Apple-CEO Tim Cook stellt das Bezahlsystem Apple Pay vor. © Justin Sullivan/Getty Image

Apple Pay hat gute Chancen, das Bezahlen mit dem Smartphone nach Jahren der überzogenen Erwartungen und darauffolgenden Enttäuschungen endlich allgegenwärtig zu machen. Ob das Vorhaben zu einem Erfolg wird, hängt maßgeblich davon ab, wie der Dienst in den USA angenommen werden wird. Ab Oktober wird eine Reihe von führenden Einzelhandelsketten in den Vereinigten Staaten das Bezahlen mit Apple Pay anbieten, darunter McDonald’s, Macy’s, Subway, Staples, Walgreens und Whole Foods.

Expansionspläne gibt es zwar, allerdings muss Apple in jedem Land aufs Neue mit den jeweils wichtigsten Banken und Handelsfirmen verhandeln. In den USA ist zumindest die Ausgangssituation ideal: Die Konsumenten haben eine ausgeprägte Affinität zum bargeldlosen Bezahlen, Apples Smartphones sind dort extrem populär, und die derzeit beginnende Ablösung von Magnetstreifen-Kreditkarten versetzt Händler in einen Beschlussmodus. Sollte es Apple trotzdem nicht gelingen, mit seinem Bezahlservice den Nerv der Branche und der Verbraucher zu treffen, dürfte es Apple Pay in anderen Ländern erst recht schwer haben.

Bislang suggerierte die Berichterstattung zu Apple Pay, dass das Vorhaben derzeit die einzige schwergewichtige Initiative zum Bezahlen mit mobilen Geräten sei. In Wirklichkeit entwickelt sich gerade ein zweiter groß angelegter Ansatz: Unter Führung von Walmart, laut Fortune 500 das umsatzstärkste Unternehmen der Welt, und mit Unterstützung von bekannten Marken wie Target, 7-Elevent, Southwest Airlines, GAP und Shell, entsteht derzeit in den USA ein alternatives Bezahlsystem mit Namen CurrentC.

CurrentC, das aktuell im Rahmen eines Pilotprojekts getestet und 2015 landesweit in den USA lanciert werden soll, unterscheidet sich in einigen Punkten maßgeblich von Apple Pay: Es nutzt anstelle von NFC (Near Field Communication) ein QR-Code-Verfahren zur Einleitung von Transaktionen. Zudem umgeht CurrentC die üblichen Kartentransaktionsgebühren, indem das CurrentC-Konto entweder mittels Bargeld aufgeladen oder direkt per Bankeinzug befüllt wird. Zusätzlich soll die CurrentC-App eine Loyalitätskomponente beinhalten, über die Nutzer automatisch Rabatte und Sonderangebote in Anspruch nehmen können.

Vom Konzept her erinnert CurrentC somit stark an mobile Payment-Dienste, wie sie diverse Startups seit einiger Zeit zu etablieren versuchen. In Deutschland bauen beispielsweise Kesh, Paij und myWallet von der Deutschen Telekom auf dieses Prinzip.

Kein NFC, keine Karten-Transaktionsgebühren

Im Vergleich zu Apple Pay bietet CurrentC in der Theorie einige nicht unwesentliche Vorteile: Es setzt nicht voraus, dass die Kunden ein iPhone 6 oder eine Apple Watch (und dazu ein iPhone ab dem Modell 5) ihr Eigen nennen. Sofern von CurrentC eine entsprechende App entwickelt wird, könnten jedes Smartphone-Betriebssystem und sämtliche einigermaßen modernen Geräte kompatibel sein. Auch funktioniert das QR-System von CurrentC laut Washington Post mit den meisten existierenden Scanner-Vorrichtungen, wogegen Apple Pay unter Umständen das Nachrüsten einer NFC-Einheit erfordert.

Nicht zuletzt umgeht die Walmart-Initiative die Kreditkarten-Industrie mit ihren im oft margenarmen Einzelhandel aus Händlersicht höchst unattraktiven Gebühren. CurrentC könnte deshalb beteiligte Partner mit extrem niedrigen Transaktionsgebühren locken, weil es lediglich die eigenen operativen Kosten decken muss. Das auf den Kredit- und Debitkarten der Konsumenten aufsetzende Apple Pay hingegen bringt für Händler die üblichen (eventuell leicht rabattierten) Transaktionsgebühren mit, die je nach Kartentyp bis zu drei Prozent betragen können. Zusätzlich verlangt Apple laut einem Bericht der Financial Times eine Provision in Höhe von 0,15 Prozent pro Transaktion.

Vorausgesetzt, die beiden Systeme beinhalten keine gegensätzlichen Klauseln, spricht für Händler nichts dagegen, sowohl Apple Pay als auch CurrentC einzusetzen. Dennoch hat Walmart erklärt, sich nicht Apple Pay anschließen zu wollen.