Die Besucher von Konferenzen und Messen wie der CES in Las Vegas kennen das: An jeder Ecke locken Gelegenheiten für Bilder und Videos, das Programm gibt es per Smartphone-App, Verabredungen werden per Messenger getroffen und zwischendurch wird geguckt, was auf Twitter und Facebook los ist. All das frisst nicht nur Zeit, sondern auch Strom. Für viele Besucher gehört der regelmäßige Gang zur Steckdose deshalb ebenso zum Messe-Alltag wie der Einblick in die neusten Trends und Techniken.

Die Akkus in den modernen Gadgets sind ein Flaschenhals, da sind sich die Nutzer und Experten einig. Immer leistungsfähigere Geräte sollen immer dünner und leichter gebaut sein und gleichzeitig bei steigender Nutzung eine immer längere Akkulaufzeit liefern. Die Technik kann mit diesen Anforderungen nur schwer mithalten. Ein modernes Smartphone im alltäglichen Betrieb schafft es selten länger als einen Tag ohne Aufladen, während die Dumbphones von früher locker auf zwei bis drei Tage kamen. Heute ist es nicht mehr die Telefonie, sondern Funktionen wie die mobile Datennutzung, WLAN, GPS oder Games, die den Akku leersaugen. 

Daran wird sich in den nächsten Jahren wenig ändern. Die Lithium-Ionen-Akkus, die in den meisten Mobilgeräten verbaut werden, sind zu bewährt, zu günstig in der Herstellung und zu sicher, als dass sie bald abgelöst werden könnten. An neuen Techniken wie etwa Lithium-Schwefel- oder Lithium-Luft-Batterien wird zwar geforscht, eine serienreife Anwendung in Smartphones oder Tablets aber ist noch lange nicht in Sicht; viele Unternehmen konzentrieren sich zurzeit vor allem auf das Gebiet der Elektromobilität.

Doch es gibt Versuche, die Abhängigkeit von der Steckdose zu verringern oder wenigstens den Ladevorgang erheblich zu beschleunigen.

Eine Brennstoffzelle als Ersatzakku

Auf Kickstarter macht in diesen Tagen ein Projekt aus Dresden auf sich aufmerksam. Kraftwerk heißt die mobile Brennstoffzelle, die kleine Geräte über USB wieder aufladen soll. Hinter dem Projekt steckt das Unternehmen eZelleron, das seit 2008 an emissionsarmen Energiequellen arbeitet.

Kraftwerk ist eine mobile Stromversorgung für elektronische Geräte. Doch anders als gewöhnliche Akkupacks, die bloß besonders leistungsfähige Lithium-Ionen-Batterien sind, ist Kraftwerk eine Brennstoffzelle in Miniaturform. Sie wird mit gewöhnlichem Feuerzeug- oder Camping-Gas gefüllt, was bloß einige Sekunden in Anspruch nimmt. Über USB werden anschließend die Geräte angeschlossen. Der Ladevorgang soll in etwa so lange dauern wie von einem PC aus.

Prototyp des Kraftwerk © eZelleron

Der Vorteil der Brennstoffzelle: Sie ist völlig unabhängig vom Stromnetz und liefert Strom für mehrere Wochen. Selbst in Situationen, in denen keine Steckdose verfügbar ist, lassen sich die Geräte aufladen. Das ist attraktiv für Forscher, Dokumentarfilmer oder Outdoor-Touristen in entlegenen Gebieten. Kraftwerk ist mit rund 200 Gramm zudem etwas leichter als gewöhnliche Akkupacks. Nach den Angaben auf Kickstarter soll Kraftwerk mindestens zwei Jahre lang funktionieren. So lange ist auch die Garantiezeit des Herstellers. Das Produkt scheint anzukommen: Mehr als die Hälfte der angepeilten 500.000 US-Dollar konnten die Entwickler bereits sammeln.

Smartphone laden in zwei Minuten

Während Akkupacks und Brennstoffzellen den Smartphone-Nutzern mehr Unabhängigkeit geben, suchen andere Unternehmen nach einem Weg, den Ladevorgang einfacher und schneller zu gestalten. Auf der CES in Las Vegas präsentierte das israelische Start-up StoreDot neue Prototypen ihrer Akku-Technik. In weniger als zwei Minuten konnte der Akku eines Samsung Galaxy S5 vollständig geladen werden.

StoreDot hat das Prinzip bereits im vergangenen Jahr vorgestellt. Es basiert nicht auf Lithium-Ionen, sondern auf Nanokristallen (nano dots), die aus organischen Peptiden mit bestimmten elektrochemischen Eigenschaften gewonnen werden. Dieses Verfahren ermöglicht einen schnellen Ladevorgang, allerdings auf Kosten der Leistungsfähigkeit: Die aktuellen Akkus von StoreDot halten nur etwa fünf Stunden und sind zudem etwas größer und teurer als die Standard-Akkus in gängigen Smartphones. Nach Angaben der Entwickler soll die Technik bis zum geplanten Verkaufsstart 2016 noch optimiert werden, doch ob die großen Smartphone-Hersteller sie tatsächlich adaptieren, ist fraglich.

Attraktiv wäre sie. Schließlich ist es lästig, dass leere Smartphones im Schnitt zwei Stunden benötigen, um wieder vollständig aufgeladen zu sein. Ein etwas schwächerer Akku, der dafür in nur zwei Minuten geladen ist, ist für viele Nutzer möglicherweise interessanter.