite neigt. Das sieht edel aus, zeigt auch mehr Liebe zum Detail als die Konkurrenz, einen Mehrwert bietet es nicht.

Funktionell holt Apple überwiegend auf, was andere schon können. Der vorgestellte Musik-Streamingdienst iTunes Radio etwa basiert auf von Apple vorgeschlagenen Playlists verschiedener Genres und Künstler. Die werden auf das eigene Gerät gestreamt. Wer ein Lied aus der Vorauswahl mag, kann es sofort kaufen. Der Dienst ist kostenlos, aber wer iTunes Match nicht nutzt und somit bezahlt, muss mit Werbung leben.

Damit kommt Apple spät. Konkurrent Google hatte seinen Musikdienst All Access bei der eigenen Entwicklerkonferenz I/O im Mai präsentiert. Dort kostet ein Monatsabo 9,99 Dollar, dafür darf sich der Kunde im Katalog der drei größten Plattenlabels bedienen. Pikanterweise soll All Access demnächst auch in iTunes funktionieren. Und Spotify, Pandora, Rdio und Deezer buhlen ebenfalls um Nutzer – so, wie es auch Amazon tun wird, wenn es endlich die Rechtefrage mit den Plattenfirmen geklärt hat.

Siri kommt ins Auto

Auch die neuen Fähigkeiten von Siri erzeugen nicht das Wow-Gefühl, das sich viele von einer Apple-Show erhoffen. Sondern wirken eher wie ein dringend nötiges Update. Apple hat offenbar erkannt, dass es bei der Spracherkennung von Google überholt worden ist. Dessen System schneidet in Tests meist besser ab. Der Verbindung mit dem virtuellen Assistenten Google Now, der selbständig Hinweise auf Termine oder Verkehrswege gibt, hatte Apple bisher gleich gar nichts entgegenzusetzen. Nun spricht Siri zumindest Deutsch und Französisch, und das wahlweise mit einer weiblichen oder männlichen Stimme, die beide deutlich weniger nach Roboter klingen, als das bisher der Fall war.

Zudem können nun auch Apps wie Twitter oder die Suchmaschine Bing mit Sprachbefehlen über Siri gesteuert werden. Und Siri wird ab dem kommenden Jahr in den Autos 16 verschiedener Hersteller funktionieren. Fahrer können dann die Spracheingabe nutzen, um Musik auszuwählen, Anrufe zu tätigen oder die Navigationsfunktion ihres iPhones zu bedienen.

Im Herbst soll iOS 7 fertig sein.

Leserkommentare
  1. > Der Eindruck bleibt, das Unternehmen rennt der Konkurrenz hinterher.

    Allerdings nicht bei Kunden-Zufriedenheit und Geraet-Nutzung, da scheint Apple zumindest dem Durchschnitt der Konkurrenz weit voraus.

    Zusammen macht das vielleicht auch Sinn: mit der enormen Kundenbasis von iOS (von denen die allermeisten wohl iOS 7 installieren werden, wenn es verfuegbar ist), kann Apple nicht so viel experimentieren wie einzelne Android-Anbieter mit deutlich weniger Kunden, von denen nur eine Minderheit die neueste Android-Version installieren koennen.

    Achja, und ich bleibe dabei: das naechste grosse Ding ist schon laengst da und heisst iCloud.

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    Wer Apple kauft, der ist in aller Regel Überzeugungstäter. Dass man fürs gleiche Geld bei anderen Firmen mindestens gleichwertiges, oft sogar höherwertiges bekommt, dürften mittlerweile nur noch die fanatischsten Apple-Anhänger bestreiten, genauso wenig wie die Tatsache, dass man bei Apple vor allem den Markennamen und eine schicke Verkleidung bezahlt. Was wirklich drinsteckt, ist erst mal zweitrangig.

    Das wissen Apple-Kunden. Sie kaufen daher nicht aus Pragmatismus, sondern aus Apple-Sympathie, aus Markenverbundenheit. Und wer so oberflächlich kauft, den interessiert die Funktionsweise seiner Geräte natürlich auch nur oberflächlich. Somit ist es kein Wunder, dass ein Gutteil der Apple-Nutzer trotz überteuerter Technik voll zufrieden sind. Es ist halt Apple.

    das nächste größere Ding hieß PRISM?....muss ich wohl noch mal gucken...

