Datenbrillen : Google Glass bekommt Konkurrenz

Die Firma Meta baut eine echte Augmented-Reality-Brille. Die könnte noch vor Google Glass auf den Markt kommen. Auch andere Hersteller arbeiten an Datenbrillen.
Meta.01 oder "Spaceglasses" – die Datenbrille der New Yorker Firma Meta © Meta / Screenshot ZEIT ONLINE

Die Meta.01 ist vielleicht keine Schönheit, dennoch hat die Datenbrille der New Yorker Firma Meta ihrem Pendant Google Glass ein bisschen was voraus: Man kann sie vorbestellen, der Preis von 667 Dollar steht bereits fest – und Robert Scoble hat sie noch nicht in die Finger bekommen. 

Der rundliche Mann mit den rotblonden Haaren hat der ganzen Idee von einer Brille, mit der die Realität um Daten angereichert wird, wohl keinen Gefallen getan. Als einer der ersten durfte der Technik-Blogger Scoble im Frühjahr die Google-Brille testen. Er tat das mit großer Begeisterung, sogar unter der Dusche. Das Foto davon veröffentlichte er bei Google plus. Mit dem Bild des grienenden, weißen Nerds mit Glass auf der Nase dürfte er dem Image der gesamten Produktkategorie geschadet haben.

Außerdem hat die Google-Brille Technik-Pessimisten und Datenschützer herausgefordert. Sie haben – lange vor dem NSA-Überwachungsskandal – das Missbrauchspotenzial eines solchen Gerätes aufgezeigt, das zwar nützliche Informationen einblenden kann, theoretisch aber auch jede Alltagssituation aufzeichnen kann. Andere haben sich bereits eine Welt ausgemalt, in der die Menschen nur noch mit ihren Brillen und sich selbst sprechen.

Auf den Markt kommen soll Google Glass frühestens 2014.  Andere könnten dem Unternehmen zuvor kommen. Derzeit arbeiten mehrere Firmen an Datenbrillen.

Schon recht weit entwickelt scheint die Meta.01 zu sein, die im Internet unter dem Namen Spaceglasses präsentiert wird. "Die verrückte AR-Brille, die können soll, was Google Glass nicht kann", schrieb das Blog TechCrunch. Viele nehmen an, schreibt der TechCrunch-Autor, dass Google Glass Informationen, Grafiken und Videos plastisch ins Blickfeld des Nutzer einblenden kann und auch auf Gesten der Träger reagiert. Beides ist falsch. Der Bildschirm der Glass-Brille befindet sich oberhalb des rechten Auges, weshalb die Nutzer leicht nach oben schauen müssen. Und gesteuert wird Glass über Sprachkommandos ("Ok, Glass, take a picture") und einen Touchscreen an der Seite der Brille.

Die Meta-Brille hingegen kommt einer wirklich futuristischen Augmented-Reality-Brille deutlich näher. Das wird möglich durch zwei Projektoren, die Videobilder direkt in das Blickfeld des Brillenträgers werfen und so dreidimensionale Illusionen erzeugen. Oberhalb der Augen wiederum ist auf dem Brillengestell ein Modul mit zwei Kameras befestigt, das Microsofts Kinect-Aufsatz für die Spielekonsole Xbox entspricht und Bewegungen von Objekten im Raum erfasst. Damit kann das System etwa die Bewegung einer Hand erkennen, mit denen der Träger ein virtuelles Objekt anfasst.

Wie das funktionieren soll, zeigt Meta in einem Film: Darin ist zu sehen, wie zwei Spieler ihre Figuren auf einem virtuellen Schachbrett bewegen und wie eine Frau eine in der Luft schwebende Vase modelliert, die sie dann in einem 3-D-Drucker stellt. Im Grunde sei es ganz einfach, verspricht die Webseite: Man müsse nur die Brille kaufen und an einen Windows-PC anschließen. Dann könne man sich Apps wie eben Chess herunterladen und "Luftschach" spielen.

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Kommentare

27 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Google bleibt trotzdem böse

2. Google Glass hat keine größeren oder kleineren Privatsphäre-Probleme als ein handelsübliches Android-Telefon (gleiche Google-Server).

Ja ausser, dass man nichts mitbekommt wenn man damit gefilmt wird.

Hacken Sie's oder lassen Sie's hacken.

Was wohl 95% der Käufer nicht tun werden.

Google & NSA sind bei dieser Brille später optional, ob Google und die NSA das wollen oder nicht.

