Hilfe auf Facebook : Das Empathie-Netzwerk

Sandsäcke, Kuchen, Notfall-Kita: Die Facebook-Community hilft tatkräftig in den Flutgebieten. Die Anteilnahme ist groß, behindert aber auch die Arbeit der Profis.
Ein Screenshot zeigt die Facebook-Seite von "Passau räumt auf" – einer Initiative zur Fluthilfe. © ZEIT ONLINE

"Für all die fleißigen Helfer da draußen, die gerade einsatzlos, aber noch fit sind: bitte geht einfach los, haltet Ausschau nach erschöpften Helfern, löst sie ab und schickt (zwingt!) sie zum Pausieren nach Hause!! DANKE! IHR SEID SUPER!", schreiben die Initiatoren der Aktion Passau räumt auf auf Facebook.

Seit Tagen werden über die an der Uni Passau entstandene Seite Helfer rekrutiert, Spenden gesammelt und Einsätze koordiniert.  All das geschieht inoffiziell – und doch hat sich "Passau räumt auf" zu einer der zentralen Anlaufstellen für Freiwillige aus der Region entwickelt. Noch nie haben sich bei einer Flutkatastrophe in Deutschland so viele Menschen im Netz organisiert – ein guter Ansatz, der mancherorts aber auch zu Chaos führt.

Wer unterstützen will, kann sich online in eine Liste eintragen. Weit mehr als 1.500 Freiwillige haben sich seit dem 2. Juni gemeldet. Sie organisieren Spenden – von Gummistiefeln über Lebensmittel (derzeit gilt: Bitte keinen Kuchen mehr backen, sondern lieber Obst vorbeibringen) bis hin zu Handtüchern –, schleppen Sandsäcke und schaufeln Keller von Schlamm frei. 

Gleichzeitig stellen Passauer Firmen, soziale Einrichtungen und jede Menge Privatleute Hilfeleistungen über die Facebook-Seite zur Verfügung. Seit Donnerstag bieten zum Beispiel Lehramtsstudenten in Kooperation mit dem örtlichen Kindergartenpersonal an, Kinder von Flutbetroffenen abzuholen und zu betreuen. Andere Nutzer bieten ihr Zuhause zum Übernachten an. 

Auch Sachsens Hauptstadt koordiniert sich online

Auch in Dresden gibt es seit Sonntag eine Facebook-Seite für freiwillige Helfer. Mit knapp 43.000 Likes ist die "Fluthilfe Dresden" zu einem immensen Informationsportal angewachsen. Ein Dresdner Autohaus stellt dort etwa kostenlose Leihwagen bereit. "Stoffe Stoffe Stoffe", lautet ein anderer Beitrag – eine Sandsacknähstube brauche Nachschub.

Im Gegensatz zum letzten schlimmen Hochwasser 2002, als es weder Twitter noch Facebook gab, vernetzen sich dieses Mal Hilfsbedürftige und Helfer intensiv über die Internetkanäle. 

Schon im sächsischen Grimma, das schon ein paar Tage länger als Dresden mit den Wassermassen kämpft, ziehen viele das Internet dem Telefon vor. So würden sie nicht durch Anrufe gestört oder aufgehalten, sondern könnten die Informationen selbstbestimmt abrufen, sagen einige zur Begründung. Zudem ließen sich Gruppen von Menschen online leichter in Bewegung setzen, koordinieren oder zurückrufen.  

Die Reichweite des sozialen Netzwerks, das weltweit mehr als 1,1 Milliarden Mitglieder hat, ist auch hierzulande enorm: In Deutschland ist das 2004 gegründete Facebook die am häufigsten besuchte Website direkt nach dem Spitzenreiter: der Suchmaschine von Google. 

Wer sich die Postings auf den Fluthilfe-Seiten anschaut, erfährt viel darüber, wie es den Menschen in den betroffenen Gebieten geht und was sie brauchen. Durch die Anteilnahme und Solidarität, die sich hier zeigt, bekommt der Begriff  "soziales Netzwerk" eine ganz neue Bedeutung.

Der Wille zu helfen, kann aber gelegentlich destruktiv sein. Auch das zeigt sich schnell beim Scrollen über die Seiten: So lautet ein Posting auf "Fluthilfe Dresden": "Leipziger Straße braucht Helfer – Feuer frei". Ein paar Minuten und etwa 20 Kommentare später beklagt ein Helfer, dass immer noch dazu aufgerufen werde, sich zu melden – obwohl es mancherorts schon übervoll sei und neue Freiwillige dann nichts zu tun hätten.

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Kommentare

34 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Profilierung und Gutmenschentum !

