Verkehrsminister Dobrindt glaubt, der Betrieb von Multikoptern müsse strenger reguliert werden. © Bruce Bennett/Getty Images

ZEIT ONLINE: Multikopter werden dieses Jahr unter ziemlich vielen Weihnachtsbäumen liegen. Was glauben Sie wissen die ganzen Neupiloten über ihre Versicherungspflicht, Luftrecht, Flugverbotszonen und Sicherheitsvorkehrungen?

Carl Sonnenschein: Die fehlende Information ist ein Riesenproblem. Es mangelt an einer Pflicht des Verkäufers, über die Pflichten des Nutzers aufzuklären – zum einen die bestehende Versicherungspflicht, zum anderen über die Grundregeln für den Betrieb von Multikoptern, welche Gefährdungen von ihnen ausgehen können und wie sie zu vermeiden sind. Deshalb erhält in unserem Verband jedes Neumitglied eine Checkliste zu genau diesen Punkten.  

ZEIT ONLINE: Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) will den zivilen und den gewerblichen Betrieb von Drohnen schärfer regulieren, zum Beispiel durch Kennzeichnungspflichten, Höhenbegrenzungen und einem Drohnen-Führerschein. Sind diese Pläne geeignet, die "Gefahr von Kollisionen, Abstürzen oder Unfällen" zu verringern, wie Dobrindt hofft?

Sonnenschein: Die Vorschläge sind ungeeignet, diese Risiken zu verringern und somit überflüssig. Was Dobrindt will, ist fast ausnahmslos im geltenden Recht verankert. Deshalb wird er mit den neuen Regelungen auch nichts erreichen.

ZEIT ONLINE: Gehen wir einzelne Vorschläge mal durch: Was halten Sie von der geplanten Einführung einer maximalen Flughöhe von 100 Metern für zivile Drohnen?

Sonnenschein: Schon jetzt gilt, dass ein Multikopter oder eine Drohne nur so weit und nur so hoch geflogen werden darf, dass das Gerät noch sicher zu steuern ist. Ich muss also die Lage noch klar erkennen können. Bei 50 bis 80 Metern dürfte da in den meisten Fällen Schluss sein.

ZEIT ONLINE: Hat Dobrindts Höhenbegrenzung auch mit der Funk-Reichweite zu tun? 

Sonnenschein: Die Reichweite der Steuerung ist nicht das Problem. Sie kann bis zu zwei Kilometer betragen, weit mehr als die Sichtweite.

ZEIT ONLINE: Das Verkehrsministerium hält den Einsatz von RFID-Chips für denkbar, um die Kennzeichnung und auch den Standort der Fluggeräte zu übertragen. Damit wäre auch im Nachhinein genau nachvollziehbar, wer wann wo geflogen ist. Ist so eine Art Vorratsdatenspeicherung für Modellflieger sinnvoll?

Sonnenschein: Das ist datenschutz- und persönlichkeitsrechtlich ein Problem und ebenso unnötig. Schon jetzt muss jedes Flugmodell über fünf Kilogramm in feuerfester Schrift mit dem Namen und der Adresse des Halters gekennzeichnet sein. Das könnte man auch für Fluggeräte unter fünf Kilogramm vorsehen. Die Geräte wären dann im Schadensfall ihren Nutzern eindeutig zuzuordnen.

ZEIT ONLINE: Auch Geofencing könnte nach Ansicht des Ministeriums nützlich sein, also das Hinterlegen von Verbotszonen in der Landkarten-Software der Drohnen. Das jedenfalls geht aus einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Halten Sie das für praktikabel?

Sonnenschein: Das ist technisch möglich und praktikabel. Geofencing sollte aber nicht zur Vorschrift werden, sondern ein Angebot sein. Für den Nutzer ist es durchaus hilfreich, wenn er auf diese Weise erkennt, wo seine Drohne fliegen darf und wo nicht. Natürlich müssten die Kartendaten in den Geräten regelmäßig aktualisiert werden. Insgesamt ist Geofencing etwas für die höherwertigeren Geräte – also nicht für den Großteil derer, die morgen unter den Christbäumen liegen werden.