Apple-CEO Tim Cook und die Apple Watch © Robert Galbraith/Reuters

Das Wichtigste zuerst: Ein Erdentag hat ab sofort nur noch 18 Stunden. Die Abschaffung des 24-Stunden-Rhythmus verkündete Apple-CEO Tim Cook am Montag, als er neue Details zur Apple Watch bekannt gab. Die Batterie der Smartwatch halte einen ganzen Tag, versprach er. Und fügte hinzu: "18 Stunden bei normaler Nutzung."

Kurz zu den anderen zentralen Zahlen des Events: Ab dem 24. April wird die Apple Watch in Deutschland erhältlich sein, und zwar mit 38 und 42 Millimeter großem Gehäuse. 399 Euro wird die Apple Watch Sport kosten, sie hat ein Gehäuse aus Aluminium und ein Kunststoffarmband. Die einfach nur Apple Watch genannte, etwas hochwertigere Version aus Edelstahl, kostet 649 bis 1.249 Euro, je nach Größe und Armband. Die Apple Watch Edition genannte Luxusausführung aus 18-karätigem Gold wird 11.000 bis 18.000 Euro kosten. Sie wird zumindest anfangs nur in (nicht genannter) begrenzter Zahl und nur in ausgewählten Apple Stores verkauft.

Vorbestellungen sind ab dem 10. April möglich, dann können Interessierte das Gerät auch in den Apple Stores ausprobieren. Sie werden dann feststellen, dass sie ziemlich viel darauf herumdrücken und -wischen müssen, wenn sie sie "normal nutzen" wollen. Das große Versprechen von Wearables – die weitgehend berührungslose Benutzung eines Computers – erfüllt die Apple Watch ebenso wenig wie alle anderen Smartwatches, die es bisher gibt.

Dass trotzdem ziemlich viele Menschen – manche glauben: mehr als sieben Millionen – die Apple Watch schon in den ersten drei Monaten kaufen werden, darüber sind sich die meisten Analysten und Journalisten einig. (Seltene Ausnahme: hier.) Zum Vergleich: Der aktuelle Marktführer Samsung hat im gesamten vergangenen Jahr rund 1,2 Millionen Smartwatches verkauft.

Warum so viele Menschen Apples erste (richtige) Smartwatch kaufen dürften, hat ganz verschiedene Gründe. Apple hat während der heutigen Veranstaltung ein paar mögliche genannt – nur nicht den einen zwingenden.

Apps, die es auf anderen Smartwatches nicht gibt

Die naheligendsten Gründe sind die Apps, die ab dem jetzt verfügbaren iOS 8.2 über einen separaten Store verteilt werden. Die Apple Watch kann vieles von dem, was andere Smartwatches auch können: das Wetter anzeigen, Termine, Eilmeldungen und Social-Media-Benachrichtigungen einblenden oder die Musikwiedergabe auf dem gekoppelten Smartphone steuern. Sie zeigt außerdem die Herzfrequenz und andere Fitnesswerte an. Darüber hinaus hat Apple eine Vielzahl von Unternehmen für exklusive Smartwatch-Apps gewonnen. Shazam zum Beispiel, um Musik zu erkennen, den Fahrdienst Uber sowie Hotels, deren Zimmertüren die Apple Watch öffnen kann. Auch Flugtickets kann sie in Form von Barcodes anzeigen. Dazu kommen Apples eigene Ideen, die das Unternehmen bereits im September vorgestellt hatte. So können Nutzer sich mit der Apple Watch eines Bekannten verbinden und ihm eine Skizze aufs Display schicken, die sie selbst mit dem Finger zeichnen.

Ein stärkerer Druck auf das Display öffnet die zahlreichen Optionen für das Ziffernblatt. Dieser force press ist eine neue Art der Interaktion mit einer Smartwatch. App-Entwickler dürften schon bald entsprechende Anwendungen programmieren, zum Beispiel Spiele. 

Eine echte Killer-App gab es am Montag nicht zu sehen. Die Apple Watch ist eine Verlängerung des iPhones 5 oder 6, nicht mehr und nicht weniger. Statt das iPhone aus der Tasche zu ziehen und darauf herumzuwischen, sollen Apple-Watch-Besitzer eben auf das kleine Display am Handgelenk und den kleinen Button am Gehäuse drücken, beziehungsweise an der Krone drehen. Einige Aktionen lassen sich immerhin mit der Sprachsteuerung über Siri vornehmen, solange die Apple Watch per Bluetooth oder WLAN mit dem iPhone verbunden ist. Selbst Telefonate lassen sich damit führen, was dann ebenso albern aussehen dürfte wie bei allen anderen Smartwatches, mit denen das möglich ist.