MobilfunkmarktDas iPhone ist ein Asien-Phone

Apple will sein Luxusimage nicht aufgeben und trotzdem mehr Geräte in Asien verkaufen. Das iPhone 5C ist daher ein Kompromiss, der nur mit Mobilfunkvertrag funktioniert. von 

Das neue, bunte iPhone 5C

Das neue, bunte iPhone 5C  |  © Justin Sullivan/Getty Images

Apple wird bunt, aber definitiv nicht billig, analysiert das Techblog The Verge nach der Präsentation des neuen iPhone 5C. Immerhin wird das Gerät mit einem Preis von fast 600 Euro deutlich teurer als erwartet. "Das ist keine Strategie, um die im Smartphone-Markt zunehmend wichtiger werdenden Schwellenländer zu erobern", schreibt Stephan Dörner bei der deutschen Ausgabe des Wall Street Journal dazu. Dabei seien eben diese Schwellenländer "fundamental" für Apples Erfolg.

Was aber ist dann die Strategie Apples? Warum zwei verschiedene iPhones und noch dazu ein so buntes?

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Dass China in Apples Plänen eine wichtige Rolle spielen wird, war vorab ausgiebig kolportiert worden. Das Land gehört zum ersten Mal zu der Gruppe von Märkten, in denen der Verkauf der neuen Modelle startet. Ab 20. September soll das geschehen, gleichzeitig etwa mit Deutschland, den USA und Großbritannien.

Und nur einen Tag nach der Apple-Präsentation wurde bekannt, dass die zuständige chinesische Aufsichtsbehörde grünes Licht erteilt hat für Apples Deal mit China Mobile, dem größten Mobilfunkanbieter des Landes. Die Geräte haben nun die nötige Lizenz, um im Netz des Anbieters betrieben zu werden. Bis zum Jahresende könnten die beiden Unternehmen eine Partnerschaft schließen, zitiert heise.de ungenannte Beobachter. Damit ist für Apple tatsächlich der Weg frei zu einem gewaltigen Markt.

Neben China scheint Apple allerdings Asien insgesamt im Blick zu haben, denn auch Japan ist in der Gruppe der Startländer. Die Plastikhülle des 5C, das es in fünf Farben geben wird, und die erstmals goldene Ausführung des Spitzenmodells 5S, das es bisher nur in Schwarz und Weiß gab, gelten außerdem ausdrücklich als Konzession an den asiatischen Geschmack

In China ist das ein Monatslohn

Als Klientel peilt Apple freilich in China wie anderswo angesichts der gehobenen Preise eher den Mittelschichtskäufer in den Großstädten an. Das 5C kostet ohne Vertrag mindestens 549 Dollar, das entspricht in China und in Indien ungefähr einem durchschnittlichen Monatslohn.

Die Prognose, dass Apple Samsung Konkurrenz macht mit einer Flut billiger Plastik-Phones für den Massenmarkt, hat sich damit nicht bewahrheitet. Apple will offensichtlich sein Image als Luxusmarke nicht aufgeben, auch nicht in China. Etwas billiger also, aber nicht billig. Das 5C ist ein Kompromiss, der nur funktioniert, wenn der Konzern große Partner in den Zielländern findet.

Umso wichtiger ist daher der Vertrag mit Chinas größtem Mobilfunkanbieter, China Mobile. Denn 99 Dollar mit Vertrag sind erschwinglicher, auch in Schwellenländern. Bis zur Grenze von 100 Dollar sind Menschen Studien zufolge dort bereit, für ein Smartphone auszugeben. Daher gibt es auch die Spekulation, es gehe bei der Preisgestaltung vor allem um den Deal mit den Telefonfirmen und deren Chance, ein halbwegs aktuelles iPhone zu einem niedrigeren Preis anzubieten.