    es scheint so, als wüssten Sie selbst nicht, was hinter der »schicken Verkleidung«, wie Sie es nennen, steckt. Sie haben nie längere zeit damit gearbeitet. Denn dann schrieben Sie nicht so nichtwissend und voller Vorurteile. Wer mit diesen Maschinen sein Geld verdient, der weiß auch warum. Und wie gut und zuverlässig das damit geht. Wenn man in der gleichen Zeit, in der ein MacBook pro seine ersten Verschleißerscheinungen zeigt, sieben Windows Laptops zu Grabe getragen hat, weiß man spätestens auch die Qualität zu schätzen und den Preis richtig einzuordnen. Pflegen Sie weiter Ihre Vorurteile und träumen davon, dass andere Hersteller besser, billiger und vertrauenswürdiger seien. Aber bitte nicht schreien, wenn die nächste Skandalrunde dann womöglich auf Samsung zielt.

    • mick08
    • 10. Juni 2013 23:36 Uhr

    wieso Apple ständig was Neues erfinden muss.

    Das besondere bei Apple ist, dass die Details gut durchdacht, nutzerorientiert, iR intuitiv sind und einfach ein super Design und Technik haben. Sie haben bestehendes revolutioniert. Es ist die hohe Qualität im Detail, die mich mit Apple Produkten zufrieden sein lässt und da läuft Apple nicht hinterher sondern geht voran.

    Es gibt immer mal wieder auch Probleme (Mountain Lion stürzte anfänglich so viel ab, wie ich es nur von Windows kannte, es gibt mitunter Opentype oder Font-Probleme etc) aber verglichen mit der Nutzererfahrung als Windows User ist Apple bei weitem und in eigentlich fast allen Punkten überlegen.

    Ich dachte vor kurzem ich sei vielleicht bescheuert mit Apple und kaufte mir damals Nokias Handy Flagship: eine Katastrophe: Betriebssystem stürzte ständig ab oder blieb hängen, Oberfläche eher häßlich, das Teil klobig und schwer. Als mir mein Bruder dann das IPhone 3g schenkte - das zwar nach einem Monat kaputt war, hatte aber auch schon einiges auf den Buckel – überzeugte mich die Nutzererfahrung so sehr, dass ich das Nokia verkaufte und mir ein 3gs kaufte. Bis heute bin ich damit hoch zufrieden - mit Nokia wurde ich das nicht!

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    Hatte mich zu einem Nokia MusicExpress überreden lassen (bis dato immer zufrieden mit meinen Nokias gewesen) - das totale Schrotteil. Kontraintuitiv, lahm, umständlich, klobig, doof. Dann wurde mir (erklärter Apple-Gegner) ein altes iPhone 3G geschenkt - angefixt. Irgendwann dann ein neues, da keine Aktualisierungen mehr möglich. Das finde ich nicht so dolle, denn ansonsten hat es ja noch prima funktioniert. Bin ma gespannt, ob iOS7 dann auch noch für die 4er-Reihe geht...

  2. Apple könnte wahrscheinich das Beamen erfinden und die Presse würde immer noch kolportieren, fällt Apple nichts mehr ein.

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    ...folgt seit geraumer Zeit das Herunterschreiben. Das ist nicht nur bei Apple so, sondern bei vielen Themen. So sorgt die Presse für Klicks beim Hochschreiben ("was wieso wird das so gut bewertet, das ist doch Müll") und Herunterschreiben ("spinnen die? was soll denn noch alles kommen, damit die mal zufrieden sind?"). So funktioniert leider Onlinejournalismus. Klicks, klicks, klicks.

    Zum Thema: Apple könnte den Weltfrieden verkünden und die versammelte Journalistenmeute würde grummelnd ihre enttäuschten Rants veröffentlichen.

    Das verkündet Google im Mai(!) den Start seines Onlineradios. Anfang Juni tut das Apple im Rahmen der WWDC und was kommt: "Damit kommt Apple spät". Na klar.

    Wenn das Radio vernünftig empfehlungsbasiert arbeitet und den iTunes-Backkatalog nutzen kann (das habe ich bisher noch nicht so genau herauslesen können), könnte das einschlagen wie eine Bombe. iTunes Match kostet 25eur im JAHR und das war mir zumindest bisher schon das Upload und Synchfeature wert. Der Streamingservice ist dann inklusive. Wie gesagt, WENN es den iTunes Katalog nutzen kann, dann ist das für Apple eine potentielle Goldgrube und für die Kunden ziemlich praktisch.

  3. "Auch OS X Mavericks ist also eher ein Update, ein Aufholen statt ein Überholen."

