WLANBahn verspricht mehr Internet im Zug

Funklöcher im Zug sind Legende, das WLAN ist dort oft ein Witz. Das soll sich ändern. Fünf neue Strecken haben ab sofort das kostenpflichtige mobile Netz namens Railnet. von 

2005 startete der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn das Projekt WLAN im Zug. 2014 soll es endlich fertig sein.

2005 startete der damalige Bahnchef Hartmut Mehdorn das Projekt WLAN im Zug. 2014 soll es fertig sein.  |  © REUTERS/Wolfgang Rattay

Vielleicht besteht ja doch Hoffnung. In Ländern wie Großbritannien oder Indien gibt es in Zügen und sogar in Bussen offenes und ungestörtes WLAN, in Deutschland oft nicht einmal Handyempfang auf den prestigeträchtigen Schnelltrassen des ICE, geschweige denn drahtloses Internet.

Die Bahn arbeitet an beiden Problemen. Zumindest teilte sie gerade mit, ab sofort bestehe auf insgesamt 3.000 Kilometern ICE-Strecke Internetempfang, doppelt so viel wie bisher. Fünf neue Strecken würden nun von Zügen befahren, die mobilen Netzempfang böten: Hamburg-Berlin, Frankfurt-Nürnberg-München, Dortmund-Hannover-Berlin, Göttingen-Wolfsburg und Fulda-Würzburg.

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Bislang waren in 69 Zügen die Empfangs- und Sendestationen verbaut, nun seien 90 ICE-Züge mit der Hotspot-Technik ausgestattet, heißt es in einer Mitteilung. Bis Ende des Jahres sollen es 180 Züge sein, insgesamt dann 255. Bis Ende 2014, Anfang 2015 werde das gesamte ICE-Netz diesen Dienst bieten, verspricht die Bahn.

Das System dazu heißt im Bahnsprachgebrauch Railnet. Die Züge werden mit Funkempfängern ausgestattet, um sie zu Hotspots zu machen. Gleichzeitig baut die Telekom ihre Mobilfunkmasten entlang der Strecke aus. Ältere Ausbaustufen basierten auf UMTS, die neuen Züge würden jedoch mit LTE ausgerüstet, so die Bahn. Bis zu sechs Megabit Download sollen damit pro Gerät möglich sein.

Auch Handyempfang soll besser werden

Das kostet Zeit und Geld. Und es bedeutet, dass es nichts nutzt, in einem Zug mit Hotspot-Funktion zu sitzen, wenn er auf der falschen Strecke fährt – oder auf der richtigen Strecke zu fahren, wenn der Zug diese Hotspotfunktion nicht hat. Daher genügt es im Zweifel nicht, das Hotspot-Logo am Zug zu sehen, um Internetempfang zu haben.

Außerdem kostet der Zugang Geld. Das mobile Netz der Bahn ist nur für einige Telekomkunden kostenlos. Sie müssen in ihrem Tarif die Funktion "Hotspot-Flatrate" haben, dann können sie sich im Zug einloggen und surfen. Wer das nicht hat, muss bei der Bahn einen Zugang kaufen. Das geht online mithilfe der Kreditkarte, als Telekomkunde auch über eine SMS an die Nummer 9526.

Auch an dem zweiten Problem arbeitet die Bahn nach eigener Aussage: am besseren Handyempfang in Zügen. Auch der hängt vom Ausbau der Funkmasten entlang der Strecke und von der Bauart der Züge ab. Durch ihre Metallhaut und dank der metallbedampften verspiegelten Scheiben blockieren Züge Mobilfunkstrahlung relativ gut.

Um das zu umgehen, müssen spezielle Antennen eingebaut werden, die das Funksignal verstärken, sogenannte Intrain-Repeater. In ICE ist die Versorgung damit schon relativ gut, nun will die Bahn mehr IC-Züge ausrüsten. Ungefähr 370 Wagen der zweiten Klasse sollen bis Ende 2014 mit LTE-fähigen Repeatern bestückt werden. Weitere 120 Wagen, in denen bereits ältere Repeater arbeiten, würden bis dahin umgerüstet auf LTE.

