Aus dem einstigen elektronischen Jeopardy-Gewinner wird ein Analysewerkzeug für die Daten von Millionen Apple-Kunden: IBM will mit seiner Watson-Technologie jene Daten auswerten, die iPhone- und Apple-Watch-Nutzer über spezielle Apps rund ums körperliche Wohlbefinden sammeln. Das hat IBM am Montagabend bekannt gegeben.

Apple hatte im März seine neue Open-Source-Plattform ResearchKit vorgestellt, auf deren Basis Forschungseinrichtungen und Uni-Kliniken eigene Apps entwickeln können, um letztlich verschiedene Daten zu Fitness und Gesundheit für ihre Studien zu erheben. Der Vorteil für die Anbieter: Sie bekommen im besten Fall Daten von Hunderttausenden Nutzern, für viel weniger Geld, als die klassische Suche nach Probanden kosten würde. Der Vorteil für die Nutzer: Sie bekommen Anwendungen von angesehenen medizinischen Einrichtungen, mit denen sie ihren Gesundheits- oder Fitnesszustand testen und überwachen können.

Apple hat noch eine weitere Gesundheitsplattform namens HealthKit. Sie richtet sich an die Anbieter kommerzieller Fitnesstracker und -Apps. Vereinfacht gesagt führt sie deren Daten auf dem iPhone zusammen.

IBM will die Daten von beiden Plattformen künftig in großem Stil in seiner Cloud sammeln, auswerten und die Ergebnisse verschiedenen Forschungseinrichtungen oder Kliniken anbieten. "Wir wollen das analytische Gehirn hinter HealthKit und ResearchKit sein", sagte IBM-Manager John E. Kelly der New York Times. Apple-Nutzer müssten ihre Daten dazu über eine IBM-App freigeben. Kelly sagte, die Daten würden "typischerweise anonymisiert".

"Generation Apple Watch interessiert sich für Daten-Philanthropie"

Michael Rhodin von IBM sagte der Financial Times: "Die Generation Apple Watch interessiert sich für Daten-Philanthropie. Viele von ihnen haben miterlebt, wie Eltern oder Verwandte von Krankheiten niedergestreckt wurden. Warum sollten sie Wissenschaftlern nicht helfen wollen?" 

Von Watson, bekannt geworden als wohnzimmergroßer Supercomputer, der im Jahr 2011 zwei menschliche Champions der Quizshow Jeopardy besiegte, gibt es heute viele (physisch wesentlich kleinere) Versionen für verschiedene Einsatzzwecke, zum Beispiel im Finanzwesen. IBM setzt die selbst lernende Technik schon seit Längerem in der Gesundheitsforschung ein, bisher jedoch vor allem in einzelnen Krankenhäusern.

Muster erkennen, Behandlungskosten senken

Nicht nur Apple wird auf Watson vertrauen: Der Pharmazie- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson etwa will ein Coaching-System von IBM haben, das Patienten auf Rücken-Operationen oder den Einsatz künstlicher Gelenke vorbereitet und ihnen anschließend hilft, die richtigen Übungen zur Rehabilitation durchzuführen. Der Medizintechnik-Hersteller Medtronic wiederum will die Watson-Analysen für smarte Insulinpumpen verwenden, die ihren Nutzern immer genau die richtige Dosis verabreichen.  

Generell will IBM mit Watson künftig Muster in großen Mengen medizinischer Daten erkennen und helfen, Behandlungen individuell anzupassen, um Kosten zu senken. Davon profitieren sollen Ärzte, Forscher, Versicherungen und Patienten gleichermaßen.

IBM wird deshalb eine eigene Firma in Boston mit 2.000 Mitarbeitern gründen: Watson Health. Zudem hat IBM die Unternehmen Explorys und Phytel gekauft, die sich auf die Auswertung von Patientendaten spezialisiert haben.