Ein Buchstabendreher im Wort Enzyklopädie? Systemadministrotor statt Systemadministrator geschrieben? So etwas korrigiert die Autokorrektur des iPhones schon beim Schreiben. Und wer ein Wort trotzdem falsch schreibt, kann es hinterher antippen und bekommt einen Vorschlag präsentiert, was man wirklich gemeint haben könnte. Außer es handelt sich um die englischen Wörter für Abtreibung, Selbstmord, Pornografie oder bigott. Die kennt Apples Rechtschreibprüfung nicht.

 Journalisten von The Daily Beast haben sich die Software genauer angesehen und eine Liste der schlimmen Worte erstellt, für die es in Apples Betriebssystem iOS keine nachträglichen Korrekturvorschläge gibt. Dutzende Wörter sollen es sein: deflower, homoerotic, marijuana, prostitute, bullet, ammo, drunken, arouse, Aryan, murder und virginity zum Beispiel.

Um genau herauszufinden, wann die Rechtschreibprüfung von Apple versagt, haben die Journalisten ein Experiment durchgeführt. Sie schrieben ein Skript, das in rund 250.000 englische Wörter einen kleinen Rechtschreibfehler einbaute. So wurde zum Beispiel der letzte Buchstabe einfach durch den ersetzt, der auf der Tastatur links daneben liegt – für moderne Rechtschreibhilfen ist das kein Problem.

Diese Varianten testeten sie an einem iOS-Simulator, einem Programm, das sich wie ein fabrikneues iPhone verhält. Von den 250.000 Ausgangswörtern blieben nach mehreren Tests etwa 14.000 übrig, die das System nicht zu korrigieren vermochte, weil es sie nicht kannte. Wenn sie korrekt geschrieben waren, wurden sie nicht rot unterstrichen – es waren also Worte, die iOS zumindest als Worte erkannte. Die meisten davon waren technische oder sonstige Fachbegriffe.

Aber eben nicht alle. Unter den 14.000 waren auch die Begriffe rund um Sex, Drogen und Gewalt, für die iOS keine Korrekturvorschläge macht, weil Apple das so will. Das gilt allerdings nur für englische Worte, deutschsprachige Nutzer bekommen die Empfehlung, aus dem Wort "Suizip" ein "Suizid" zu machen.

Nicht untersucht haben die Journalisten die Autocomplete-Funktion, also die Vorschläge, die iOS schon macht, während der Nutzer das Wort noch tippt. In früheren Versionen von iOS wurden die fraglichen Begriffe durchaus richtig vervollständigt. Erst mit der Einführung der nachträglichen Rechtschreibprüfung im April 2010 änderte sich das, heißt es im Artikel.

In Android gibt es keine Einschränkungen

Heute rührt sich auch die Autocomplete-Funktion nicht mehr, wenn jemand "abortio" tippt und nur noch eine Möglichkeit übrig bleibt, das Wort zu vervollständigen. Da Autocomplete lernfähig ist, dürfte sich das ändern, wenn ein Nutzer das Wort oft genug eingegeben hat.

In Android gibt es solche Einschränkungen übrigens nicht. Im Test von ZEIT ONLINE mit Android 4.1.2 gab es sowohl die passenden Autokorrektur- wie auch Autocomplete-Vorschläge für Wörter wie abortion oder rape.

Die Reporter von The Daily Beast haben Apple um eine Stellungnahme gebeten, aber keine bekommen.