Damit ist die Zeit der stundenlangen Funklöcher wohl bald wirklich vorbei – und damit auch die der Klagen

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Leserkommentare
  1. Telekom. Hotspots. Kostenpflichtig.
    Vermutlich auch noch langsam und verkrüppeltes Netz mit Web-Login und ohne bestimmte Dienste (Skype, etc., habe ich alles als Standard erlebt).

    Seid ihr denn des Wahnsinns? Telekom? HotsSpot?
    Und das alles bei diesen obszönen Bahnpreisen. Furchtbar.

    9 Leserempfehlungen
  2. Endlich hat die Bahn das WLAN für sich entdeckt. Man steht der neuen Technik wohl aber noch etwas vorsichtig gegenüber. Es soll nicht nur etwas kosten, vielleicht denkt man schon darüber nach, die Übertragungsrate auf 384 kBit/s zu begrenzen, um durch zu hohe Geschwindigkeit verursachte Unfälle zu vermeiden...

    Danke Bahn, ohne dich würden wir Besserwisser- Deutschen kein vernünftiges Feindbild mehr haben!

  3. Es gibt ja schon Hotspots: ca. 5€/ 30 Min. Wer will das bezahlen?!

    Ich bin schon mit Bussen gefahren, die WLAN für die Gäste anboten: kostenlos (Edinburgh/ Airport, Stockholm/ Airport, Langstrecken-Busse). Man hat es "Service" genannt. In Deutschland schafft es die Bahn einfach nicht, sie Sache mit dem "Service".
    Der Bahn kostet der Zugang wenig und es wäre eine klasse Marketing-Maßnahme, eine echte Alternative zum Auto (da kann man als Fahrer ja nur schwer surfen).

    7 Leserempfehlungen
    • edgar
    • 04. Juni 2013 17:53 Uhr
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Ja, das Foto war Absicht - um zu zeigen, wann dieses Projekt gestartet wurde und wann es nun endlich umgesetzt wird. Fast 10 Jahre sind eine ziemliche Leistung, fand ich.

    lg
    k

    • iawdw
    • 04. Juni 2013 17:59 Uhr

    Warum sind Toiletten in Zügen vorgeschrieben - kostenlose WLAN-Hotspots jedoch nicht?

    Diese Frage klingt wohl nur für Menschen jenseits der 30 noch provokant.

    Konzerne wie die DB und ihre Mitbewerber werden in dieser Sache keinen Finger krümmen, wenn der Gesetzgeber nicht Regeln vorgibt, die den Unternehmen auch ein bisschen weh tun.

    Das Internet gehört mittlerweile genauso zur wichtigen Infrastruktur wie funktionierende Straßen und Stromversorgung. Während das in anderen Industrienationen längst Konsens ist und weitverbreitetes, kostenloses WLAN selbstverständlich scheint, humpelt die stolze HighTech-Nation Deutschland ohne erkennbare Internetstrategie dem Rest der Welt hinterher.

    Eine Leserempfehlung
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    • js.b
    • 04. Juni 2013 18:16 Uhr

    Wenn Ihnen WLAN-Abdeckung und Toiletten ähnlich existenziell erscheinen, sollten Sie vielleicht mal den Suchtbeauftragten Ihrer Kommune aufsuchen. Das gilt übrigens sowohl für Über- als auch Unter-30-Jährige.

    Mir ist das Thema WLAN in den Zügen völlig egal - in Zeiten fast allgegenwärtiger Daten-Flatrates ist das Thema fast schon ein bisschen obsolet geworden. Ein ähnlich seltsamer Nebenkriegsschauplatz ist der Plan für öffentliches WLAN im Berliner Stadtgebiet - einfach zu spät mittlerweile und wahrscheinlich v. a. für Touristen interessant.

    Richtig ist allerdings leider, dass man im Ausland beim Thema öffentliche WLANs teilweise deutlich weiter ist als in Deutschland - das liegt allerdings in erster Linie an der idiotischen Mitstörer-Haftung in Deutschland und zweistens an einer Mentalität, die EC-Kartenzahlungen erst ab 10 Euro zulässt und sich dabei nicht einmal blöd vorkommt.