Ich bezweifel ehrlich gesagt, dass es so einfach ist neue Software aufzuspielen in der Endversion dieser Brille. Und selbst wenn. Erzählen Sie dem Zoll in China, da ist garkein Google OS drauf?

Der Höflichkeit halber nachfragen

Wenn Sie ein Faible für POV-Perspektiven haben, es sei Ihnen belassen.
Wenn Sie ungefragt mein Gesicht abscannen und es den Geheimdiensten übermitteln wollen, sollten Sie der Höflichkeit halber fragen, selbst wenn Sie meinen, Ihre Kamera sei ausgeschaltet. Sie werden dann ein Nein bekommen und das Teil absetzen müssen. Andernfalls sehe ich mich aus Notwehr gezwungen, diesen Eingriff unzivilisiert zu verhindern.

... ScienceFiction Hierarchien, ...

Obwohl die technischen Möglichkeiten der 60er 70er (und vielleicht sogar noch der 80er für die Mehrheiten) nicht heutige Vernetzungsvielfalt (und Sensorik) gekannt hatten, scheint mir die damalige Auseinandersetzung mit Formen zur Gesellschaftsorganisation intensiver gewesen zu sein _ in den MainstreamMedien???

... ein tragbares SXGA oder FHD 2D_OledDisplay als ständige, erweiterte Realität???

Scotty, beam us up. There's no intelligent life down here ;)

Andererseits,

und das ganz ohne Technophobie, vermute ich mal, daß nach Erscheinen von Google Glass & co. die Anzahl der überfahrenen Fußgänger eine Zeit lang rapide ansteigen wird (die Dinger mögen zwar durchsichtig sein, aber die Konzentration ist stark abgelenkt).

Davon abgesehen bin ich als durchaus technikbegeisterter Mensch immer wieder erstaunt über Technologie, die nur einen vernachlässigbaren Nutzen mit sich bringt. Ebenso, wie Smartphones größtenteils (eher wenig spektakuläre) Spielerei sind und weder Berufs- noch Privatleben sonderlich bereichern, wird es mit den Brillen auch sein.

Ich tippe darauf, daß sie sich anfangs gut verkaufen, dann aber schnell Ernüchterung einsetzen wird und letztlich floppen wie MD-Player oder VR-Brillen. Denn abgesehen von der offensichtlichen Coolness und Originalität sind die Features größtenteils ohne Nutzen und Lustgewinn, oder aber schon von jedem Billighandy abgedeckt.

Naja...

erstens für eine halbwegs vernünftige Übersetzung werden sie auch in Zukunft noch die Hilfe eines Menschen brauchen außer natürlich die Übersetzung existiert schon
zweitens mit ein bißchen Menschenkenntnis werden Sie auch ohne Brille erkennen können ob ihr gegenüber lügt außerdem sind meines Wissens Lügentests bis heute nicht 100% genau (und werden es wahrscheinlich auch niemals werden genausowenig wie rein maschinelle Übersetzungen).
Auch glaube ich nicht, dass die Menscheit sich in Brillenhasser und Brillenträger spalten wird, genausowenig wie sie sich in Fernseherhasser und Fersehergucker gespalten hat vielmehr glaube ich dass die Menscheit mit der Zeit eine differenziertere Meinung zu diesen technischen Möglichkeiten etwickeln wird ohne übertriebene Zukunftswünsche oder -ängste

Ergänzung

Bezüglich Ihrer Einschätzung der (zweifelhaften) Qualität des Outputs der Brille bin ich völlig bei Ihnen! Und das sowohl im Beispiel als Übersetzer als auch als Lügendetektor.

Ich wollte nur exemplarisch einen möglichen "Segen" und einen "Fluch" benennen und nicht etwa die Kernaufgaben einer solchen Brille für die Zukunft aufzeigen.
Dass menschliche Experten beides besser können ist bestimmt so. Noch.
(Meine eigene Menschenkenntnis hat mich leider schon mehr als einmal im Stich gelassen so dass ich potentiell Gefahr liefe mich auf ein technisches
Hilfsmittel zu verlassen was mir in dem Bereich unter die Arme greift. Aber ich will hier mal nicht ins Detail gehen sonst wird's noch peinlich für mich. :-))

Dass solche Brillen aufgrund anfänglicher Unperfektheiten auf Dauer aber nur als unwichtiges Spielzeug belächelt werden müssen glaube ich nicht.
Ich denke hier aber an einen erheblich größeren Zeitrahmen als etwa "nächstes Jahr"...