Ihr Kommentar spricht mir aus dem Herzen !
Da ist die K...e am dampfen und schon sind hundert unqualifiziert quatschende
" Helfer " im Anmarsch. Allen diesen Typen sei es Gesagt.
MAN RENNT NICHT ERST LOS WENN EIN PRESSEWÜRDIGES UNGLÜCK GESCHIEHT! in die Zeitung kommt Ihr damit auch nicht.
Wer wirklich helfen will der organisiert sich in einer der vielen Hilfsorganisationen , zahlt Beiträge,setzt sich in seiner freien Zeit auf die Schulbank und schlägt sich die Wochenenden mit Übungen etc.um die Ohren.
Wenn es dann wirklich schlimm wird zieht man sich seine Klammotten an und
tut was man gernt hat ohne große Worte.

Ehrlich?

Ich zitiere einfach nur Wikipedia:

"Im Januar 2012 erhielt das Wort als Unwort des Jahres 2011 in Deutschland den zweiten Platz. In der Begründung gab die Jury an, mit dem Wort werde „insbesondere in Internet-Foren das ethische Ideal des ‚guten Menschen‘ in hämischer Weise aufgegriffen, um Andersdenkende pauschal und ohne Ansehung ihrer Argumente zu diffamieren und als naiv abzuqualifizieren“ und kritisierte die aus ihrer Sicht 2011 einflussreich gewordene Funktion des Wortes als „Kampfbegriff gegen Andersdenkende“."

Sollte Ihnen zu denken geben...

Toll...

Was bitteschön machen die Medien aus dem Hochwasser?
Haben Sie nur einmal den Brennpunkt gesehen?
Wenn man dem ÖR zuhört, dann könnte man meinen, dass die Welt untergeht und nicht dass vll 1 Million Haushalte(, sind es überhaupt soviele?) Wasser im Keller/Erdgeschoss, etc stehen haben.
Damit sich niemand profilieren kann(,z.T. tun dies auch Flutopfer, die von den Medien interviewt werden) und es kein Event gibt, sollte man einfach die Berichterstattung auf ein Minimum reduzieren, d.h. keine Kameras, keine Bilder, sondern einfach nur sachliche Mitteilung der Pegelstände.
Die Leute, die helfen wollen, werden dann trotzdem kommen.
Das Versagen liegt auch bei den öffentlichen Stellen. Wenn man soviele Hilfswillige vor Ort hat, sollte man einfach sie in Gruppen(von ca. 30 bis 50 Personen) einteilen, welche IHREN persönlichen Leiter vom THW haben und gezielt über das Internet anfordern kann.
(Rein mathematisch kann man davon ausgehen, dass bei einer Gruppenstärke von 30 Personen, vermutlich 25 nicht kommen. Wenn man 100 Sandbefüller braucht, fordert man einfach die Gruppen 1 bis 5 an und hat zwischen 100 und 125 Personen). Desweiteren kann man der Gruppe ein Kurzbriefing geben, in dem sie Adressen, Handynr, etc austauschen, damit sie Fahrgemeinschaften, etc bilden können.
Z.T. haben Organisationen via FB bekannt gegeben, wo KEINE Helfer mehr gebraucht werden.
Aber ich kann nicht einschätzen, in wie weit sich Helfer im Weg standen und Eventstimmung, Profilierung.

Diffamierung der Dresdner Fluthilfe-Netzwerke

@d-weber:Es war genau so, wie sie es beschreiben. Ich habe in den FB-Seiten folgendes dazu gepostet:
Ich habe das gerade an Fluthilfe Dresden und Hochwasser Dresden gepostet:
Woanders würde man sich erleichtert und stolz um den Hals fallen: die Fluthilfe 2013 ist von den Dresdner Bürgern und den vielen, vielen auswärtigen Helfern beinahe komplett in Eigenregie übers Internet organisiert worden.
Der Pegel ist keine 20cm gesunken, da kommt die Stadtverwaltung aus dem Fluturlaub zurück, und bemängelt die mangelnde Koordination und die bösen Gerüchte die via FB verbreitet werden!!!
Wenn mans nicht in SZ lesen würde, man hielte es nicht für möglich. Ein Stadtsprecher Kai Schulze wünscht sich mehr Besonnenheit beim Verfassen von Beiträgen im Internet.
Nun ja, wenn mir meine Arbeit durch Zehntausende dermassen brutal aus der Hand genommen werden würde - vielleicht würde ich auch so reagieren.
Macht weiter! Das ist ein Riesending! Auch wenn bei manchen erst Wochen später der Groschen fällt!