    Das erinnert mich an die Situation in Österreich. Jahrelang haben die (staatlichen) ÖBB erklärt, wie kompliziert und teuer W-LAN im Zug nicht sei. Dann kam eine private Bahn auf einem kleinen (wenn auch wichtigen) Streckenteil Österreichs daher und bot komfortable Züge mit allem drum und dran und darunter einem recht vernünftigen W-LAN – selbstverständlich gratis – zum regulären Fahrpreis einer ÖBB-Fahrt mit Vorteilscard (entspricht Bahn Card 50) an und plötzlich, nur Wochen später, gab es in ÖBB-Zügen W-LAN und wurde das Service stetig leicht verbessert. Übrigens in beiden Varianten ohne lästige Werbung von Mobilfunkgiganten in hässlichen Konzernfarben.

    Dass soll nun kein Plädoyer für hemmungslose Deregulierung und Privatisierung des Bahn-Sektors sein, aber ein Beispiel dafür, dass es eben doch geht, wenn man nur will.

    Und was ich nie verstehen werde: überall diese kostenpflichtigen T-HotSpots in Deutschland. Was da wohl schon an wirtschaftlichem Potenzial verloren ging, weil Menschen ohne HotSpot-Vertrag nicht recherchieren konnten, was sie unternehmen (und folglich wo sie Geld ausgeben) könnten (z. B. Touristen)…

    Ich verstehe die Unruhe hier nicht.

    - HotSpot kostet in der Bahn 5 Euro am Tag. Das ist doch praktisch nichts, wenn man dafür seine Bahnfahrt über Spaß haben kann im Netz oder arbeiten kann.
    - Wen soll der Gesetzgeber denn verpflichten, WLAN kostenlos zu machen? die Telekom? Das ist ein Privatunternehmen, von dem ich sogar ein paar Aktien habe. Ich würde denen was erzählen, wenn sie Internet kostenlos anbieten würden. Dann könnte ich die Aktie in die Tonne treten, bis jetzt springt aber immer eine echt passable Dividende ruas.

    Wenn es sich einer der Leser hier leisten kann, die Züge kostenlos mit WLAN auszustatten, wird die Bahn sicher nicht "nein" sagen. Aber warum macht es keiner? Weil jeder nicht sein Geld zum Fenster rausschmeissen will. so auch nicht Telekom und Bahn.

    Zugegeben: die Qualität ist aktuell echt bescheiden. Aber Bahn und Telekom haben vor einem Jahr angekündigt, das aufzuräumen. Seitdem sind etliche Strecken dazugekommen. Die haben auch gute Qualität. Bitte, leibe Bahn/Telekom, macht jetzt mal was an der Strecke Frankfurt-Köln!

  4. als so einen (kostenträchtigen) lahmarschigen W-lan

    • js.b
    • 04. Juni 2013 18:16 Uhr

    Wenn Ihnen WLAN-Abdeckung und Toiletten ähnlich existenziell erscheinen, sollten Sie vielleicht mal den Suchtbeauftragten Ihrer Kommune aufsuchen. Das gilt übrigens sowohl für Über- als auch Unter-30-Jährige.

    Mir ist das Thema WLAN in den Zügen völlig egal - in Zeiten fast allgegenwärtiger Daten-Flatrates ist das Thema fast schon ein bisschen obsolet geworden. Ein ähnlich seltsamer Nebenkriegsschauplatz ist der Plan für öffentliches WLAN im Berliner Stadtgebiet - einfach zu spät mittlerweile und wahrscheinlich v. a. für Touristen interessant.

    Richtig ist allerdings leider, dass man im Ausland beim Thema öffentliche WLANs teilweise deutlich weiter ist als in Deutschland - das liegt allerdings in erster Linie an der idiotischen Mitstörer-Haftung in Deutschland und zweistens an einer Mentalität, die EC-Kartenzahlungen erst ab 10 Euro zulässt und sich dabei nicht einmal blöd vorkommt.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Gesetzgeber gefordert"
    • 29C3
    • 04. Juni 2013 19:23 Uhr

    äääh... saubere Toiletten, Verwarnung/Rausschmiss von lauten Besoffenen und Telefonanierern / Zockern / online-junkies ... aus dem "Ruhe-Abteil" ?

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Internet | Bahn | Telekom | Download | ICE | SMS
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