Kaum ist das neue Apple-Betriebssystem für mobile Geräte auf dem Markt, haben Nutzer erste Schwachstellen von iOS7 aufgespürt. Besonders schwerwiegend ist eine Sicherheitslücke beim sogenannten Lockscreen. Apple betonte bei der Vorstellung des neuen iPhones, wie wichtig es ist, sein Gerät gegen unbefugten Zugriff zu sperren und hat deswegen einen Fingerabdruckscanner eingebaut. Bei iOS 7 aber lässt sich der Bildschirm mit der Sicherung leicht umgehen, ohne dass ein Passwort eingegeben werden muss.

Etliche Kunden verzweifelten zudem schon beim Versuch, ihre iOS-Version zu aktualisieren. Das Upgrade dauerte teilweise Stunden, weil der Ansturm auf iOS 7 Apples Server lähmte.

Am Mittwoch um 19 Uhr deutscher Zeit war es soweit: Apple-Kunden mit iOS 6 konnten ihr System kostenlos auf das neue iOS 7 updaten. Das funktioniert mit dem iPhone 4, dem iPad 2, dem iPad Mini und dem iPod Touch der 5. Generation (und jeweils aktuelleren Geräten der Produktklasse).

Die neue Version ist eine grundlegende Überarbeitung des Vorgängers. Die Icons sind bunter und wirken flacher, das Design ist hell. Nicht nur optisch hat sich einiges geändert. Das Kontrollzentrum ist jetzt mit einem Wisch aufrufbar, erstmals gibt es auch eine 64-Bit-Version.

Doch die heiß erwartete Softwareaktualisierung lief bei vielen Kunden schief. Der Verband der deutschen Internetwirtschaft eco hatte vorab bereits vor einer Überlastung der Internetkapazitäten gewarnt, sollten Millionen von iOS-6-Nutzern gleichzeitig versuchen, die neue Version herunterzuladen. 

Abfall der Akkulaufzeit

Laut Apple sind 600 Millionen iOS-Geräte im Umlauf, 93 Prozent davon mit Systemversion 6. Tatsächlich meldete der Web-Monitor Akamai pünktlich zum iOS-7-Start einen Anstieg des Traffics um 91 Prozent, überfordert war aber offenbar in erster Linie der Update-Server des Unternehmens.

Zahlreiche wartende Kunden taten ihren Unmut über Twitter kund. "iOS 7 braucht ewig", schrieb ein Nutzer. Ein anderer berichtete von Problemen am nächsten Morgen: "Ich habe iOS 7 über Nacht runtergeladen, weil es so lange braucht, deswegen ging mein Wecker nicht. #zuspätzurarbeit" Während das System aktualisiert wird, ist das Mobilgerät nicht benutzbar. Wurde der Download abgebrochen, mussten Kunden von vorne starten.

Viele Kunden beschwerten sich nach den ersten Stunden mit iOS 7, dass ihre Batterie nicht mehr so lange wie vorher durchhalte. Offenbar ist besonders das iPhone 5 von diesem Abfall der Akkulaufzeit betroffen.

Insgesamt wurden innerhalb der ersten zwei Tage, nachdem das Upgrade verfügbar war, mehr als sieben Millionen Tweets mit dem Hashtag "ios7" abgesetzt. In den Nachrichten lobten Nutzer das neue Design, kritisierten die bunten Farben, schimpften über veränderte Funktionen oder priesen neue an. 

Trotz Lockscreen Zugriff aufs Fotoalbum

Die Sicherheitslücke im Lockscreen ist der größte Bug, der bislang entdeckt wurde. Mit wenigen Klicks lässt sich die Seite umgehen, auf der man sein Passwort eingeben muss. So lässt sich das komplette Fotoalbum des Handybesitzers öffnen, ohne dass das Passwort eingegeben wurde. Auch die Funktion, Bilder per Mail oder über soziale Netzwerke zu versenden, ist verfügbar.

Apple nahm bereits Stellung und kündigte an, die Sicherheitslücke zu beheben. Man nehme die Sicherheit der Nutzer sehr ernst. Wer nicht so lange warten will, sollte das Kontrollzentrum für den Lockscreen deaktivieren. Für unzufriedene Kunden kursieren zudem die ersten Anleitungen, wie man sein Gerät wieder auf iOS 6 downgraden kann. 

Das neue iOS-Betriebssystem ging fast zeitgleich mit den zwei neuen iPhone-Modellen auf den Markt. Seit Freitag stehen das 5S und das 5C in den Läden, einen Run gab es vor allem auf die teurere Variante 5S. Wer es am Freitagmorgen online bestellte, musste bereits mit einer Lieferzeit im Oktober rechnen. In Tokio bildete sich eine kilometerlange Schlange vor dem Apple-Geschäft, meldete die Nachrichtenagentur AFP. Weltweit ist offenbar die goldene Version des 5S am gefragtesten.