Es sind gute Zeiten fürs Crowdfunding. Nur wenige Tage, nachdem das Kartenspiel Exploding Kittens zur bis dato dritterfolgreichsten Kampagne auf der Plattform Kickstarter aufgestiegen ist, knackt Pebble einen Rekord: Für seine Smartwatch Pebble Time konnte das Unternehmen bereits am ersten Tag mehr als acht Millionen US-Dollar einnehmen. 40.000 Unterstützer haben sich zum jetzigen Zeitpunkt die Uhr zu einem Preis von mindestens 159 Dollar vorbestellt.

Der Erfolg ist kein Zufall. Bereits die erste Version der Pebble erzielte mit 10,2 Millionen US-Dollar im Frühjahr 2012 einen Kickstarter-Rekord. Das Start-up aus Silicon Valley war einer der ersten Entwickler moderner Smartwatches, noch bevor große Hersteller wie Samsung, Motorola, LG und Apple einigermaßen massentaugliche Uhren produzierten. Eine Million Geräte hat Pebble mittlerweile verkauft. Die Tests fielen größtenteils wohlwollend aus, auch wenn nicht alle Kunden von den Funktionen überzeugt waren.

Farbiges E-Paper-Display

Nach der Pebble und der Pebble Steel ist die Pebble Time die dritte Generation der Smartwatch. Sie ist etwas dünner und leicht gekrümmt, ansonsten erinnert sie an die ersten beiden Versionen. Die größte Veränderung ist das E-Paper-Display, das nicht mehr monochrom, sondern farbig ist. Jedenfalls ein bisschen. Die 64 Farbstufen sollen eher an das Display eines GameBoy Color erinnern, als an die hochauflösenden Touch-LEDs der Konkurrenz. Dafür hat das E-Paper einen entscheidenden Vorteil: Es ist immer aktiv und stromsparend. Eine Woche soll die wasserdichte Pebble ohne Ladegerät auskommen. Die meisten Konkurrenzprodukte müssen jeden Tag an die Steckdose.

Zudem möchte Pebble ein neues Bedien- und Software-Konzept einführen, das einer persönlichen Timeline nachempfunden ist: Mit den drei Knöpfen an der Gehäuseseite können die Träger durch vorherige und kommende Termine und Notizen navigieren. Die jeweiligen Daten kommen aus Apps, die wie gehabt per Bluetooth mit einem Android- oder Apple-Smartphone synchronisiert werden. Mithilfe des künftig eingebauten Mikrofons können die Nutzer Sprachnachrichten verschicken.

Im Vergleich zu den Geräten großer Hersteller scheint die Pebble aber immer noch mager ausgestattet. Doch die Reduktion gehört zum Konzept: "Für uns war immer die Frage, ob wir eine smarte Uhr sein wollen oder ein Smartphone am Handgelenk", sagt Hardware-Designer Mark Solomon im Gespräch mit The Verge. Die Pebble soll weder ein Fashion-Accessoire noch ein Hightech-Gerät sein und deshalb auch nicht mit der Apple Watch konkurrieren, die im April und damit einen Monat vor der Pebble Time auf den Markt kommt. Mit einem Verkaufspreis von 199 US-Dollar wird die Pebble auch deutlich günstiger sein.

Crowdfunding als Marketingaktion

Pebble spielt bis heute geschickt mit der Rolle des Underdogs. Dabei hat das Unternehmen inzwischen 130 Mitarbeiter und konnte nach dem ersten Erfolg auf Kickstarter zusätzliche 26 Millionen US-Dollar von Privatinvestoren einnehmen. Weshalb sich die Frage stellt: Wieso braucht Pebble für seine neue Uhr überhaupt noch Crowdfunding – und verstößt es damit nicht gegen die Prinzipien von Plattformen wie Kickstarter?

Aus Sicht von Pebble gibt es dafür zwei gute Gründe. Der erste ist die Kundenbindung. Der Erfolg auf Kickstarter gehört zur Unternehmenslegende, die Träger der Pebble fühlen sich, nicht ganz zu Unrecht, als Pioniere und Unterstützer einer guten Idee. Und was einmal klappt, kann auch ein zweites Mal klappen.

Die Verantwortlichen von Pebble machen kein Hehl daraus, dass es sich bei der Kickstarter-Kampagne auch um eine Marketingaktion handelt. Im Laufe der 31 Tage sollen nach und nach weitere Details über Pebble Time enthüllt werden. "Einen Monat voller Spaß" versprechen die Macher, was den Event-Charakter der Kampagne unterstreicht.

Der zweite Grund: Kickstarter lohnt sich wirtschaftlich, die Plattform ermöglicht schlicht höhere Gewinnmargen als der Verkauf im Einzelhandel. Wie The Verge vorrechnet, verliert Pebble für jeden eingenommen Dollar nur ungefähr zehn Cent an Kickstarter und den Zahlungsabwickler. Ähnlich hohe Margen gibt es nur im Direktverkauf über die eigene Website, der aber natürlich nicht dieselbe Anziehungskraft für neue Kunden hat. Zudem kann Pebble besser kalkulieren. Anhand der Vorbestellungen auf Kickstarter kann das Unternehmen nicht nur sehen, wie viele Geräte es zum Start benötigt – Stichwort pull manufacturing – sondern holt bereits während der Produktion die Kosten wieder rein.