WWDC: Craig Federighi präsentiert iOS 9 © Robert Galbraith / Reuters

Acht Jahre hatte die Menschheit, um zu lernen, was Apps sind: Voneinander getrennte Programme, die sich einzeln mit einer Fingerberührung vom Homescreen eines Smartphones oder Tablets starten lassen, wenn sie gerade benötigt werden. 2007, mit dem ersten iPhone, wurde das Modell massentauglich. Nun wird es Zeit, es wieder zu vergessen.

Denn "das Ende von Apps, wie wir sie kennen" naht, wie manche es ausdrücken. Gar vom "Tod des Startbildschirms" ist die Rede. Vielleicht nicht ausnahmslos und innerhalb weniger Monate. Aber Apple und Google arbeiten zumindest daran. Ihr Ziel: Apps werden nicht mehr die Benutzeroberfläche des Betriebssystems sein, sondern umgekehrt. Android und iOS drängen sich in den Vordergrund und degradieren Apps zu Datenlieferanten. Das soll den Nutzern, die immer mehr auf ihren mobilen Geräten erledigen, dabei helfen, Zeit zu sparen und nicht mehr ständig zwischen verschiedenen Apps hin- und herwechseln zu müssen.

Die folgenden sechs Ansätze werden noch in diesem Jahr zu Bestandteilen von Android und iOS – oder sind es bereits.

Google Now on tap

Googles aufgebohrte Version seines virtuellen Assistenten Google Now wird eine neue Benutzungsoberfläche des für den Herbst angekündigten Betriebssystems Android M. Das Prinzip: Google Now on tap versucht zu verstehen, was ein Nutzer gerade auf seinem Smartphone- oder Tabletdisplay sieht, um ergänzende Informationen aus anderen Apps hinzuzufügen.

Zwei Beispiele: Wer von Freunden per E-Mail gefragt wird, ob er abends mit ins Kino kommt, um Mad Max zu schauen, muss nur den Homebutton seines Smartphones gedrückt halten, um Informationen über den Film angezeigt zu bekommen – ohne die E-Mail-App zu verlassen. Und wer eine Kurznachricht erhält, in der jemand ein Restaurant vorschlägt, bekommt erste Informationen aus Yelp und anderen thematisch passenden Apps eingeblendet – ohne dass diese geöffnet werden.

So wird Google Now on tap aussehen. © Google

Kontextabhängige Informationen

Google Now on tap ist nicht auf den Homebutton beschränkt. Wer auf seinem mobilen Gerät gerade Musik hört, braucht nur zu sagen: "OK Google, wie heißt der Sänger dieser Band?", und schon bekommt er die gewünschte Information angezeigt. Dank der Kombination aus Spracheingabe und Googles Fähigkeit, Bildschirminhalte zu erkennen, ist es nicht mehr nötig, die Musik-App zu verlassen und über den Startbildschirm die Suchmaschinen-App aufzurufen und dort den Namen der Band einzutippen.

Ein zweites Anwendungsbeispiel demonstrierte Google auf einer Konferenz in Paris: In einer App war ein Tennisspieler zu sehen, ein Google-Manager fragte nur "OK Google, wie viele Grand Slams hat er gewonnen?" Der virtuelle Assistent verstand, dass sich das "er" in der Frage auf den Tennisspieler bezog und gab die Antwort.

Location Aware Search

Google Now on tap ist außerdem in Lage, aus dem Standort des mobilen Geräts auf die Umgebung zu schließen und Fragen zu beantworten wie "Wie heißt diese Kirche?" oder "Wie hoch ist dieser Turm?".

Die entsprechenden Gebäude und Geschäfte müssen allerdings in Google Maps verzeichnet sein. Und die Nutzer müssen GPS aktiviert haben. Das aber frisst Akku und kreiert ein exaktes Bewegungsprofil.