Wie soll man ein Gerät nennen, dass sich der Besitzer ins Ohr steckt, um andere Menschen besser zu hören? Ganz einfach Hörgerät, oder nicht?

Für die Firma Soundhawk aus Cupertino ist die Sache nicht so einfach. Sie hat ein solches Gerät entwickelt. Aber sie will und darf es nicht Hörgerät nennen. "Persönlicher Geräusch-Verstärker" wäre erlaubt. Aber weil das mäßig cool klingt, nennt Soundhawk es offiziell "Smart Listening System".

Hintergrund für die komplizierte Namensfindung ist eine Vorgabe der US-Arzneimittelzulassungsbehörde FDA. Die erlaubt es zwar, technische Hörhilfen direkt an Endverbraucher zu verkaufen, also ohne dass diese zuvor zum Ohrenarzt gehen müssen – aber nur, wenn die Hersteller es nicht Hörgerät nennen und behaupten, damit ein medizinisches Hörleiden zu behandeln. Hörgeräte sind für chronisch Hörgeschädigte und müssen vom Arzt verordnet werden, "Persönliche Geräusch-Verstärker" oder eben "Smart-Listening-Systeme" sind für alle anderen.

Das Soundhawk-System besteht aus drei Komponenten: einem "Scoop" genannten Teil fürs Ohr, das aussieht wie ein kleines Bluetooth-Headset zum Telefonieren, einem Mikrofon, das irgendwo platziert werden kann sowie einer Smartphone-App (für iOS und Android). Im Zusammenspiel sollen sie dafür sorgen, dass der Soundhawk-Träger andere Menschen auch in lauten Umgebungen wie etwa einer Kneipe verstehen kann. Eine sinnvolle Sache, wie jeder bestätigen kann, der in einem lauten Raum mitunter nicht einmal seinen Sitznachbarn versteht, ansonsten aber normal hören kann.

Soundhawks "Smart Listening System" © Soundhawk

Der Scoop ist eine Art modernes Hörrohr. Über Bluetooth ist er mit der Smartphone-App verbunden, die als Filter funktioniert. Für verschiedene Lärmszenarien (Restaurant oder Straßenverkehr zum Beispiel) gibt es Voreinstellungen, in der typische Hintergrundgeräusche abgeschwächt und gesprochene Sprache verstärkt werden. Alle diese "Sound Scenes" genannten Filter lassen sich zudem individuell anpassen, durch eine Feineinstellung der Lautstärke, Höhen und Tiefen.

Wenn das nicht reicht, kommt das Mikrofon hinzu. Man kann es einfach auf einen Tisch legen oder jemandem ans Hemd klemmen, der weiter weg sitzt. Auch das Mikrofon ist per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden, Kabel hat es nicht. Bis zu zehn Meter kann es vom Smartphone- und Scoopbesitzer entfernt sein, bevor die Verbindung abbricht.

Für alle zwischen 30 und 60 Jahren

Wer also ist die Zielgruppe von Soundhawk? "Babyboomer und die Generation X", teilt das Unternehmen auf Anfrage mit, "jeder zwischen 30 und 60 Jahren, der sein Gehör erweitern will".

"Erweitern" ist das Schlüsselwort. Der Soundhawk sei "nicht entwickelt worden, um etwas zu reparieren, das nicht funktioniert", sagt das Unternehmen. "Stattdessen soll das Gerät erweitern, was funktioniert." Ein Reporter von The Verge durfte es bereits ausprobieren, auch wenn das fertige Produkt erst im Spätsommer ausgeliefert werden soll. Sein Fazit: etwas gewöhnungsbedürftig, aber es funktioniert. Auch in sehr lauter Umgebung konnte er jemanden problemlos verstehen, wenn derjenige ins Mikrofon sprach oder auch nur flüsterte.