Smartwatch - Die LG G Watch R im Test

In der Gerätekategorie "Smartwatch" befinden sich alle Hersteller noch in der Phase des Ausprobierens. Wie soll eine Smartwatch aussehen, wozu soll sie gut sein? Versuch und Irrtum eben. Vor allem Irrtum.

Nun bringt LG die G Watch R auf den Markt, für 269 Euro. So viel vorweg: Für diesen Preis ist das Gerät eher unterwältigend, auch wenn es dem Vorgängermodell G Watch deutlich überlegen ist. LG versucht, die G Watch R wie eine richtige Armbanduhr aussehen zu lassen, bekommt das aber nicht ganz hin.

Im Begleitschreiben für die Presse steht etwas von Style und Eleganz und brillantem Design. Aber das Unternehmen verspricht mehr, als es halten kann. Das mitgelieferte Kalbslederarmband sieht billig aus und ist zu steif, lässt sich aber immerhin gegen jedes beliebige, 22 Millimeter breite Armband austauschen. Das kreisrunde, schwarze Gehäuse ist aus Edelstahl, sieht aber aus wie Plastik (zugegeben: andere Tester sind in ihrem Urteil gnädiger) und ist ziemlich groß. Noch ein bisschen größer als das ebenfalls runde Gehäuse von Motorolas Moto 360, dem aufgrund von Form, Ausstattung und Preis naheliegendsten Konkurrenzprodukt. Wer große Herrenarmbanduhren mag, wird die G Watch R vielleicht mögen. Allen anderen dürfte sie zu klobig sein – wie die meisten anderen Smartwatches allerdings auch, die Moto 360 eingeschlossen.

Der Knopf an der Seite soll an die Krone einer klassischen Armbanduhr erinnern, ist aber eine Art Startbutton. Er weckt das Display und bei längerem Druck die Einstellungen der Uhr, was deutlich bequemer ist, als sich durch das Menü des Betriebssystem Android Wear dorthin wischen zu müssen.

LG G Watch R mit alternativem Ziffernblatt © ZEIT ONLINE / Patrick Beuth

Die Lünette dagegen ist nur angedeutet, aber nicht drehbar. Eine verschenkte Gelegenheit: Sie würde sich bestens eignen, um – im Optimalfall individuell definierbare – Aktionen auszuführen, also zum Beispiel bei einer Vierteldrehung nach links den Schrittzähler anzuzeigen. Das würde nebenbei das ständige Wischen auf dem recht verschmutzungsanfälligen Display überflüssig machen. Technisch wäre die Umsetzung wahrscheinlich nicht ganz einfach, weil LG den Platz unter der falschen Lünette benötigt. Aber es wäre ein Konzept, das praktischer sein könnte als die Bedienung über die Krone in der kommenden Apple Watch. Und es wäre ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

Das nämlich fehlt der G Watch R. Sie hat neben dem Schrittmesser auch einen Pulsmesser, einen Kompass und ein Barometer sowie einen Vibrationsmotor für eingehende Benachrichtigungen. Außerdem ist sie staub- und wassergeschützt nach der Schutzklasse IP67. Aber das hat und kann die Moto 360 fast alles auch.

Hardware ist der Moto 360 qualitativ überlegen

Für die G Watch R sprechen das deutlich bessere Display und der stärkere Akku. Im Test hielt die Uhr problemlos zwei Tage durch, ohne dass sie aufgeladen werden musste. Das P-OLED-Display bietet im Vergleich zum LC-Display der Moto 360 die satteren Farben und die höhere Auflösung.

In den einzelnen Funktionen unterscheiden sich die beiden Konkurrenzmodelle nicht. Das liegt zum einen daran, dass sie kein WLAN- oder Mobilfunkmodul haben, im Gegensatz zu Samsungs 400 Euro teurer Gear S. Für alle Funktionen, die eine Internetverbindung voraussetzen, brauchen sie ein per Bluetooth verbundenes Android-Smartphone.

Zum anderen laufen beide mit Googles Betriebssystem Android Wear. Das hat gerade ein Update bekommen, ist aber immer noch weit davon entfernt, die Bedienung einer Smartwatch irgendwie vergnüglich zu machen.