Das Plague-Prinzip: Nachrichten infizieren immer mehr Nutzer. © Deep Sea Marketing

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die App Plague der litauischen Agentur Deep Sea Marketing. Aber auch für Plague gilt: Hauptsache reibungslos. Das Grundprinzip der kostenlosen App für iOS und Android: Jeder Inhalt ist potenziell hochansteckend und kann sich sehr schnell weltweit verbreiten.

Was auch immer jemand postet, sei es ein Foto, ein Video, ein Link oder ein Text, "infiziert" zunächst die vier Plague-Nutzer, die ihm geografisch am nächsten sind. Damit die App funktioniert, muss also GPS (Standortdaten) auf dem Smartphone aktiviert sein. Die vier Nutzer entscheiden mit einem Wisch, ob der Inhalt ansteckend ist oder nicht. Das Prinzip erinnert an die Dating-App Tinder – Wisch nach oben heißt: Der Inhalt erreicht die nächsten vier Nutzer, im Extremfall über Grenzen und Ozeane hinweg. Wisch nach unten bedeutet: Hier ist eine Sackgasse.

Mehr als ein flüchtiger Blick auf die kursierenden Botschaften ist nicht nötig. Quelle, Authentizität und Kontext sind zweitrangig. Nutzer können sich zwar ansehen, wer was in die Welt gesetzt hat und wo er sich ungefähr befindet. Aber solange die meisten ein Pseudonym verwenden, hilft das bei der Einschätzung und Bewertung ihrer Botschaften nicht weiter.

Plague ist interessant für Reporter

Immerhin gibt es zu jedem Inhalt auch eine Statistik: Wie oft wurde er gesehen, wie viel Prozent der Nutzer haben ihn weitergeleitet, wohin hat er sich ausgebreitet? Aber jedes Posting bekommt man in der Regel nur einmal zu sehen. Wie es sich im Laufe der Zeit ausbreitet, weiß nur derjenige, der es selbst in die Welt gesetzt hat. Der Patient null sozusagen. Die Analyse ist in Plague also nur beschränkt möglich. Im Vordergrund steht das schnelle Verteilen von Inhalten.

Im Gespräch mit Gigaom stellt Deep Sea Marketing ein Update namens Dark Mode in Aussicht. Das soll die Verbreitung von Botschaften auch ohne GPS ermöglichen, über WLAN oder Bluetooth, ähnlich wie die Mesh-Netzwerke der App FireChat. So ganz geheuer ist den Plague-Machern die Idee aber selbst nicht. Sie wollen einen Weg finden, auch in solchen Adhoc-Netzwerken noch kontrollieren zu können, was für Inhalte da verteilt werden. Andernfalls, befürchten sie, könne ihre App zum Verbreiten illegaler Inhalte verwendet werden.

Ganz legal könnten dagegen Journalisten, Demonstranten, Augenzeugen und andere Berichterstatter die App nutzen, um Nachrichten zu verbreiten. Anhand der Ausbreitung würden sie erkennen, wie relevant ihre Botschaft ist. Andere Plague-Nutzer, die solche Inhalte verifizieren wollen, müssen die App allerdings verlassen und nach weiteren Quellen suchen. Das ist der Preis der Reibungslosigkeit.