Smartphones von Jolla beim Mobile World Congress in Barcelona © ZEIT ONLINE

Antti Saarnio sieht müde aus, aber glücklich. Der Vorstandsvorsitzende und Mitgründer von Jolla macht beim Mobile World Congress (MWC) den Eindruck, als könne er den Trubel an seinem Stand selbst noch nicht glauben. Für den sorgt ein ungewöhnliches Smartphone – und Angry Birds.

Das Smartphone von Jolla wird seit knapp drei Monaten verkauft. "Ein paar Millionen" sollen es in den nächsten Jahren werden, sagt Saarnio. "Das ist für eine so kleine Firma wie uns sehr viel." Gerade einmal 100 Menschen beschäftigt Jolla, sie haben eine der interessantesten Alternativen zu den bekannten Betriebssystemen Android, iOS, Windows Phone und Blackberry entwickelt: Sailfish OS.

Sailfish benötigt keine Buttons auf dem Smartphone, alles funktioniert über Wischgesten, ein bisschen wie bei Blackberrys aktuellem Betriebssystem. "Man braucht ein paar Minuten, um die wichtigsten Gesten kennenzulernen", sagt Saarnio. "Um sie schätzen zu lernen, braucht man eine Woche. Und um sie lieben zu lernen, braucht man zwei Wochen."

Zum MWC hat Jolla eine Reihe von neuen Funktionen und Zielen angekündigt: Die erste betrifft die Hardware, die beim Jolla aus zwei Hälften besteht. Die Rückseite ist eine austauschbare Plastikschale, die sogenannte Other Half, in die ein NFC-Chip eingebaut wird. Der bringt zum Beispiel neue Inhalte, Hintergrundbilder oder Töne auf das Jolla.

Ein erstes Beispiel liefern die Angry-Bird-Macher von Rovio. Ihre Other Half macht aus dem Jolla ein Smartphone im Angry-Birds-Ambiente. Mit solchen Kooperationen will Jolla in Zukunft Geld verdienen. Die eigenen Schalen kosten 29 Euro; was die Schalen von Partnern wie eben Rovio kosten werden, hängt von ihren Funktionen ab. Saarnio nennt die Other Half ein "Innovationsmonster" und hofft auf möglichst viele verschiedene Modelle, mit denen Jolla-Nutzer ihre Geräte immer wieder erweitern und verändern können.

Unternehmen, die ein mit der eigenen Marke versehenes Jolla anbieten, aber keine Schale entwickeln möchten, können die gewünschten Funktionen auch in der Software platzieren lassen. 

Sailfish OS soll auf andere Smartphones kommen

Die zweite Ankündigung: Jolla wird mit dem finnischen Unternehmen F-Secure zusammenarbeiten, um Jolla-Nutzern Speicherplatz in einer sicheren Cloud anzubieten.

Die dritte Ankündigung: Sailfish OS 1.0 wird in den nächsten Tagen veröffentlicht. Die neue Version soll diverse Bugs beseitigen, mit denen die ersten Jolla-Nutzer noch zu kämpfen hatten.

Und viertens will Jolla sein Betriebssystem für andere Smartphones öffnen. In ein bis zwei Monaten sollen Entwickler die Möglichkeit bekommen, Sailfish zum Beispiel auf einem Nexus 4 zu testen. Wenn das System dann auch auf der alternativen Hardware stabil läuft, soll es für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. 

Möglich machen soll das eine App, die den Launcher auf Android-Smartphones durch den Sailfish-Launcher ersetzt. Das bedeutet: Nutzer können sich an das Sailfish-Bedienkonzept gewöhnen. Wenn sie dann das ganze System haben wollen, müssen sie ihr Gerät "flashen" lassen. Android wird dann komplett durch Sailfish ersetzt.   

Hilfe beim Ersetzen des Betriebssystems

Das ist nicht ganz trivial, die meisten normalen Smartphone-Nutzer dürften dazu nicht in der Lage sein. Aber in China gibt es bereits ein florierendes Geschäft: Kunden bringen ihre Smartphones in einen Laden, dort werden diese geflasht und mit dem gewünschten Betriebssystem ausgestattet. Jolla hofft, dass es so etwas bald auch in anderen Ländern gibt. Das Ziel der Finnen ist, ihr Betriebssystem so weit wie möglich zu verbreiten, um Entwickler für native Apps zu gewinnen. Bisher gibt es nur 160 echte Sailfish-Apps in Jollas App-Store. Allerdings laufen auch Android-Apps auf dem Jolla, Nutzer können diese zum Beispiel aus dem Yandex-Store herunterladen.

In Zukunft soll es zudem neue Jolla-Geräte mit Sailfish geben. Saarnio wünscht sich ein Tablet, will aber nicht bestätigen, dass seine Firma das fest eingeplant hat.

Das Jolla-Smartphone ist mit 399 Euro vergleichsweise teuer für ein Gerät, das von den technischen Spezifikationen her zwischen Mittel- und Oberklasse angesiedelt ist. Jolla ist eben ein kleines Unternehmen und kann bisher nur in kleinen Stückzahlen produzieren lassen. Aber für 399 Euro bekomme man eben das einzige Smartphone mit einem Betriebssystem aus Europa, heißt es am Stand in Barcelona selbstbewusst.