Pilot mit Quadcopter © Sean Gallup/Getty Images

Als kürzlich ein betrunkener Pentagon-Mitarbeiter eine Spielzeugdrohne in den Garten des Weißen Hauses gelenkt hatte, reagierte der Hersteller DJI ziemlich schnell: Per Firmware-Update erklärte er gleich die ganze Hauptstadt zur Flugverbotszone für seine Produkte, die Geräte können dort also nicht mehr aufsteigen oder das Areal überfliegen. Künftig könnte es noch sehr viel mehr solcher Zonen geben.

Hobby- und Kameradrohnen, auch Multicopter genannt, dürfen längst nicht überall aufsteigen und umherfliegen. Der Garten des Nachbarn zum Beispiel ist zunächst einmal Sperrzone, egal ob er zum Weißen Haus gehört oder sich in Wanne-Eickel befindet. Andererseits darf der Nachbar eine Drohne nicht einfach mit Gewalt oder einem GPS-Störgerät vom Himmel holen, wenn sie doch mal über seinem Grundstück fliegt. Noflyzone.org will stattdessen eine weniger rabiate Methode zum Schutz der Privatsphäre etablieren.

Auf der Website der Initiative kann jeder sein Grundstück zur Flugverbotszone erklären. Anschrift, Name und E-Mail-Adresse reichen dazu aus, einen sogenannten Geofence um das Grundstück zu ziehen. Teilnehmende Drohnenhersteller übernehmen die Daten und bauen eine Art Überflugsperre in ihre Multicopter ein.

Ganz ausgereift ist die Idee noch nicht. Erstens machen bisher vor allem kleinere Hersteller mit, die Marktführer nicht. Das heißt: Die meisten Drohnen würden die Flugverbote derzeit ignorieren. Zweitens werden staatliche Akteure, zum Beispiel die Polizei, die Geozäune immer ignorieren, wenn sie es für nötig halten. Drittens kann die Initiative nicht garantieren, dass ein einmal markiertes Grundstück drohnenfrei bleibt. Denn damit eine Drohne weiß, wo sie nicht mehr fliegen darf, benötigt sie eine Firmware mit der aktuellen Version der NoFlyZone-Datenbank. Die Firmware aber muss der Besitzer in der Regel selbst aufspielen, und nicht jeder wird das ständig tun wollen.

Viertens ist nicht ersichtlich, wie die Macher der Initiative verhindern wollen, dass jemand beliebig viele Adressen zu Flugverbotszonen erklärt, egal ob er der Besitzer der Grundstücke ist oder nicht. Spaßvögel müssen für die Anträge einfach nur verschiedene E-Mail-Adressen verwenden. Eine echte Überprüfung, ob sie Grundstücks- oder Hausbesitzer sind, findet nicht statt. Noflyzone.org verspricht in seiner FAQ nur vage, Betrug so weit wie möglich verhindern zu wollen. Wer feststellt, dass sein Grundstück fälschlicherweise als NoFlyZone eingetragen wurde, kann sich per Webformular an die Macher wenden. Auf Nachfrage teilt eine Sprecherin mit, der Betrug mit mehreren E-Mail-Adressen sei aufwendig, weil Antragsteller jedes Mal eine Bestätigungsmail bekämen, in der sie einen Link anklicken müssten. Weitere Maßnahmen, die verhindern sollen, dass jemand massenweise Grundstücke für Drohnen sperrt, würden in den kommenden Monaten eingeführt.

Die Macher sind keine Drohnen-Gegner

Hinter noflyzone.org steckt der US-Amerikaner Ben Marcus, selbst Pilot und Mitgründer der Firma jetAVIVA, die Privatjets an zahlungskräftige Kunden vermittelt. Marcus ist kein Gegner von Drohnen, ganz im Gegenteil. Er und die teilnehmenden Hersteller wollen den Ruf der Multicopter aufpolieren und schärferen gesetzlichen Regelungen zuvorkommen. Noflyzone.org ist also nicht zuletzt eine kreative Imagekampagne für mehr gesellschaftliche Akzeptanz von Drohnen. 

Die Anzahl der eingehenden Anträge wird möglicherweise andeuten, wie weit es mit dieser Akzeptanz bisher ist – so wie es die Nachbearbeitung von Fassaden in Google Street View einst war. Als Google im Jahr 2010 den Deutschen die Möglichkeit bot, ihre Häuserfronten in Street View zu verpixeln, machten 244.237 Haushalte davon Gebrauch, was weniger als drei Prozent aller bis dahin erfassten Haushalte entsprach. Nun gibt es ein vergleichbares Angebot für das Drohnen-Zeitalter.