Die zweite Generation des Smartphones fürs vergleichsweise gute Gewissen ist fast fertig. Seit ein paar Tagen können Interessenten das Fairphone 2 vorbestellen, die Auslieferung der ersten 15.000 Geräte beginnt im November. Knapp 530 Euro kostet es, und damit deutlich mehr als das Vorgängermodell, von dem bis heute gut 61.000 Stück verkauft wurden. Das liegt zum Teil an der ordentlichen, aber nicht überwältigenden Ausstattung des Android-Smartphones, vor allem aber an der Bauweise und den verwendeten Materialien.

Möglichst viele der im Fairphone verarbeiteten Rohstoffe sollen aus Minen stammen, deren Erträge nachweislich nicht aus konfliktbelasteten Gegenden kommen oder die von den Fairphone-Machern aus anderen Gründen als vergleichsweise vorbildlich eingestuft werden. Das klappt ansatzweise mit Wolfram und Zinn und soll irgendwann auch für Gold gelten. Ein Smartphone aus 100 Prozent fair gehandelten Materialien wird es nie geben, das geben die Entwickler selbst zu. Sie lernen aber beständig dazu und teilen ihre Erkenntnisse mit den potenziellen Kunden. Das schließt eine Auflistung ein, die anzeigt, welches Bauteil und welcher Teil der Produktion wie viel Geld pro Gerät kostet (hier für das erste Modell). Das "fair" im Namen mag sich besser verkaufen, aber "transparent" trifft es eher.

Der Clou am neuen Gerät: Auch Laien sollen zentrale Module des Fairphone 2 ganz einfach auswechseln können, damit das Gerät möglichst lange hält. Mindestens fünf Jahre lang – das wünschen sich die Entwickler jedenfalls. Am Freitag präsentierte Fairphone-Mitgründer Miquel Ballester einen Prototyp in Berlin. Optisch und auch technisch werde sich bis zur Auslieferung noch einiges verändern, sagt Ballester. Aber ZEIT ONLINE konnte schon einmal ausprobieren, wie sich die einzelnen Module entfernen lassen.

Sieben Module

Zu den austauschbaren Teilen gehören die Hülle aus Gummi, das Display, der Akku, die Basiseinheit mit Prozessor und Speicher, die Hauptkamera und das Mikrofon plus Lautsprecher. Sieben Module werden es insgesamt sein, die Hülle mitgezählt. Um eines der tiefer liegenden auszutauschen, muss man erst die Hülle abziehen, dann den Akku herausnehmen und schließlich mit zwei Schiebern das Display entriegeln. Danach lässt es sich nach vorne schieben und schließlich abnehmen. Am Protoptyp war das noch recht hakelig, wirkte dafür aber stabil.

Auf der unteren Hälfte sind die weiteren Module befestigt. Sie lassen sich mit einem kleinen Kreuzschraubendreher abschrauben, die entsprechenden Schrauben werden eindeutig markiert sein. Außerdem wird es kleine Symbole auf jedem Modul geben, die dem Nutzer zeigen, um welche Teile es sich handelt. Der Austausch eines Moduls sollte, so viel zeigte der kleine Test, in ein bis maximal drei Minuten möglich sein.

Wer sich mit der Materie auskennt, wird einzelne Module auch öffnen und deren Bestandteile reparieren können. Laien empfehle er das aber nicht, sagte Ballester.

Wer ein neues Modul braucht, wird es im Onlineshop von Fairphone bestellen müssen. Ob es in Zukunft bessere Module, also zum Beispiel eine Kamera mit höherer Auflösung geben wird, konnte Ballester nicht sagen. Fairphone sei als Firma gerade einmal zwei Jahre alt, da könne er nicht wissen, was in den kommenden zwei Jahren passiert.

Die wichtigsten technischen Details des Geräts sind seit geraumer Zeit bekannt: Das Gerät hat einen fünf Zoll großen Touchscreen mit einer Auflösung von 1.920 mal 1.080 Pixeln, zwei Gigabyte Arbeitsspeicher, 32 Gigabyte Flash-Speicher und einen Steckplatz für Speicherkarten. Der Quad-Core-Prozessor ist ein Snapdragon 801 von Qualcomm. Die Hauptkamera hat eine Auflösung von acht Megapixeln. Das Fairphone 2 beherrscht LTE und bekommt zwei SIM-Karten-Steckplätze.

Das Betriebssystem wird Android 5.1 alias Lollipop sein. Ein Upgrade auf Android M, das im Herbst erscheint, dürfte früher oder später möglich sein. Details dazu und zur Software insgesamt will Fairphone in naher Zukunft veröffentlichen. Ein offenes Geheimnis ist, dass Fairphone auch mit Jolla und Canonical redet, um eines Tages möglicherweise alternative Betriebssysteme anbieten zu können.

Mobilfunk - Ein "faires" Smartphone für die Welt Das niederländische Unternehmen Fairphone will ein Smartphone aus wiederverwendbaren Materialien auf den Markt bringen. Es soll ohne Ausbeutung und nachhaltig produziert sein.