Eigentlich wollte Microsoft die Fortschritte am kommenden Betriebssystem Windows 10 präsentieren. Doch den größten Applaus lösten weder ein neuer Browser mit dem Codenamen Spartan aus noch das geplante Streamen von Spielen von der Xbox One auf PCs oder die neueste Version des Sprachassistenten Cortana. Stattdessen überraschte Microsoft mit der Datenbrille HoloLens. Die soll virtuelle 3-D-Objekte in das Blickfeld einblenden, die sich anschließend mit Sprache und Gesten steuern lassen.

Microsoft habe in den vergangenen Jahren den "am weitesten entwickelten holografischen Computer" erschaffen, sagte Microsoft-Manager Alex Kipman während der Präsentation am Mittwochabend mitteleuropäischer Zeit. Die transparente Brille enthält einen Prozessor, einen Grafikchip sowie eine Holographic Processing Unit, die gezielt die Augmented-Reality-Inhalte beschleunigen soll. Im Kopfband sind Lautsprecher, die Raumklang ermöglichen. Mehrere Sensoren und eine Kamera erkennen den Blickwinkel, die Bewegungen und die Stimme der Träger.

Der größte Trick versteckt sich im Display. Die Hologramme werden nicht per Laser in den Raum projiziert, wie man es etwa von Bühnenshows kennt. Stattdessen erzeugt HoloLens mit Millionen einzelner Lichtpartikel in den beiden Linsen der Brille dreidimensionale Objekte. Diese erscheinen im Blickfeld der Nutzer und erwecken so den Anschein, als befänden sie sich tatsächlich mitten im Raum.

HoloLens unterscheidet sich in dieser Hinsicht von anderen Datenbrillen. Oculus Rift oder Samsung Gear VR sind geschlossene Systeme, mit der die Nutzer vor allem in vorgegebene, künstliche Welten eintauchen. Die inzwischen nicht mehr verkaufte Google Glass ist eine mehr oder weniger gewöhnliche Brille mit einer Kamera, die Informationen in das Blickfeld der Nutzer einblendet. HoloLens dagegen möchte die virtuelle Realität nicht nur sichtbar, sondern auch greifbar machen.

Die ersten Tester sind von der Technik überzeugt

Während der Präsentation gab eine Microsoft-Mitarbeiterin einen kurzen Einblick in die Technik: Ein Kollege in Miniaturform begrüßte sie zunächst. Er erinnerte schon sehr an traditionelle Hologramm-Figuren. Anschließend erschien ein Windows-Menü mit mehreren Programmen auf der Bühnenwand. Mit einer kleinen Fingergeste wählte die Mitarbeiterin darin das gewünschte Programm aus.

So weit, so simpel. Doch die Anwendungsmöglichkeiten der Zukunft sind komplexer, glaubt Microsoft. In einem PR-Video zeigt der Konzern, wie eine Trägerin in Echtzeit den Tank eines physischen Motorrads designt. Ein anderer Träger lässt sich Wetterinformationen in seinem Wohnzimmer anzeigen. Und auch die Raumfahrt soll die Technik einsetzen. Microsoft arbeitet für HoloLens mit der Nasa zusammen, um planetare Fahrzeuge intuitiver steuern zu können.

Jessi Hempel vom Technikmagazin Wired konnte sich vor einigen Monaten selbst ein Bild des damals noch streng geheimen Projekt Baraboo machen. Sie war bereits von einem frühen Prototypen begeistert. Sie berichtete, wie sie gemeinsam mit einem Google-Mitarbeiter über Skype einen Lichtschalter repariert. Die Anweisungen des Technikers wurden ihr in Echtzeit in das eigene Blickfeld eingeblendet, während sie nur wenige Zentimeter entfernt an den Kabeln arbeitete. Während der Tests soll das System problemlos funktioniert haben. Ähnliche Erfahrungen machte auch Peter Bright von Ars Technica: Sein erster Test sei "nicht weniger als magisch" gewesen – ein Blick in die Zukunft, wie wir sie auch aus Science-Fiction-Filmen kennen.

Angesichts solcher Berichte ist es nicht überraschend, dass HoloLens bereits wenige Stunden nach der Enthüllung viel Aufmerksamkeit erfährt. Zumal Microsoft damit Google zuvorgekommen ist. Vergangenen Herbst investierte Google 543 Millionen US-Dollar in das Start-up Magic Leap. Das entwickelt Gerüchten zufolge ebenfalls ein tragbares Gerät mit Holografie-Technik, möglicherweise eine eigene Brille.