Das neue iPhone 6 und iPhone 6 Plus im Vergleich mit dem kleineren 5S © Justin Sullivan/AFP/Getty Images

Tim Cook kann auch lustig sein. "Falls Sie es nicht gewusst haben, das iPhone 6 kommt in einer Größe von 4,7 und 5,5 Zoll", sagte der CEO von Apple während der Vorstellung der neuen Smartphones in Cupertino am Dienstag. Der Satz war eine Anspielung auf die zahlreichen Gerüchte, die in den vergangenen Monaten aufgetaucht waren – und die sich zumindest in Sachen Bildschirmgröße bestätigten. Unter den Namen iPhone 6 und iPhone 6 Plus werden die Geräte voraussichtlich ab dem 19. September mit 16, 64 und 128 Gigabyte Speicherplatz ausgeliefert. Die Preise liegen je nach Ausführung zwischen 700 und 1.000 Euro ohne Vertragsbindung.

Dass Apple das iPhone 6 in zwei Größen anbieten wird, galt als ziemlich sicher. Die Android-Konkurrenz mit Geräten von Samsung, HTC und Sony hatte in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Verbraucher größere Geräte akzeptieren, besonders im Hochpreis-Segment. Mit dem iPhone 6 schließt Apple nun auf. Die Bildschirmauflösungen der beiden Retina-HD-Displays betragen 1334 mal 750 beziehungsweise 1920 mal 1080 Pixel. Trotz der Größe sind beide Geräte mit 6,9 und 7,1 Millimetern dünner als der Vorgänger iPhone 5S. Die Gerüchte um ein mögliches Abdeckglas aus Saphir dagegen bestätigten sich nicht, das Material wird aber in der am Dienstag ebenfalls vorgestellten Apple Watch eingesetzt. 

Trotz der Größe der neuen iPhones legt Apple viel Wert darauf, dass sie sich mit einer Hand bedienen lassen. Der Anschaltknopf, der bei den vorherigen Generationen noch an der Oberseite platziert war, ist nun an der rechten Seite zu finden. Eine Funktion namens Reachability verschiebt per Doppelklick auf den "Home"-Button die komplette Bildschirmanzeige nach unten, damit auch die oberen Bedienelemente mit dem Daumen erreichbar sind. Ältere Apps sollen per Software automatisch an die neuen Größen angepasst werden, neue Anwendungen machen sich den Horizontal-Modus besser zunutze.

Ein spieletauglicher Prozessor und neue Sensoren

Im Inneren des iPhone 6 arbeitet ein neuer Apple-A8-Prozessor. Der Spieleentwickler Super Evil Mega Corp. präsentierte auf der Bühne die Szene des kommenden iPhone-Titels Vain Glory, das Apples neue Metal-Technik  unterstützt. Die Grafik des touchbasierten Spiels war durchaus beeindruckend und entlockte dem Fachpublikum einigen Applaus. Apple wolle "Hardcore-Gaming wie auf dem PC auf mobile Geräte bringen", sagte der Apple-Vizepräsident Phil Schiller.

Die schmalere Bauart und der leistungsfähigere Prozessor sollen trotzdem nicht zulasten der Akkuleistung gehen: Elf Stunden Videoplayback am Stück verspricht Apple mit dem iPhone 6; mit dem iPhone 6 Plus seien sogar 14 Stunden möglich. Wie in bis dato allen iPhones kann der Akku nicht ausgetauscht werden.  

Auch die Sensoren sollen mit führenden Smartphones wie dem Samsung Galaxy S5 mithalten können. Sie erkennen zum Beispiel, ob die Nutzer laufen oder Fahrradfahren. Ein eingebautes Barometer erkennt zudem anhand des Luftdrucks die bewältigten Höhenmeter. Sämtliche Sensordaten sollen mit der neuen HealthKit-Funktion von iOS 8 verknüpft werden. Die neuste Version des mobilen Betriebssystems erscheint am 17. September als kostenloses Update.

Kamera mit acht Megapixeln

Entgegen dem Trend zu höheren Megapixel-Zahlen kommt die Kamera des iPhone 6 wie auch der Vorgänger mit acht Megapixeln aus. Allerdings habe man die Technik der iSight-Kamera mit einem neuen Sensor ausgestattet, sagt Schiller. Der soll einen deutlich schnelleren Autofokus ermöglichen – doppelt so schnell wie im iPhone 5S, und zudem noch besser Gesichter und Emotionen erkennen.

Neben neuen Möglichkeiten wie der Aufnahme von größeren Panoramabildern mit bis zu 43 Megapixeln kann die Kamera Videos in 1080-Full-HD Auflösung bei 30 und 60 Frames pro Sekunde aufnehmen. Für Applaus sorgte ebenfalls die verbesserte Zeitlupen-Funktion, die nun mit bis zu 240 Frames pro Sekunde funktioniert.

Apple Pay: Die Kreditkarte auf dem Handy

Wie andere Smartphones kommt das iPhone 6 mit einem NFC-Chip, der für drahtlose Verbindungen in sehr kurzer Distanz verantwortlich ist. Dieser wird für eine neue Technik benötigt, die ebenfalls schon länger von Apple erwartet wurde: ein neuer Bezahldienst namens Apple Pay. 

Bezahlung sei ein riesiges Geschäft, sagte CEO Tim Cook, und  Apple wolle es vereinfachen, indem es den Geldbeutel ersetzt. Mit Apple Pay soll es reichen, das Telefon an ein Lesegerät an der Kasse zu halten und die Zahlung per Fingerabdruck auf dem iPhone-Sensor zu bestätigen. Man arbeite bereits mit vielen großen Unternehmen wie McDonald's zusammen, um den Service möglichst flächendeckend einzuführen. Auch Online-Shops können Apple Pay als Zahlungsalternative anbieten.

Apple selbst würde keine Kreditkartennummern speichern und mit Händlern teilen, sondern für jede Transaktion eine eigene ID erstellen. Alle Daten, die im iPhone gespeichert bleiben, werden verschlüsselt in einem besonders gesicherten Chip abgelegt. Würde das iPhone verloren oder gestohlen sein, könne man den Dienst über iCloud deaktivieren, ohne die Kreditkarten sperren zu müssen. Wohlgemerkt die gleiche iCloud, aus der vor Kurzem erst Nacktfotos von Prominenten gestohlen wurden.