Das Nokia Lumia 1020 mit Windows Phone 8 und 41-Megapixel-Kamera © REUTERS/Shannon Stapleton

Was ist das beste Werkzeug, um eine Nadel im Heuhaufen zu suchen? Geht es nach Nokia-Chef Stephen Elop, dann ist es ein Smartphone: Ein Foto machen, heranzoomen – fertig.

Es ist ein gelungener Marketing-Gag: Als der finnische Hersteller sein neues Smartphone, das Lumia 1020, präsentiert, redet Elop kaum über Prozessorleistung oder Bildschirm, sondern fast nur über die Kamera. Sie habe einen optischen Bildstabilisator, ein Objektiv von Carl Zeiss – und mit 41 Megapixeln eine so hohe Auflösung, dass man ein Foto extrem vergrößern könne. "Man sieht Dinge, die man nie zuvor gesehen hat", ruft Elop. Auf der Leinwand hinter ihm taucht die Nadel auf einem trockenen Grashalm auf. Selbst das Öhr ist zu erkennen.

Auch wenn man das übliche PR-Geklingel beiseite lässt, auch wenn man berücksichtigt, dass ein Teil der Technologie schon in einem älteren Nokia-Gerät zum Einsatz kommt: Das Lumia 1020 ist bemerkenswert. Es steht für eine neue Produktkategorie: Smartphones mit hervorragenden Kameras, die die Fotos gleich nach der Aufnahme bei Facebook, Instagram und Flickr hochladen können. Erst vor ein paar Wochen hatte Samsung mit dem Galaxy S4 Zoom ebenfalls ein so aufgerüstetes Handy vorgestellt, auch wenn es nur auf 13 Megapixel Auflösung kommt.

Die beiden Hersteller setzen damit auf den nächsten großen Trend der Kamerabranche. Die Einführung vernetzter Geräte sei ebenso bedeutsam wie die Umstellung von Analog- auf Digitalfotografie, sagt Francisco Jeronimo, Mobilfunkexperte vom Marktforscher IDC. "Das ist ein wichtiger Moment für Nikon, Canon und Olympus", betont der Analyst. "Wer diesem Trend nicht rechtzeitig folgt, gefährdet sein Geschäft."

Qualitätseinbußen spielen für jüngere Nutzer keine Rolle

Schon jetzt leiden die Traditionshersteller unter dem Smartphone-Boom: Der Absatz von einfachen Kompaktkameras, die im Englischen point and shoot (zielen und abdrücken) heißen, ist eingebrochen. "Bei jüngeren Nutzern ist das Smartphone die dominierende Kamera für Schnappschüsse – gerade in Situationen, in denen die Qualitätseinbußen keine Rolle spielen", sagt Michael Schidlack, Bereichsleiter Consumer Electronics beim Technologie-Branchenverband Bitkom.

Das hat zwei Gründe: Zum einen ist das Smartphone ohnehin immer dabei. Zum anderen kann damit das Foto gleich bei Facebook und Instagram hochladen oder per Mail verschicken. "Konnektivität ist für viele Kunden inzwischen wichtiger als eine herausragende Bildqualität. Das typische Szenario ist, dass man bei Events oder im Urlaub die Fotos sofort hochlädt", sagt Schidlack. "Die meisten Nutzer schießen keine Fotos, um sie auf dem Laptop aufzubewahren. Deswegen wird die Internetanbindung immer wichtiger", sagt auch IDC-Experte Jeronimo.