Mit dem Laptop im Bett – gesund ist das nicht. © Philippe Wojazer / Reuters

Vergangene Nacht bin ich so schnell eingeschlafen wie seit Wochen nicht. Ich bin ein schlechter Einschläfer, normalerweise wälze ich mich knapp eine Stunde im Bett herum, höre Podcasts oder wische mich durch Instagram, bis ich endlich müde genug bin. Aber gestern dauerte es nur wenige Minuten, bis ich schlief. Mein Armband verrät mir am Morgen, dass ich über eine Stunde in der wichtigen REM-Phase verbracht habe – auch das eine Seltenheit bei mir.

Natürlich ist das keine wissenschaftliche Grundlage, aber vielleicht hat mein kleiner Erfolg ja tatsächlich mit f.lux zu tun. Die App arbeitet, einmal heruntergeladen, im Hintergrund und passt die Farben unserer Bildschirme vollautomatisch an die Tageszeit an. Tagsüber scheint mein Display weiterhin blau. Geht aber draußen die Sonne unter, taucht f.lux den Laptop langsam in warme Orange-Töne, während das Blau zunehmend verschwindet: f.lux bereitet mich und meinen Bio-Rhythmus darauf vor, ebenso in den Ruhezustand zu wechseln wie die Geräte um mich herum. 

Dass wir unserem Körper kaum etwas Schlimmeres antun können, als abends im Bett auf unsere Displays zu starren, ist inzwischen breiter Konsens. Smartphone-Bildschirme haben sich längst eingereiht in stundenlanges Sitzen und Wurst, die anderen Todsünden der Moderne. Schlaflosigkeit und Jetlag sind dabei noch die geringste Nebenwirkung des blauen Display-Flackerns. Wissenschaftler warnen vor möglichen Langzeitfolgen wie Übergewicht, Diabetes oder Krebs. Wir wissen es also alle. Trotzdem gibt es nichts Gemütlicheres, als abends nochmal schnell die virtuelle Welt an sich vorbeiwischen zu sehen. Das einfach bleiben zu lassen, klingt nobel, ist aber zumindest in meinem Fall wenig realistisch.

Effekt ist nicht wissenschaftlich belegt

Die Aussicht auf eine technische Lösung, die mir erlaubt, meinem guilty pleasure auch weiterhin und ganz ohne Schuldgefühle zu fröhnen, löst entsprechend Begeisterung aus. Seit ich das Programm auf meinem Bildschirm (auf allen dreien, genauer gesagt, denn im Büro benutze ich es inzwischen auch) installiert habe, freue ich mich geradezu auf den Sonnenuntergang. Wer auch danach noch Fotos bearbeiten oder Filme schauen will, der kann f.lux mit einem Klick pausieren lassen. Und wem um 3 Uhr nachts einfällt, dass er noch eine E-Mail schreiben muss, für den gibt es den Darkroom-Modus, der alles in dunkles augenfreundliches Rot taucht. 

Die Idee zu dem Programm kam Michael Herf und seiner Frau wie so oft durch Zufall. Seine Frau habe immer bis spät in die Nacht in ihrem Atelier gemalt, erzählt Herf im Interview mit der Huffington Post. Sie hätten viel Geld investiert, um den Raum mit Tageslichtlampen auszustatten. Als sie abends in die Wohnung wechselte, fiel ihr der blaue Schein um die Laptop-Displays auf. Also spielten die beiden mit der Kalibrierung und merkten, dass sie plötzlich viel entspannter waren. 

Blick aufs Fluxometer

Ob der Effekt von Programmen wie f.lux wirklich groß genug ist, um die negativen Folgen aufzuheben, ist nicht wissenschaftlich belegt. Die Forschung komme mit den technischen Entwicklungen nicht hinterher, sagt Anne-Marie Chang, Neuro-Wissenschaftlerin am Brigham and Women’s Hospital in Boston. "Aber es ist großartig, wenn Leute neue Ideen haben, um unsere Geräte zu verbessern." Programme, die die Farbzusammensetzung veränderten, könnten in jedem Fall hilfreich sein, meint Mariana Figueiro vom Lighting Research Center des Rensselaer Polytechnic Institute in Troy, New York. Licht mit längeren Wellenlängen, also etwa Orange statt Blau, habe weniger Auswirkungen auf unseren Körper und den Schlafrhythmus.

Für iOS ist ein Jailbreak nötig

Allerdings hat f.lux einen gewaltigen Haken, für den die Macher selbst wenig können: Zwar gibt es das Programm auch als App für iPhone und iPad. Aber dank der strengen Richtlinien von Apple dürfen Apps keine systemübergreifenden Veränderungen vornehmen. Entsprechend hat der Konzern sich bislang gesträubt, die App im offiziellen App Store zuzulassen. Wer das Programm installieren will, dem bleibt bislang nichts anderes übrig, als sein Gerät einem Jailbreak zu unterziehen. Wer nicht weiß, was das ist oder wem bei dem Gedanken mulmig wird, der sollte sich vorerst vielleicht lieber einen Blau-Filter für sein Display zulegen. 

f.lux gibt es für OS X, Windows, und iOS (mit Jailbreak). Für Android gibt es als Alternative Twilight.