Tolino shine 2 HD (links) und Tolino vision 3 HD © ZEIT ONLINE

Der oberste Telekom-Produktmanager im Bereich E-Publishing nimmt das Wort Amazon nicht in den Mund. "Unser größter Konkurrent" sagt er stattdessen immer, wenn er die eigenen E-Reader der Marke Tolino mit dem Kindle von Amazon vergleicht. Als wäre Amazon der Voldemort der Unterhaltungselektronik: das Unternehmen, dessen Name nicht genannt werden darf.

Dabei hat die Telekom als Entwickler und Hersteller für den Tolino-Verbund der deutschen Buch- und E-Book-Händler keinen Grund zur Verbalakrobatik. Pünktlich zur Frankfurter Buchmesse und rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft gibt es zwei neue Tolinos, den vision 3 HD und den shine 2 HD. Und die müssen sich hinter dem aktuellen Kindle Paperwhite nicht verstecken.

Der Tolino vision 3 HD ist das neue Spitzenmodell. Es unterscheidet sich vom Vorgänger vor allem durch das bessere Display. Im vision 3 HD steckt ein sechs Zoll großes, berührungsempfindliches E-Ink-Display mit 1.448 mal 1.072 Pixeln, also 300 ppi. Damit ist die Auflösung so hoch wie jene des aktuellen Kindle Paperwhite. Auf beiden sind einzelne Pixel nicht mehr erkennbar, das Schriftbild ist auch in Serifen scharf und gleichmäßig. Ghosting-Effekte treten nicht mehr auf und die Hintergrundbeleuchtung ist gleichmäßig, was beim Vorgänger nicht ganz der Fall war.

Günstiger als Paperwhite?

Der vision 3 HD ist zudem wassergeschützt und übersteht nach Angaben der Telekom sogar ein Wannenbad problemlos. Zudem bietet er die schon vom Vorgänger bekannte tap2flip-Option: Zum Umblättern können Nutzer einfach mit einem Finger auf die Rückseite des Geräts klopfen. Zurückblättern kann man so zwar nicht, dennoch ist die Funktion als Alternative zum Blättern über das Touch-Display sehr praktisch für Nutzer, die das Gerät immer nur in einer Hand halten wollen. 

Der günstigere Tolino shine 2 HD hat das gleiche hervorragende Display, ist aber nicht wassergeschützt und hat keine tap2flip-Option. Die Speicher- und Prozessorausstattung ist gleich, dennoch bauen sich Seiten auf dem shine 2 HD merklich langsamer auf.

Tolinos haben einen Knopf für die Display-Beleuchtung

Das Gehäuse des shine 2 HD ist minimal dicker, das Gerät zehn Gramm schwerer als der vision 3 HD. Mit 184 Gramm sind das aber immer noch 21 Gramm weniger als ein Kindle Paperwhite ohne 3G-Modul. Der Home-Button ist ein physischer Knopf, kein Sensor wie im vision 3 HD.

Die Hintergrundbeleuchtung des Kindle Paperwhite lässt sich zwar noch heller einstellen als die der Tolinos. Aber die hellste Stufe braucht wohl nur, wer seinen E-Reader als Taschenlampe benutzen will. Dafür lässt sich die Beleuchtung der Tolinos wie gehabt über einen Knopf am oberen Gehäuserand abschalten, während das beim Kindle nur in mehreren Schritten über den Touchscreen geht.Zudem bieten die Tolinos mehr Optionen in den Einstellungen zur Textausrichtung, also bei Zeilenabstand, Rand und Ausrichtung.

Die vier Gigabyte Speicher in beiden Geräten sollen für etwa 2.000 E-Books reichen, der Akku soll nach Herstellerangaben bis zu sieben Wochen durchhalten, bis er aufgeladen werden muss. Das konnte ich allerdings nicht überprüfen, da ich meine Testgeräte nur einige Tage zur Verfügung hatte. Wer mehr Speicherplatz braucht, kann seine E-Books auch in der Tolino-Cloud speichern, 25 Gigabyte sind im Preis inbegriffen. All das ist vergleichbar mit dem Kindle.

Amazons E-Reader versteht dafür mehr Dateiformate, wobei das Gerät natürlich in erster Linie als Wiedergabemaschine für Amazons eigene Inhalte in Amazons eigenem Dateiformat zu verstehen ist. Wer ePUB-Dateien auf dem Kindle lesen will, muss sie erst umwandeln, das geht am Computer mit der kostenlosen Software Calibre.

Zwischenfazit: Rein technisch ist der Tolino vision 3 HD einem Kindle Paperwhite von 2015 leicht überlegen. Der shine 2 HD kommt ihm zumindest sehr nahe. Allerdings gibt es nach wie vor keinen Tolino mit 3G-Modul, neue Bücher kann man also nur über WLAN auf das Gerät laden.