Außerdem könnten Experten zumindest die korrekte Umsetzung der Verschlüsselung überprüfen, eine ausführliche Anleitung gibt es hier. Der Rest der App ist eben auch ein Geschäftsmodell, weshalb Kasper noch nicht bereit ist, sie als Open Source zu verbreiten. Er hat nicht nur Angst vor Nachmachern, sondern auch vor alternativen Programmen, die trotzdem auf seine Infrastruktur zugreifen, ihm also die Kosten für den Serverbetrieb überlassen.

"Letztlich ist es eine Gefühlssache, ob man mir vertrauen will", sagt er. "Einen gewissen Bonus genießt meine Firma als kleiner, unabhängiger Betrieb in der Schweiz vielleicht." Aber letztlich nütze auch die beste App nichts, wenn das Betriebssystem dahinter nicht vertrauenswürdig sei. "Ich wurde schon gefragt, ob ich garantieren kann, dass die NSA die Nachrichten nicht lesen kann – und ich sagte 'Nein'. Weil ich zwar von meiner App überzeugt bin, aber nicht wissen kann, ob es zum Beispiel in iOS eine Hintertür gibt, über die Apple alle Tastatureingaben oder den Bildschirminhalt mitschneiden kann."

Ein paar Sicherheitsexperten haben Threema bereits gewisse Schwachstellen vorgeworfen, doch die beziehen sich auf Situationen, in denen Dritte Zugang zum Smartphone haben. Wenn es sich dabei um die Polizei oder gar einen Geheimdienst handelt, hat man sowieso ein Problem. Vor neugierigen Blicken, wenn man sein Handy kurz jemand anderem gibt, schützt auf Wunsch eine gesonderte PIN-Eingabe in der Threema-App für iOS. In der Android-Version kann man auch eine richtige Passphrase vergeben. Aber in beiden Fällen ist es wahrscheinlich, dass eine Behörde mit einer forensischen Analyse die entschlüsselten Threema-Nachrichten lesen könnte. Kasper empfiehlt, das Gerät selbst mit einem längeren Sperrcode zu sichern, nicht nur mit einer vierstelligen PIN. 

Im Vergleich zu anderen Messenger-Apps mit Verschlüsselung macht Threema insgesamt eine gute Figur, wie auch Wettbewerber einräumen. Der nächste Konkurrent könnte das Projekt Heml.is werden: Zu dessen Initiatoren gehört mit Peter Sunde ein Mitgründer von The Pirate Bay und damit ein notorischer Kämpfer für Anonymität im Netz. Heml.is hat sich in kürzester Zeit durch Crowdfunding finanziert, nun müssen Sunde und seine Mitstreiter ein Produkt entwickeln, das mindestens so gut ist wie das von Manuel Kasper.

Nutzer verlangen Funktionen wie bei WhatsApp

Reich wird der mit Threema nicht. Zwar hätten ihm die Geheimdienst-Enthüllungen von Edward Snowden durchaus geholfen, sagt Kasper. Wohl auch deshalb steht die App seit einiger Zeit in Apples iTunes-Charts recht weit oben. Aber Kasper ist schon froh, wenn er mit den Einnahmen aus dem Verkaufspreis – 1,79 Euro für iOS und 1,60 Euro für Android – die Betriebskosten decken kann, zumal die Nutzung des Dienstes kostenlos ist.

Kasper hat die App "aus Spaß an der Sache" entwickelt, als Nebenprojekt. Einige Hundert Arbeitsstunden stecken allein in der Entwicklung der iOS-Version, schätzt er. Die ist bereits seit Dezember im AppStore, Kasper hat sie mehr oder weniger allein programmiert. Bei der Android-Version holte er sich Hilfe. Für die Zukunft plant er, die App so zu gestalten, dass sie von mehreren Endgeräten aus synchronisiert und genutzt werden kann. Das würde eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung über verschiedene Betriebssysteme und Geräte hinweg bedeuten – ein Killerfeature, aber nicht eben trivial umzusetzen. Zuvor will er andere Funktionen hinzufügen: Gruppenchats oder Smileys für die Android-App – einfach, weil es so etwas bei WhatsApp auch gibt und er deshalb von seinen Nutzern danach gefragt wird.

50.000 Mal wurde Threema mittlerweile heruntergeladen. Anders ausgedrückt: 50.000 Menschen ärgern derzeit die NSA.