Innovationsführer

Aber es geht um noch etwas. Apple reagiert zum einen darauf, dass Samsung inzwischen Marktführer bei Smartphones ist mit einem Anteil von zuletzt 30,4 Prozent und auf fast 80 Prozent aller neuverkauften Geräte Googles Betriebssystem Android läuft.  Auch in der Rolle des Innovationsführers sehen viele Experten und Kunden längst Apples Konkurrenten wie Samsung, HTC  oder Motorola. Anders ist der Fingerabdrucksensor nicht zu erklären. Angesichts der Befürchtungen vieler Menschen beim Thema Datenschutz und angesichts von Apples Ruf, selbst viele Daten zu sammeln, ist es mutig, eine solch riskante Technik zu installieren.

Offensichtlich will man anderen auch nicht hinterher laufen und Dinge einbauen, die sie längst haben. Beispielsweise eine kabellose Möglichkeit, das Telefon aufzuladen oder einen NFC-Chip zur Kommunikation mit Kassensystemen. Den braucht Apple auch nicht, sollte sich seine Fingerabdruckidee durchsetzen und das Telefon damit selbst zur Kasse werden.

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Leserkommentare
  1. apple ist m.e. keine luxusmarke, sondern eine qualitätsmarke, die eine bislang unerreichte in sich stimmige kombination von hard- und software bietet. vom smartphone bis hin zu computern.

    wer mal genau hinschaut (gerade was computer angeht) und vergleicht, findet bei hochwertigen produkten anderer qualitätshersteller (bspw. sony) keinen deutlichen preislichen unterschied und erhält dabei eben nicht diese stimmige kombination und schlüssige produktpalette.

    ziemlich witzig ist nach wie vor, dass sich nun (von seiten der presse) darüber beschwert wird, dass sich nicht alle gerüchte bewahrheiten. apple hat immer dementiert ein billiges smartphone zu verkaufen ...

    natürlich bleibt die frage, wie lange apple die hochpreisige schiene bzgl. smartphones "fahren" kann ... wir werden sehen.

    vom design her attraktiv ist das 5C alle mal - gerade in kombination mit den schutzhüllen + neuem iOS7.

    schade nur, dass das 5C mit dem kunststoffgehäuse ganze ca. 20g schwerer ist als das 5 oder 5S ... warum man sich hier nicht bemüht hat, ein alleinstellungsmerkmal zu festigen. das 5 / 5S ist mit seinen nur 112g so leicht wie kaum ein anderes vergleichbares smartphone.

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  2. Nur weil es knallbunt ist, muß es lange noch kein billiges Plastik sein.

    Das Material heißt seit über 100 Jahren Kunststoff.

    ( Die meisten Kunststoffe kann man beliebig einfärben, auch die Oberfläche - rauh oder glänzend - ist unabhängig vom Material )

    • tuxman
    • 11. September 2013 20:48 Uhr

    Im Text steht, dass Samsung einen Marktanteil von 80% hat, in der verlinkten Quelle steht aber nur, dass Android einen Marktanteil von 80% hat.

    Das passt doch irgendwie nicht zusammen.

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    @tuxman: Sie haben Recht, da waren zwei Tabellen und Links durcheinander geraten, vielen Dank!

  3. Diesen Hype um das iPhone bzw. wie ein Telefon zu einem Statussymbol erhoben werden kann, habe ich leider bis heute nicht verstanden. Scheint aber eine globale Angelegenheit zu sein, dass jeder der etwas auf sich hält in einer Bar, Restaurant, Kneipe etc. sein iPhone auf den Tisch legt und damit symbolisiert - ich bin erfolgreich, dynamisch und cool! Ich würde einfach mal so in den Raum werfen, dass nur ein Bruchteil der Besitzer überhaupt mit den Funktionen vertraut ist und das Telefon in irgendeiner Weise ausreizt ...

    p.s. Ich besitze kein Mobilfunkgerät - da ich mir die Freiheit gönne, auch mal nicht erreichbar zu sein.

