Screenshot einer Konzentrationsübung in der App Lumosity © Screenshot / Bold Economy

Mist. Gerade war es noch da. Während ich an diesem Text bastelte, fiel mir etwas ein, das ich dringend nachgucken wollte. Word-Dokument in den Hintergrund geschoben, Browser geöffnet, neues Tab geöffnet - und weg. Irgendwo auf dem Weg ist es verloren gegangen. Tab geschlossen, Facebook gesehen, Link geklickt, hängen geblieben. Fast zehn Minuten dauert es, bis ich mein Word-Dokument wieder öffne und den Faden versuche da aufzugreifen, wo ich ihn vorhin abgelegt habe.

Zum Glück haben solche Szenarien bei mir schon in wenigen Wochen ein Ende. Denn weder Konzentrationsstörungen noch Gedächtnisschwierigkeiten werden Teil meines neuen, verbesserten Ichs sein. Dank Lumosity. Die App des gleichnamigen Start-ups aus San Francisco verspricht, dem Gehirn mit kleinen täglichen Übungen mächtig auf die Sprünge zu helfen.

Gleich zum Start macht das Programm große Versprechen. Man solle doch bitte einfach alle Schwächen auswählen, die man dringend loswerden will, fordert Lumosity auf: Seltener Objekte verlieren (ja!), Namen besser behalten (ja!!), neue Sachen schneller lernen (warum nicht?), mehrere Ideen verfolgen (siehe oben). Ablenkungen vermeiden, besser konzentrieren, Produktivität und Genauigkeit verbessern, sich auf wichtige Dinge länger konzentrieren. Ja, ja, ja, ja! Als ich mich durch alle Kategorien gearbeitet habe, begrüßt mich meine neue persönliche Gedächtnisstütze mit einem personalisierten Trainingsprogramm.

Drei bis fünf Mal pro Woche soll ich mich fortan mit Lumosity beschäftigen, damit meine grauen Zellen auf Trab gehalten werden. Und mal ehrlich: Wer glaubt nicht, dass er auf im Grunde all diesen Feldern noch ein bisschen was rausholen kann?

Ein bisschen wie im Kindergarten

Es geht los mit Speed Match. Lumosity zeigt mir nacheinander Dreiecke, Vierecke und andere Formen an. Ich muss so schnell wie möglich entscheiden, ob der Nachfolger jeweils dem Vorgänger entspricht. Ein bisschen fühle ich mich wie damals im Kindergarten, als ich große Plastikblöcke durch die passenden Löcher drücken musste. Aber ich unterdrücke die anfängliche Skepsis und behalte das große Ganze im Auge. Die Übung soll mein Denken schneller machen und meine Reaktionsfähigkeit aufpeppen.

Es folgt Lost in Migration. Auf meinem Bildschirm fliegen Vogelschwärme vorbei. Lumosity fordert mich auf, zu bestimmen, in welche Richtung der mittlere Vogel zeigt – von den anderen soll ich mich dabei nicht ablenken lassen. Auch hier schlage ich mich zumindest meinem Eindruck nach souverän. Die Übung Pinball Recall schickt anschließend einen Ball durch ein Labyrinth aus Diagonalen, die kurz erscheinen und dann für immer verschwinden. Das Programm will, dass ich vorhersage, wo der Ball am Ende landet. Während ich spiele, horche ich in mich hinein und warte auf den ersten Hirn-Muskelkater.

Lumosity hat Bildungsprojekt für Lehrer gestartet

Mehr als 40 verschiedene Übungen hat die App in der Vollversion im Programm (für rund 15 Dollar im Monat oder 80 pro Jahr), derzeit kommt pro Monat eine neue dazu, damit beim regelmäßigen Gehirndehnen keine Langeweile aufkommt. Die Gratis-Version erlaubt drei Spiele pro Tag. Auch eine Desktop-Variante gibt es. High Scores werden absichtlich nicht synchronisiert, weil die Daumen am Smartphone laut Lumosity oft schneller sind als die Maus auf dem Schreibtisch. Wer will (ich nicht), der kann mit der Anwendung auch die Stimmung vor und nach den Übungen festhalten und ein Schlaf-Tagebuch führen.

Seit dem Start 2007 hat sich Lumosity zum Marktführer entwickelt und Wettbewerber wie CogniFit und BrainHQ auf den Markt gelockt. Inzwischen nutzen das Programm auf dem iPhone oder in der Web-Version rund 50 Millionen Menschen weltweit. Das hat den Machern offenbar genug Selbstbewusstsein gegeben: Lumosity ist dabei, zur Autorität in Sachen Bildung zu werden. Das hauseigene Bildungsprojekt Lumosity Education Access Program stellt Lehrern und Uni-Dozenten kostenlose Abos zur Verfügung. Im Gegenzug nutzt die Firma die gesammelten Daten für die Forschung.