Der englische Begriff Kill Switch klingt martialischer, als er gemeint ist. Schließlich bezeichnet er lediglich die Möglichkeit, ein technisches Gerät möglichst schnell auszuschalten, einen Notausschalter eben. In Kalifornien sollen alle neuen Smartphones, die ab dem 1. Juli 2015 verkauft werden, mit einem solchen Kill Switch ausgestattet sein. Das fordert ein neues, bereits vom Senat verabschiedetes Gesetz, das Gouverneur Jerry Brown nur noch unterzeichnen muss. Nach Minnesota wäre Kalifornien der zweite US-Staat, der eine solche Regelung einführt.

Konkret verpflichtet das Gesetz SB-962 alle Smartphone-Hersteller dazu, ihre neuen Geräte mit einer Funktion – sei es hard- oder softwareseitig – auszustatten, die das Gerät nach einem Diebstahl unbrauchbar machen. Die rechtmäßigen Besitzer sollen die Geräte aus der Ferne, etwa per Website oder SMS, deaktivieren und persönliche Daten löschen können. Und nur sie sollen das Gerät auch wieder in Betrieb nehmen können. Eine automatische Ortungsfunktion per GPS oder die Mobilfunkdaten verlangt das Gesetz nicht.

Der Kill Switch soll Diebe abschrecken

Die Unterstützer der Gesetzesinitiative argumentieren, ein Kill Switch diene dem Diebstahlschutz. Sobald jedes moderne Smartphone in kürzester Zeit deaktiviert werden könne, gäbe es keinen Anreiz mehr, es überhaupt zu stehlen, heißt es aus dem Lager des demokratischen Senators Mark Leno, der das Gesetz mit auf den Weg brachte.

Tatsächlich nehmen die Handy-Diebstähle in den USA zu. In San Francisco etwa stieg ihre Zahl vergangenes Jahr um 23 Prozent. Apple Picking, zu Deutsch Apfelpflücken, nennt die amerikanische Polizei mittlerweile inoffiziell das lukrative Stehlen von iPhones, die meist innerhalb weniger Stunden wieder auf dem Schwarzmarkt landen. Der Kill Switch soll die Diebe abschrecken.

Es gibt bereits Dutzende Anti-Diebstahl-Apps, die ähnliche Funktionen bieten und zudem automatisch die Kamera auslösen oder den Standort anzeigen können. Sie erfordern dafür eine Daten- oder Mobilfunkverbindung, viele funktionieren auch nach dem Wechseln der SIM-Karte, indem sie an die individuelle Imei-Nummer des Geräts gekoppelt sind. Das Problem vieler Gratis-Apps: Wird das Gerät in den Flugmodus versetzt und auf die Werkseinstellungen zurückgesetzt, ist oft auch die Diebstahlsicherung weg.

Samsung und Apple entwickeln bereits Lösungen

Deshalb muss der in Kalifornien geplante Kill Switch gemäß des Gesetzestextes eine Neuinstallation des Betriebssystems überstehen – was eine Lösung über vorinstallierte Apps eigentlich ausschließt. Allerdings arbeiten Hersteller wie Samsung oder Apple an entsprechenden Lösungen. Samsungs Galaxy S5 etwa enthält den Dienst Reactivation Lock, der in einem gesicherten Bereich des Arbeitsspeichers sitzt und deshalb  auch ein Zurücksetzen des Smartphones übersteht. Allerdings muss der Nutzer den Dienst zunächst überhaupt einmal einrichten.

Das soll bei den Smartphones in Kalifornien nicht der Fall sein. Die Geräte, die dort ab Juli 2015 verkauft werden, müssen den entsprechenden Schutz nicht nur installiert, sondern bereits von Werk aus aktiviert haben. Die Nutzer können also lediglich den sogenannten Opt-Out wählen. Datenschützer kritisieren das, weil die Nutzer von staatlichen Stellen gegängelt würden. Parker Higgins von der Electronic Frontier Foundation (EFF) bezweifelt zudem, dass sich die Funktion überhaupt richtig ausschalten lasse, wenn sie so tief im System integriert sei.

Dabei gäbe es gute Gründe, auf diese Art von Diebstahlschutz zu verzichten.

"Einiges kann richtig, aber auch vieles falsch laufen", sagte der Sophos-Sicherheitsexperte Chet Wisniewski dem Technikblog Tom's Guide. Der Anreiz, eine Diebstahlsicherung zu hacken, die in jedem iPhone oder Samsung-Modell eingebaut ist, wäre unweigerlich höher, als eine einzelne App zu infiltrieren, die nur ein Bruchteil der Handynutzer installiert hat. Im schlimmsten Fall könnten Kriminelle die Funktion missbrauchen und fremde Smartphones im großen Stil aus der Ferne lahmlegen.