Seit Jahren nehme ich mir vor, Spanisch zu lernen. Seit ich in New York lebe, ist das noch dringender, denn Spanisch ist in manchen Gegenden von Brooklyn und Harlem verbreiteter als Englisch. Doch wie erfolgreich Abendkurse sind, zu denen man sich nach der Arbeit schleppt, habe ich vor zwei Jahren schon mit Mandarin gemerkt. Von dem zehnwöchigen Kurs ist gerade mal das Wort "Tee" hängen geblieben (und auch das stimmt eigentlich nicht, denn um sicherzugehen, müsste ich kurz nachgucken). Und die Chance, mich abends zu Hause hinzusetzen und ein Spanischbuch zu wälzen ist ungefähr so groß wie die, dass die Temperaturen kommende Woche in frühlingshafte Gefilde klettern.

Das ist zum Glück alles nicht mehr nötig. Denn mit Duolingo und meinem iPhone kann ich jetzt die U-Bahn, das Wartezimmer oder die Vorhalle im Kino für wenige Minuten in ein Klassenzimmer verwandeln. Einfach mal Spanisch lernen statt Subway zu surfen oder Candys zu crushen.

Die App versucht gar nicht erst, mir komplizierte spanische Grammatik beizubringen oder mit mir Vokabeln zu pauken. Stattdessen bricht Duolingo die Sprache in viele kleine Bestandteile auf – Basics, Plural, Essen, Tiere, Sätze. Vokabeln werden mit Fotos eingeführt, Sätze müssen nachgesprochen (die Funktion lässt sich abschalten, falls man gerade tatsächlich in der U-Bahn oder im Wartezimmer sitzt), Gehörtes aufgeschrieben (ist es zu schnell, kann man es sich nochmal langsamer anhören), fehlende Wörter ergänzt und Sätze mit Hilfe von Satzbausteinen von einer in die andere Sprache übersetzt werden. Die App wirft einen so oft ins kalte Wasser, bis man von alleine schwimmen kann. Laut Webseite (auf der man seine Lektionen alternativ auch absolvieren kann) kenne ich so inzwischen schon 242 Wörter und beherrsche Pluralformen, Possessivpronomen und Fragen – ohne dass Duolingo mich mit grauer Theorie gelangweilt hätte.

Bequem zwischen zwei U-Bahn-Stopps

Im Gegenteil: Die App ist so simpel aufgebaut und macht selbst am kleinen iPhone-Bildschirm so viel Spaß, dass es sich tatsächlich mehr nach Spiel anfühlt. Dass man hier gerade an seinen Spanisch-Kenntnissen arbeitet, fällt kaum auf.

Jede Runde besteht aus 17 einzelnen Aufgaben, die man bequem zwischen zwei U-Bahn-Stationen erledigen kann. Drei Fehler darf man sich erlauben, dann sind alle Herzen weg und die Lektion muss wiederholt werden. Schafft man es, rückt man ins nächste Level vor. Das Schöne: Dank der Verbindung per Facebook sieht man, wer von den eigenen Freunden auch noch spielt und wie man im Vergleich abschneidet. Nichts spornt mehr an, doch noch eine Lektion mehr zu machen, als die Rangliste am Ende des Tages (gut, außer mir nutzen nur zwei meiner Freunde die App, und beide bleiben dem Unterricht offenbar seit Wochen fern). Im Duolingo-Forum kann man sich öffentlich freuen, wenn man das erste Buch in spanisch gelesen hat – und sich von anderen dafür loben lassen.