Es ist ein Urteil, das Millionen Menschen betrifft: Ein Gericht hat in Brasilien den Nachrichtendienst WhatsApp für 48 Stunden sperren lassen. Alle Telefongesellschaften seien zur Umsetzung des Gerichtsbeschlusses aufgefordert, meldeten nationale Medien. Hintergrund sei ein Strafverfahren, in dem der Anbieter nicht kooperiert habe. Worum es bei dem Verfahren ging, wurde nicht gesagt.

Ab 23.30 Uhr lokaler Zeit konnte der Nachrichtendienst weitgehend nicht mehr genutzt werden. Einige große Telefongesellschaften wie Oi und Vivo gaben zuvor an, gegen das Gerichtsurteil vorgehen zu wollen. Im Februar war eine von einem Richter angeordnete landesweite Blockade von einer Berufungsinstanz zurückgewiesen worden. Damals ging es um die Herausgabe von Daten an die Polizei im Zusammenhang mit einem Pädophiliefall.

In Medienberichten hieß es nun, WhatsApp habe auf einen Gerichtsbeschluss vom 23. Juli nicht reagiert. Am 7. August sei im Falle der Nichtkooperation die Blockade angedroht worden. Da keine Reaktion erfolgt sei, habe die Staatsanwaltschaft die bisher beispiellose Sperrung für 48 Stunden im fünftgrößten Land der Welt verfügt. 

Mithilfe von Virtual Private Networks ist es aber weiterhin möglich, den Messenger zu nutzen. Rund eine Million Menschen weicht stattdessen auf die App Telegram aus, wie deren Betreiber mitteilte.

Brasilien gilt als eines der Länder mit den weltweit meisten Nutzern des Dienstes. Schätzungen gehen von über 35 Millionen aus. Über den Dienst können unter anderem kostenlos Nachrichten, Fotos, Videos und Sprachmitteilungen versendet werden.

WhatsApp hat damit die kostenpflichtige SMS-Kurznachricht weitgehend ersetzt. Weltweit sollen rund 900 Millionen Menschen WhatsApp nutzen. Facebook hatte den Dienst im vergangenen Jahr für rund 22 Milliarden Dollar gekauft.