Ein junger Mann hat eine Idee. Er präsentiert sie der Welt – und die ist begeistert. Hunderttausende unterstützen den jungen Mann, und ein reicher Geldgeber lädt ihn zum Gespräch nach Kalifornien ein. 

Es klingt schon ein wenig wie ein Märchen, was Dave Hakkens gerade erlebt. Ein Internet-Märchen. Zumindest, bis Hakkens von der Reise zu diesem Geldgeber erzählt. "Das Silicon Valley ist echt langweilig", sagt Hakkens. 

Nur acht Wochen ist es her, dass der 25 Jahre alte niederländische Designer einen Film auf YouTube gestellt hat, in dem er seine Idee vorstellt, die er "Phonebloks" nennt: ein Smartphone aus Modulen zum Zusammenstecken. Es soll dafür sorgen, dass Handys nicht einfach auf dem Müll landen, nur weil ein einzelnes Bauteil defekt oder veraltet ist. Phonebloks soll dabei helfen, Elektroschrott zu vermeiden. Außerdem kann sich so jeder ein Smartphone nach seinen Wünschen zusammenbauen.

Die Idee – die gewissermaßen das PC-Prinzip auf Smartphones überträgt – wurde tausendfach gelikt, weitergeleitet, in Artikeln und TV-Sendungen vorgestellt. Auf der Plattform Thunderclap hat Phonebloks 980.000 Unterstützer gefunden.

Schließlich lud der zum Google-Konzern gehörende Handyhersteller Motorola den jungen Designer zu einem Treffen in die Zentrale nach Mountain View ein. Kurz darauf teilte Motorola mit, dass man bereits seit einem Jahr genau so ein Modul-Telefon entwickele und es nun zusammen mit der Phonebloks-Community unter dem Namen Project Ara auf den Markt bringen wolle.

Man könnte meinen, dass Dave Hakkens genau das hatte, wovon jeder Jungunternehmer träumt: eine Idee, die zur richtigen Zeit kommt, die einen Nerv trifft und die Industrie aufhorchen lässt. Eine Idee, die möglicherweise Millionen wert ist.

Doch Dave Hakkens tickt anders. Ja, langweilig findet er das Silicon Valley, sagt er, diese Aneinanderreihung von Vororten wie Palo Alto, Menlo Park und Mountain View im Süden von San Francisco, wo Firmen wie Facebook, Apple und Google ansässig sind. Die Innenansichten der Branche haben Hakkens offensichtlich auch nicht begeistert. Bei Motorola sei zwar alles ganz nett gewesen, sogar einen Job haben sie ihm dort angeboten. Er hat aber abgelehnt. "Ich wollte nie in einer so großen Firma arbeiten, und all diese Gadget-Freaks und Techniker, das war nicht so meine Welt."