Google Glass, der Brillenaufsatz mit Kamera © Justin Sullivan / Getty Images

Google hat von Beginn an klargemacht, dass es das Thema Privatsphäre bei Google Glass sehr ernst nehmen will. Aber nur weil Google das ankündigt, muss sich der Rest der Welt nicht daran halten. Zwar verbietet Google alle Apps, die Gesichter erkennen. Trotzdem entwickeln zur Zeit mehrere Firmen genau solche Programme – mit teilweise sehr fragwürdigen Ansätzen.

So zeigt die Firma FacialNetwork.com in einem Video, wie ihre App NameTag auf einem Testgerät funktioniert: Die Kamera der Google-Brille nimmt Gesichter auf und gleicht diese nach bestimmten Merkmalen mit einer Datenbank von FacialNetwork.com ab. Das Ganze dauert einige Sekunden. Gibt es einen Treffer, wird der Name der Person auf dem Bildschirm der Brille gezeigt, zusammen mit weiteren Informationen aus der Datenbank. Ein Bild von Kayne West erkennt die Software zum Beispiel problemlos.

Eine Kooperation mit Partnerbörsen ist geplant

Noch sind in der Datenbank nur zwei Millionen Profile gespeichert, darunter vor allem Prominente. Das könnte sich jedoch schnell ändern. FacialNetwork.com will zum einen die Datenbank künftig mit Einträgen aus sozialen Netzwerken wie Facebook oder LinkedIn aufstocken. In dem Testvideo wird zum anderen aber auch der Abgleich mit der National Sex Offender Registry gezeigt, einer Datenbank mit verurteilten Sexualstraftätern.

Entwickler Kevin Alan Tussy schrieb in einer Presseerklärung (ZIP-Datei), NameTag plane zudem Kooperationen mit den großen Onlinepartnerbörsen. Tussy schwärmt von der Technik, die helfe, "Menschen um uns herum besser zu verstehen". Aber Informationen aus Dating-Portalen sind in der Regel nicht-öffentlich und nur für die anderen Mitglieder sichtbar. Dieses Grundprinzip möchte Tussy offenbar einfach auflösen – vorausgesetzt, die Portale machen mit.

Jeder ist erstmal in der Datenbank

Wer nicht in die Datenbank aufgenommen werden möchte, soll dem widersprechen können. Beziehungsweise müssen. Das ist für das Unternehmen die beste und für den Nutzer die schlechteste Variante. Denn grundsätzlich heißt das: Jeder kann erst einmal in der Datenbank von FacialNetwork.com landen.

Wie genau der Widerspruch formuliert werden und ob man jedes seiner Onlineprofile einzeln in die Widerspruchsdatenbank eintragen muss, ist außerdem unklar. Möglicherweise wird die Gesichtserkennung im Alltag auch nicht so gut funktionieren, weil sich die fotografierten Menschen in der Regel bewegen oder zum Beispiel eine Sonnenbrille tragen, was den Abgleich mit der Datenbank viel schwieriger macht.