Screenshot der App Quip

Jeder kennt sie, kaum einer mag sie: die Software-Oma Word von Microsoft. Dennoch ist das digitale Bekritzeln von weißem Papier wohl eine der ursprünglichsten Anwendungen im PC-Zeitalter. Allerdings ist dieses Zeitalter seit geraumer Zeit auf dem absteigenden Ast. Die Zukunft und die Gegenwart heißt: mobil. Wer auf Smartphone, Tablet und Co. Texte verfassen wollte, dem blieb lange allerdings nur die Notizfunktion der flachen Gefährten (eine der vielen Ideen, die Microsoft lange verschlafen hat). Die App Quip soll Abhilfe schaffen und die Textverarbeitung für das Touch-Zeitalter werden.

Quip kommt mit viel Silicon-Valley-Glamour. Entwickelt von Ex-Facebook-Gründer Bret Taylor und dem ehemaligen Google-Ingenieur Kevin Gibbs, ist die App seit vergangenem Sommer auf dem Markt und seit voriger Woche auf meinem Handy. Denn schließlich will ich von immer und überall Texte, Listen und anderes schreiben und verändern können, einfach und simpel. So wie es die Macher und einige Tech-Magazine und Webseiten versprechen.

Nichts für grafisch aufwendige Dokumente

Zum Anmelden gehe ich in meinem PC-Browser auf quip.com und muss mich mit einer E-Mail-Adresse registrieren. So weit, so gut, wenige Klicks später erscheint eine tatsächlich einfach gehaltene Oberfläche. Bereits vorhandene Dokumente dienen als Vorlagen und beinhalten Erklärungen, was man mit Quip alles anstellen kann. "Quip ist eine gemeinschaftliche Textverarbeitung mit integriertem Nachrichtensystem, dass auf Handys, Tablets und Ihrem Desktop zur Verfügung steht", heißt es da unter anderem. Sag ich doch. Also los.

Ich beginne, ein Dokument zu verfassen, ich kann einen Blocktext schreiben oder eine Liste. Es gibt drei verschiedene Schriftgrößen, die Option kursiv oder unterstrichen zu schreiben, oder auch Web-Links zu hinterlegen. Fotos kann man einfügen und rechts, links oder mittig positionieren. Einfach. Wie versprochen. Aber mehr als "einfach" gibt es eben auch nicht. Wer grafisch aufwendige Dokumente erstellen möchte, kommt sofort an seine Grenzen: Tabellen, Malen, Grafiken importieren – Fehlanzeige.

Ganze Texte auf dem Touchscreen tippen bleibt mühselig

Die Bedienung der App auf dem iPhone oder auch dem Kindle ist auch "einfach". Also im Rahmen dessen, was eine Touchscreen-Tastatur eben so zulässt, Tippfehler – meine eigenen und die der Autokorrektur – inklusive: "Also diese Absatz habe ich mit meinem Kindle geschrieben. Und ich finde es weiterhin keine angenehme Beschäftigung auf einem tablet zu tippen.auch die app macht das in keinster Weise angenehm er. Ganze Artikel moechte ich nicht auf diese Weise erstellen liessen."

Kleinigkeiten an bereits vorhandenen Dokumenten zu bearbeiten oder mit Bemerkungen zu versehen, ist hingegen simpel und schnell gemacht. Das auf dem PC eingefügte Foto in Übergröße kriege ich dagegen selbst mit vielen Zeigefingerverrenkungen nicht kleiner getoucht oder gar gelöscht. Auch bereits bestehende Word-Dokumente, die Grafiken oder Tabellen beinhalten, können zwar in die App geladen werden, aber werden nicht oder sehr verzerrt dargestellt.

Der Wahnsinn beginnt

Nun gut, was war noch mal der andere Grund, warum Quip super ist? Ach ja, ich kann alles teilen und mit anderen gleichzeitig bearbeiten. "Es kommt einem so vor, als sitze man mit anderen um einen Tisch herum und arbeite gleichzeitig an einem Papier", wurde Entwickler Bret Taylor von IT-Magazin Techcrunch zitiert. Ist das ein erstrebenswerter Zustand: Mehrere Leute kritzeln gleichzeitig auf einem Papier herum?! Nun gut, ich lade meine Kollegin ein, mein Dokument mit mir zu bearbeiten. Das kann ich per SMS oder auch per E-Mail. Ohne große Schwierigkeiten hat sie kurze Zeit später Zugang zu meinem Dokument. Und der Wahnsinn beginnt.