Tim Cook hat zum ersten Mal seinen Vorgänger und Mentor Steve Jobs zitiert, mit dem berühmten Satz "One more thing...". Als der Apple-CEO am Dienstag mit der Präsentation des iPhone 6 fertig war, stellte er die erste Smartwatch von Apple vor. Sie heißt schlicht Apple Watch. Etwas überraschend setzt das Unternehmen eher auf eine breite Palette von Funktionen als auf ein ungewöhnliches Design. Offensichtlich geht Apple davon aus, dass die Menschen viel Freude daran haben werden, an ihrem Handgelenk herumzuspielen.

Äußerlich ist die Apple Watch nicht sonderlich beeindruckend, zumindest nicht aus der Ferne, und den Bildern und Videos nach zu urteilen. Es wird sie in verschiedenen Ausführungen und zwei Größen geben, trotz der abgerundeten Ecken kann man beide Ausführungen klobig finden.

Das Gehäuse ist wahlweise aus Stahl, Aluminium oder 18-karätigem Gold, es gibt viele verschiedene Armbänder aus Metall, Leder und Kunststoff – je nachdem, ob der Kunde ein eher sportliches oder ein eher klassisch anmutendes Modell haben will. Die Abdeckung ist aus Saphirglas. Gut möglich, dass viele die runden Smartwatches von Motorola und LG optisch ansprechender finden. Die ersten Reaktionen von Journalisten, die vor Ort sind und die Apple Watch schon mal anfassen durften, fallen jedenfalls nicht gerade übermäßig euphorisch aus.

Die Möglichkeiten, eine Apple Watch auf den persönlichen Geschmack abzustimmen, sollen ein Verkaufsargument werden. Neben Gehäuse und Armband ist noch das Zifferblatt variabel. Nutzer können es aus einer Vielzahl von hinterlegten Versionen auswählen. Manche sehen nach analoger Uhr aus, andere sind verspielt und sehen eher nach Smartphone-Display als nach Armbanduhr aus. 

Scrollen und Zoomen per "Krone"

Mutig wirkt das Bedienkonzept, denn es setzt voraus, dass die Nutzer viel auf die Uhr schauen und aktiv damit umgehen wollen, statt nur mal kurz einen Blick darauf zu werfen. Zentrale Bedienelemente sind das berührungs- und druckempfindliche Display und die "digitale Krone" am Rand des Gehäuses. Dabei handelt es sich um einen Knopf, der aussieht wie die Krone einer analogen Armbanduhr. Die digitale Krone aber erlaubt das Scrollen, Zoomen und Auswählen in den Anwendungen für die Apple Watch, durch Drehen und Klicken.  

Der Vorteil: Die Finger des Nutzers verdecken das Display nicht. Am Handgelenk ist die Krone aber möglicherweise nicht ganz leicht zugänglich. Wie alltagstauglich diese Art der Bedienung wirklich ist, muss ein Test zeigen. Zunächst war auch unklar, ob es eine Version für Linkshänder geben wird.

Apple Watch am Handgelenk © Justin Sullivan/Getty Images

Außerdem ist die Sprachassistentin Siri in die Apple Watch integriert. Wer sich traut, mit seiner Uhr zu sprechen, kann sich zum Beispiel das aktuelle Kinoprogramm in der Nähe anzeigen lassen. So etwas können Android-Smartwatches inzwischen allerdings auch.

Dem Partner seinen Herzschlag senden

Die Apple Watch soll alles Mögliche sein: Fitness-Tracker mit Pulsmesser und Kalorienzähler, Navigationshilfe über Apple Maps, Benachrichtigungszentrale, Türöffner in manchen Hotels, Steuerungseinheit für die Musik auf dem iPhone, Fernbedienung für Apple TV, Fernauslöser für die iPhone-Kamera. "Die Feature-Liste ist eine Meile lang", sagte Cook. Auch das bargeldlose Bezahlen über Apples neuen Dienst Apple Pay wird mit der Uhr möglich sein – sie muss in einem Geschäft nur an den entsprechenden Scanner gehalten werden, dann kann der Käufer den Bezahlvorgang mit einem Klick auslösen. Nur einen Mobilfunkchip hat die Apple Watch nicht – im Gegensatz zur neuen Gear S von Samsung. Für kurze Telefonate ist sie aber trotzdem mit Mikrofon und Lautsprecher ausgestattet, die Verbindung läuft über das gekoppelte iPhone.

Wer möchte, kann anderen Apple-Watch-Besitzern aus seiner Kontaktliste kleine Botschaften in Form von Zeichnungen schicken, oder sogar den eigenen Herzschlag, den der andere dann am Handgelenk fühlt. Das funktioniert über haptisches Feedback, wie es zum Beispiel auch die Motorola 360 beherrscht. Und doch wirkt es seltsam verspielt, beinahe kindisch für ein Produkt, das sich an eine finanzstarke, designbewusste Klientel richtet und wohl eher weniger an Jugendliche.

Viele weitere Funktionen werden zudem folgen, sobald die App-Entwickler anfangen, die neue Spielwiese für sich zu nutzen.

Ein iPhone wird für den Betrieb benötigt

Auch Samsung ist bisher nicht besonders erfolgreich mit dem Versuch, seine großen und überladenen Smartwatches zum modischen Accessoire zu machen. Dass Apple das mit dieser ersten Version der Apple Watch schafft, ist nicht unbedingt abzusehen.

Wie erwartet benötigen Käufer zudem ein iPhone ab dem Modell 5 mit dem Betriebssystem iOS 8, um die Apple Watch nutzen zu können. Sie wird irgendwann Anfang 2015 erhältlich sein und in den USA ab 349 Dollar kosten. Die Goldversion dürfte deutlich teurer sein. Preise für Deutschland hat Apple zunächst nicht bekannt gegeben. Aufgeladen wird die Apple Watch per Induktion, das Unternehmen machte zur Akkulaufzeit keine Angaben.