    Aufholen zu welchem Desktop-OS denn? Den Multifunktions- und Innovationsbomen Windows 8 oder Google Chrome etwa? Na, ich weiß nicht, ob da dieser Satz gerechtfertigt ist…

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  4. ...mit Sprachbefehlen über Siri gesteuert..."

    Und hier wird geschrieben, denen würde nichts mehr einfallen!

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  5. Das neue iPhone UI Design sieht Holo auf Android extrem ähnlich.

    Der ganze flache Look, besonders im neuen iTunes, ist eindeutig Holo nachgebaut.

    Tja, schön, dass Apple auch endlich gutes Design einführt. Der kitschige Knubbel-Glas-Reflektions-Fakeholz-usw.-Look war ja auch wirklich geschmacklos.

    Und natürlich auch ein deutliches Indiz, wo mittlerweile die Musik spielt.

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    "Tja, schön, dass Apple auch endlich gutes Design einführt"

    Der Satz so ist wirklich interessant - bzw. wohl eher albern. Apple hat eine Menge, aber ja nun wirklich kein grundsätzliches Designproblem. Wenn sich eines nicht geändert hat, seit Apple auf dem Markt ist, dann dass die Konkurrenz in Sachen Design ziemlich arg hinterher hinkt.

    Hier geht es um EIN Designelement, EINE Oberfläche, deren Erscheinungsbild zu wünschen übrig ließ.

    Aber so ist das bei Apple. Kaum eine Firma polarisiert derart. Da sind die Applefans, die im Grunde alles trupi finden - und die anderen, die so ziemlich alles gnadenlos auseinander rupfen, was mit dem angebissenen Apfel geschmückt ist.

    • hairy
    • 11. Juni 2013 0:06 Uhr

    soll ja für Profis sein, aber dafür ist der bei weitem zu schwach, weil trotz ein 12 Core Processor und fragliche Aufrüstbarkeit und zu wenig Schnittstellen und 2 Grafikkarten von 2012, die vermutlich auch eher billig sind (für den Profibereich), bei enormer Leistungsaufnahme, und vermutlich gibts außerdem enormen Kabelsalat...

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    Wer will denn bitte schön die USB- und Thunderbolt-Anschlüsse auf derselben Seite des Computers wie den Stromanschluss. Ich hatte gedacht, diese Unsitte sei seit 10 Jahren vorbei.

    Das modulare System der alten Mac Pros war großartig und in Sachen Usability unerreicht. Warum Apple gerade ihren Powerusern jetzt einen solchen Design-Schmarrn aufdrängen will, erschliesst sich mir nicht. Ein Mac Pro soll in erster Linie Leistung bringen! Dafür darf er auch gerne Platz einnehmen.

  6. ...folgt seit geraumer Zeit das Herunterschreiben. Das ist nicht nur bei Apple so, sondern bei vielen Themen. So sorgt die Presse für Klicks beim Hochschreiben ("was wieso wird das so gut bewertet, das ist doch Müll") und Herunterschreiben ("spinnen die? was soll denn noch alles kommen, damit die mal zufrieden sind?"). So funktioniert leider Onlinejournalismus. Klicks, klicks, klicks.

    Zum Thema: Apple könnte den Weltfrieden verkünden und die versammelte Journalistenmeute würde grummelnd ihre enttäuschten Rants veröffentlichen.

    Das verkündet Google im Mai(!) den Start seines Onlineradios. Anfang Juni tut das Apple im Rahmen der WWDC und was kommt: "Damit kommt Apple spät". Na klar.

    Wenn das Radio vernünftig empfehlungsbasiert arbeitet und den iTunes-Backkatalog nutzen kann (das habe ich bisher noch nicht so genau herauslesen können), könnte das einschlagen wie eine Bombe. iTunes Match kostet 25eur im JAHR und das war mir zumindest bisher schon das Upload und Synchfeature wert. Der Streamingservice ist dann inklusive. Wie gesagt, WENN es den iTunes Katalog nutzen kann, dann ist das für Apple eine potentielle Goldgrube und für die Kunden ziemlich praktisch.

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    • lm.84
    • 11. Juni 2013 1:53 Uhr

    Es ist nicht der Journalismus alleine. Zumindest sind die Anforderungen der (Groß-) Aktionäre an Apple atemberaubend - wobei die Aktie seit einem dreiviertel Jahr um mehr als ein Drittel an Wert verloren hat. Das bloße "Herunterschreiben" ist also auch an den Marktwert gekoppelt, so wie umgekehrt.

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  • Schlagworte Google | Apple | Steve Jobs | Amazon | Apps | Hardware
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