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    • Burk W.
    • 11. September 2013 22:07 Uhr

    Wem es nicht gefällt, der kauft es auch nicht. Kauft es keiner, weil zu teuer, zu bunt, zu wenig Neuerungen, dann ändert Apple seine Strategie umso schneller. Das hat bei Windows 7 und 8 hin gehauen - warum sollte es nicht auch bei Apple-Produkten klappen. Kunden sind Käufer. Keine Kundschaft - keine einnahmen.
    Mittlerweile braucht auch keiner mehr unbedingt ein iPhone, jetzt wo HTC und andere eben auch schickes mit Innovationen anbieten.
    Das 5s und 5c werden wohl im Vergleich zu den Vorgängern eher Flops werden. Täte Apple dann auch mal ganz gut.

    2 Leserempfehlungen
  4. Ich könnte mir im Business Bereich nichts anderes mehr vorstellen als ein iPhone. Und ich hatte schon einige Geräte. Symbian, Windows Mobile, Windows Phone, Android und nun mein geliebtes iPhone 5.

    Hier ist einfach die Ausdauer der große Vorteil. Bei anderen Hersteller wechselt die Akkulaufzeit teilweise mit jedem neuen Update. Nix für mich, auch wenn man vielleicht mit anderen Geräten flexibler ist.
    Mein nächstes Gerät wird wohl wieder ein iPhone werden. Aber das ist nunmal Geschmackssache. Zum Glück gibt es ja mittlerweile eine vernünfgite Auswahl an Herstellern.

    Ich habe die Keynote von Apple verfolgt und finde die neuen Funktionen alleine schon spannend.

    Wer nochmals eine übersichtliche Zusammenfassung lesen möchte. Hier habe ich eine gute Seite gefunden:
    http://www.11hints.com/?p=235

    Viel Spaß!

  5. Haben die jemals was gebracht, was andere Hersteller übernommen hätten? Allerhöchstens Sony bringt das eine oder andere, aber die werden ja in der Regel nicht weiter beachtet...

    NFC: Wozu? Zudem hat Apple für alles was dieser kann, bessere Lösungen!

    Induktion: Für ein Smartphone relativ ungeeignet! Dauert viel länger, verbraucht mehr Strom, ist schlecht für den Akku & man kann das Gerät während des Ladevorgangs quasi nicht nutzen ohne den Vorgang zu unterbrechen!

    Aber über den Fingerabdruckscanner meckern, obwohl dieser Reibungslos funktioniert, Innovativ ist & sicherer ist als Code, Wischmuster oder Gesichtserkennung (Wo blieb eigentlich der Aufschrie bei der Gesichtserkennung von wegen Datenschutz?). Zumal solange nicht bewiesen ist, dass die Aussage von Apple zur Sicherheit der Fingerprint-Daten nicht stimmen, sollte man doch so fair sein und erstmal unvoreingenommen diesem gegenüberzustehen.

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    Wer steckt denn hinter der Technologie von Apple? Samsung

    Machen wir uns bei Apple mal nichts vor:
    Die Luft ist raus. Nach Jobs gehen dort auch bald die Jobs.

    Ein paar bunte Cover und die schon recht alte Technologie Fingerabrucksensor als "Killerfeatures"? Selten so gelacht.

    Im Mobilfunkbereich wird Apple den gleichen Weg gehen, wie bei den anderen Produkten auch: Als sich eine Technologie langsam etabliert hat, schnell auf den anfahrenden Zug gesprungen und schicke Lifestyle-Produkte herausgebracht (bei den Smartphones war sogar kurzfristig die Marktführerschaft drin.), dann ab in die Nische.

    Bei der Konkurrenz Andriod sind mehrere Global-Player (Song, LG, Samsung, ...) am Werke, die sich gegenseitig befruchten. Apple steht alleine und wird den Weg von Blackberry gehen...

  6. 8. Fehler

    @tuxman: Sie haben Recht, da waren zwei Tabellen und Links durcheinander geraten, vielen Dank!

    Antwort auf "Fehler?"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Android | China | Datenschutz | Dollar | Flut
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