Manchmal bin ich zu faul zum Tasten drücken. Da haben wir uns schon quasi alle Lebensbereiche aufs Smartphone geholt und eigentlich fast alles mit ein paar mal Tippen parat, aber sogar das kann manchmal lästig werden. Zum Beispiel wenn ich abends ins Bett gehe: Dann stelle ich auf meinem iPhone den Wecker und aktiviere den Nicht-Stören-Modus, damit ich in der Nacht nicht von E-Mails, SMS und Eilmeldungen geweckt werde. Das macht zwölfmal Tippen, inklusive Passwort eingeben. Wenn ich schon das Licht ausgemacht habe und mir dann im Halbschlaf einfällt, dass ich das noch nicht erledigt habe, sind diese zwölf Klicks ziemlich anstrengend.

Aber diese neue iPhone-App kann mir da doch sicherlich weiterhelfen, habe ich mir gedacht. Einen regelrechten Hype gibt es diese Woche um Workflow: Im App Store wurde sie angepriesen, von Time und The Verge zu einer der besten neuen Apps gekürt und auch die Nerds von TechCrunch schwärmen. Die Anwendung reiht Arbeitsabläufe in Apps und Einstellungen aneinander, die sich auf Knopfdruck automatisch abspielen lassen. Zum "Super User" soll man damit werden. 

Anders als das Betriebssystem OS X für die Mac-Computer kann iOS für die mobilen Endgeräte bisher geöffnete Programme oder Dokumente eigentlich nicht gleichzeitig darstellen. Wollen wir etwa zum nächsten Termin, müssen wir auf dem iPhone zunächst den Kalender oder das Mailprogramm öffnen, auf die hoffentlich bereits als Link erkannte Adresse klicken, die einen zum Kartenprogramm der Wahl führt und dann dort Startpunkt und Bewegungsmittel eingeben ... Bla, bla, bla. Also ein Ablauf, durch den sich die meisten von uns wahrscheinlich mehrfach in der Woche klicken, wenn nicht gar am Tag. Dass das auch noch direkter geht, ist sicherlich auch Apple klar. Mit iOS 8 kann man nun schon immerhin per Doppelklick auf den Home-Button die zuletzt aufgerufenen Apps und Kontakte aufrufen. Doch das Allermeiste müssen wir immer noch manuell tun. 

Workflow greift der Evolution des iPhones voraus, heißt es. Muss ich ausprobieren, finde ich. Die App begrüßt mich mit einem kleinen Crash-Kurs, wie ich mit drei spontanen Schnappschüssen selbst ein kleines GIF baue. Schon witzig, wie mein vom anderthalbstündigen Upgrade entnervtes Gesicht vom Bildschirm aus zurückstarrt – aus drei wechselnden Perspektiven.

Programmier-Optionen sind limitiert

Das Einarbeiten in die App dauert ungewöhnlich lange. Einige bereits programmierte Aktionen lassen sich allerdings flott herunterladen und verdeutlichen das Prinzip: Der Trinkgeld-Shortcut berechnet automatisch 18 Prozent (ja, das ist in den USA so üblich) auf einen eingegebenen Betrag. "Home ETA" berechnet die estimated time of arrival, also die voraussichtliche Ankunftszeit. Allerdings nur zu Fuß oder mit dem Auto – beides ist hier in New York nicht wirklich mein Fortbewegungsmittel der ersten Wahl. Warum es keine Möglichkeit gibt, öffentliche Verkehrsmittel zu wählen, ist mir ein Rätsel.

Auch einen Uber-Fahrer zu bestellen, eine Pizza zu ordern, seinen aktuellen Standpunkt zu verschicken oder den nächsten Coffee Shop zu finden, gehört zum Standardrepertoire. Die Entwickler empfehlen, sich auch auf Twitter und Reddit schlau zu machen. Dort tauschen User sich aus, wie man auf einen Klick etwa seine neuen E-Mails liest, Serial-Episoden herunterlädt oder Aktienkurse abfragt. 

Aber genug gespielt, schließlich gilt es, mein Zubettgehen zu optimieren. Also mache ich mich an den Entwurf der Aktion "Gute Nacht". Und scheitere kläglich: Weder der Wecker noch der Nicht-Stören-Modus lassen sich in einen Workflow einfügen. Denn sie gehören zum festen Interieur des iPhones. Nur Helligkeit des Bildschirms und Lautstärke lassen sich bisher integrieren. Na toll.

Aber die anderen Shortcuts sind ja schon auch ganz praktisch.

Workflow erfordert mindestens iOS 8.0 und läuft auf dem iPhone, iPad und auf dem iPod touch. Zur Einführung in den App-Store gibt es sie derzeit für 2,99 Dollar. Eine Android-Version ist noch nicht in Sicht.