Messaging-Apps Threema, surespot, ChatSecure, Telegram, TextSecure und Xabber auf einem Android-Smartphone © Screenshot ZEIT ONLINE

Facebook holt WhatsApp für 19 Milliarden Dollar in sein Reich. Facebook, die große Datensammelmaschine, interessiert sich für die privaten Gespräche von 450 Millionen Menschen, könnte man sagen. Für manche ist das ein Anlass, WhatsApp den Rücken zu kehren und nach Alternativen zu suchen. Nach Messaging-Apps, die ebenso leicht zu bedienen sind, aber mehr Privatsphäre versprechen, als es WhatsApp je tat.

Threema ist die im deutschsprachigen Raum bekannteste Alternative, die dank Verschlüsselung vor heimlichen Mitlesern schützt. Derzeit führt Threema sogar die iTunes-Charts in Deutschland und Österreich an. Aber es ist nicht die einzige App, die einen Messenger mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung kombiniert. Die NSA-Enthüllungen haben hier offenbar einen Markt geschaffen – Anlass genug, Threema mit den neuen Konkurrenten zu vergleichen. Joshua Lund aus Utah hat das vor Kurzem getan, sein Anforderungskatalog für die perfekte Messenger-App ist Vorbild für den Vergleichstest von ZEIT ONLINE.

Vier Apps werden hier gegenüber gestellt: Threema, surespot, ChatSecure und Telegram. Die Kriterien lauten:

1. Funktioniert die App plattformübergreifend, also mindestens auf iOS und Android (zusammen 94 Prozent Marktanteil) – und im allerbesten Fall auch noch auf dem Desktop?

2. Ist sie so einfach zu bedienen wie WhatsApp?

3. Ist der eingesetzte Verschlüsselungsstandard anerkannt sicher?

4. Handelt es sich um Open-Source-Software, die von Dritten überprüft werden kann, oder wurde sie zumindest in Audits überprüft?

Threema

Threema hat in diesem Vergleich einen Startvorteil, weil der Autor die App seit Monaten intensiv benutzt und besser kennt als die Konkurrenten.

Wie die App funktioniert, steht im Artikel vom August und soll hier nicht wiederholt werden. Seitdem hat Threema einige neue Funktionen bekommen, die wichtigste dürfte der Gruppenchat sein. Von den vier Anforderungen für die mustergültige Messenger-App erfüllt Threema drei:

1. Die App gibt es für iOS und Android, immerhin. Sie kostet 1,79 beziehungsweise 1,60 Euro. Alle anderen Apps in diesem Vergleich sind zwar kostenlos, aber teuer ist Threema nicht.

2. Beide Versionen erschließen sich Neulingen schnell, das gilt auch für die Erzeugung des kryptografischen Schlüssels, der für die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nötig ist. Die Bedienungsoberfläche ist sogar eine große Stärke von Threema: Die Verschlüsselung findet zwar bei jeder Nachricht statt, fällt aber nicht auf. Die App zeigt mit einem Punktesystem an, welche Kontakte wie vertrauenswürdig sind. Zudem gibt es ein vorbildliches deutsches und englisches FAQ auf der Website des Anbieters.

Die iOS-Version ist ein kleines bisschen übersichtlicher, aber auch Android-Nutzer kommen mit Threema problemlos klar. Das liegt nicht zuletzt am optionalen Abgleich mit dem Adressbuch im Smartphone, der dem Nutzer anzeigt, welche Bekannten die App ebenfalls nutzen.

3. Die eingesetzte Verschlüsselung basiert auf NaCl, einer Open-Source-Bibliothek, die von den renommierten Kryptografen Tanja Lange, Daniel J. Bernstein und Peter Schwabe entwickelt wurde. Nach allem, was bisher bekannt ist, darf die Threema-Verschlüsselung deshalb als prinzipiell sicher gelten.

Der Rest der App ist allerdings nicht Open Source und wurde auch nicht von unabhängigen Experten überprüft. Was auf den Schweizer Servern passiert, weiß also außer dem Entwickler Manuel Kasper niemand. Kasper hatte im vergangenen Jahr gesagt, ein Audit könne er sich nicht leisten, zumal es eigentlich nach jedem Update der App von Neuem durchgeführt werden müsste. Hat sich daran nun, da er nach eigenen Angaben rund 300.000 Nutzer hat und zwei feste Mitarbeiter, etwas geändert? Er schreibt in einer E-Mail: "Momentan haben wir keine konkreten Pläne für externe Audits; falls sich aber etwas mit einer geeigneten Instanz zu akzeptablen Bedingungen ergibt, sind wir nicht grundsätzlich abgeneigt." Bis es soweit ist, müssen Threema-Nutzer dem Schweizer schlicht vertrauen.