Die Kampagne für die Pebble Time hat auf Kickstarter 20 Millionen US-Dollar eingespielt, mehr als jedes andere Projekt. Zunächst wurde sie an die Unterstützer ausgeliefert, nun ist sie auch im Handel für rund 250 Euro erhältlich. Wie schlägt sich die Smartwatch mit E-Ink-Display und vergleichsweise wenig Funktechnik und Sensoren im Alltag?

Das Farb-E-Paper-Display der Uhr hat jedenfalls einen grundsätzlichen Vorteil gegenüber den beleuchteten Displays der Apple Watch und anderen Konkurrenten: Es ist kontinuierlich aktiv und kann mit einer LED auch bei schlechtem Licht abgelesen werden – ansonsten reicht Umgebungslicht. Die Darstellung ist allerdings kontrastarm und nicht zu vergleichen mit OLED- oder LC-Displays. Doch dafür soll die Uhr nicht nur die üblichen ein bis zwei Tage mit einer Akkuladung auskommen, sondern bis zu eine Woche.

Einen Pulsmesser, GPS oder NFC beziehungsweise WLAN und Mobilfunkverbindungen sucht der Nutzer vergebens. Die Pebble Time kann nur eine Bluetooth-Anbindung zu Android- und iOS-Geräten aufbauen. Dazu bedarf es einer App, die es für beide Betriebssysteme gibt und über die der Anwender die Uhr konfigurieren und mit weiteren Apps versehen kann. Mithilfe der Pebble-App können Nutzer zum Beispiel neue Ziffernblätter auf die Uhr kopieren und bestimmen, welche Kalender synchronisiert werden sollen.

Nur in der Android-Version lässt sich zudem konfigurieren, welche App-Benachrichtigungen an die Uhr weitergeleitet werden sollen und welche Sprache in der Diktierfunktion genutzt wird. Von iOS-Geräten werden alle Benachrichtigungen auf die Uhr gespielt, sodass Nutzer nur die Möglichkeit haben, auf ihrem Smartphone oder Tablet bestimmte Meldungen auszuschalten, wenn diese nicht auf der Pebble Time erscheinen sollen. Eine Diktierfunktion mit Texterkennung gibt es unter iOS nicht. Und Windows Phone wird offiziell gar nicht unterstützt.

Die Pebble Time verfügt über ein quadratisches Display, ein Kunststoffgehäuse und ein breites Silikonband, das angenehm zu tragen ist. Wer will, kann es gegen ein Standard-22-Millimeter-Band austauschen. Die Bandanstöße entsprechen denen normaler Armbanduhren.

Die Uhr wirkt, anders als viele Smartwatches, nicht klobig. Das liegt an dem kleinen und flachen Gehäuse, das 40,5 mal 37,5 mal 9,5 Millimeter misst und leicht gewölbt ist, um sich dem Armgelenk besser anzupassen. Allerdings ist die Pebble Time von einem recht breiten Rand umgeben, sodass das 1,25 Zoll große Farbdisplay etwas verloren aussieht. Bedient wird die Uhr über Knöpfe am rechten und linken Rand, die gut zu treffen sind und einen ordentlichen Druckpunkt haben.

Geschützt wird das Display nach Herstellerangaben von Gorilla-Glas. In unserem Test zeigte sich schon bald ein hässlicher Kratzer, obwohl wir uns keines Vorfalls bewusst sind, bei dem die Oberfläche hätte Schaden nehmen können. Sie soll wasserdicht (bis 30 Meter Tiefe) sein, was wir nicht überprüft haben. Ein unfreiwilliges Bad in einem gefüllten Handwaschbecken überstand sie problemlos.

In wenigen Wochen soll die Edelstahlversion der Uhr auf den Markt kommen, die einen etwas größeren Akku hat und etwas höher ist.

Smartwatch ohne Touchscreen

Die Pebble Time hat keinen Touchscreen und wird vollständig über die seitlichen Knöpfe bedient. Deren guter Druckpunkt ermöglicht eine nahezu blinde Bedienung, was keineswegs selbstverständlich ist. So lässt sich der Wecker mit Vibrationsalarm problemlos deaktivieren beziehungsweise für zehn Minuten stumm schalten, ohne die Uhr ansehen zu müssen.

Pebble hat der Uhr ein besonderes Bedienungskonzept mitgegeben. Links befindet sich ein Knopf, rechts sind gleich drei. Mit dem linken Knopf bewegt sich der Nutzer in der Menüsteuerung zurück. Die drei Buttons rechts steuern eine Zeitleiste. Alle App-Benachrichtigungen, Erinnerungen, Ereignisse und Nachrichten sind in einer chronologischen Reihenfolge angeordnet. Der obere rechte Knopf zeigt aktuelle Daten an. Drückt der Nutzer ihn noch einmal, zeigt er Informationen vom Vortag an. Die Betätigung des unteren Buttons aktiviert die Anzeige künftiger Daten, zum Beispiel die Wettervorhersage.

Durch diese – zunächst etwas verwirrende – Steuerung müssen Benutzer in der Regel keine Apps starten, um sich schnell zu informieren. In der App auf dem iOS- oder Android-Gerät können sie mit den Timeline-Pins in den Einstellungen einiger Apps festlegen, ob Daten dieser App in der Zeitleiste erscheinen sollen oder nicht. Zudem können sie bestimmen, ob die Uhr eine Benachrichtigung durch Vibration und Text bei neuen Daten von dieser Anwendung empfangen soll.