Es sieht ganz anders aus als der Vorgänger, nutzt andere Technik und ist noch nachhaltiger gefertigt: Mit dem Fairphone 2 will das gleichnamige niederländische Startup nicht nur seinem Ziel näherkommen, mit einem fair produzierten Smartphone den Markt zu verändern. Damit das gelingt, muss auch das Gerät selbst Kunden überzeugen können, und das soll es unter anderem mit mehr Leistung und seinem modularen Aufbau.

Das Design des Fairphone 2 hat das Startup komplett selbst entwickelt, was zu mehr Freiheiten bei der Wahl des Herstellers sowie der Zulieferer und deren Lieferkette führt. Das Gerät ist im Resultat leistungsfähiger als sein Vorgänger, aufgrund der modularen Bauform zudem nachhaltiger sowie dank der besser kontrollierten Lieferkette und Arbeitsbedingungen fairer. Allerdings ist auch das neue Modell kein komplett faires Smartphone im Sinne von: absolut konfliktfrei und in allen Stufen unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt. Die Fairphone-Macher gehen bei ihren Bemühungen um Transparenz und bessere Arbeitsbedingungen jedoch weiter als viele andere Hersteller. Nach dem Hands on mit dem zweiten Prototyp haben wir uns jetzt angesehen, wie sich das finale Gerät im Alltag bewährt. 

Das Fairphone 2 hat keine Ähnlichkeit mit dem ersten Modell. Nicht nur ist das Display und damit das gesamte Smartphone merklich größer, das komplette Design und der Aufbau des Gerätes sind anders. Das Gerät hat kein Gehäuse, wie es die meisten anderen Smartphones auf dem Markt haben: Der Kern steckt in einer Kunststoffhülle, die einer Schutzhülle für Smartphones ähnelt. Und durch den modularen Aufbau können Nutzer das Display sowie drei Module mit den wichtigsten Verschleißteilen unkompliziert austauschen.

Das erste modulare Smartphone auf dem Markt

Seit dem Prototyp hat Fairphone das Material der Hülle verändert: Die Rückseite ist weiterhin aus festem Kunststoff, während der Rand inklusive der um das Display laufenden Lippe aus einem weicheren Material ist. Dadurch lässt sich der Kern des Smartphones, also die Hauptplatine mit Display und allen Modulen, wesentlich leichter aus der Hülle nehmen als beim Prototyp. Etwas schwieriger gestaltet es sich, das Gerät wieder in die Hülle zu packen. Besonders an den Ecken müssen wir meist nacharbeiten.

Die Hülle schützt das Fairphone 2 vor Stürzen aus über anderthalb Metern Höhe. In unseren Versuchen war diese Höhe bei festem Holzfußboden kein Problem. Ein weiterer Vorteil: Ist die Hülle zerkratzt oder durch einen Sturz beschädigt, kann sie einfach gegen eine neue ausgetauscht werden. Es gibt sie in halbtransparenten Farben sowie aus blickdichtem Kunststoff.

Nachteil der Konstruktion ist, dass die weiche Lippe etwas wabbelig ist, eben wie bei einer weichen Schutzhülle. Dadurch fühlt sich der Rahmen des Fairphone 2 weniger hochwertig an als etwa der eines Samsung Galaxy S6, eines iPhones 6S oder eines Huawei Mate S. Insbesondere an Stellen, wo sich Schaltflächen oder Öffnungen befinden, lässt sich die Gummilippe etwas eindrücken. Im Alltag konnten wir allerdings keine Nachteile feststellen: Staub hat sich während unseres Tests nicht im Inneren der Hülle gesammelt, was auch an der Abdichtung rund um die Kameraöffnung liegt.

Neue Module gibt es im Onlineshop von Fairphone

Dass Fairphone kein festes Gehäuse zum Aufschrauben gewählt hat, liegt auch an der Grundidee des Fairphone 2: Im Fall eines Defektes soll der Nutzer Reparaturen selbst durchführen können. Dazu ist das Gerät modular aufgebaut. Das Display, der Akku sowie drei Module mit unterschiedlichen Komponenten lassen sich sehr einfach entfernen und durch neue Teile ersetzen.

Dazu muss der Nutzer das eigentliche Smartphone aus der Hülle befreien; dann sind auch der Micro-SD-Slot sowie die beiden SIM-Karten-Steckplätze erreichbar. Wir müssen nur zwei Schieber bewegen, anschließend lässt sich das Displaymodul einfach abziehen. So können Nutzer einen gesprungenen Bildschirm – einer der wohl häufigsten Defekte bei einem Smartphone – schnell selber austauschen.

Unter der Displayeinheit befinden sich die drei wechselbaren Module, die mit Kreuzschlitzschrauben befestigt sind und sich einfach entfernen lassen. Hier sind unter anderem die Frontkamera, die Hauptkamera sowie das Mikrofon untergebracht. Ist ein Modul oder das Display beschädigt, können Nutzer im Fairphone-Onlineshop einfach ein neues bestellen.

Preiswerte Module erleichtern die Reparatur

Die Preise bewegen sich in einem äußerst moderaten Rahmen: Das teuerste Ersatzteil ist die Displayeinheit, die um die 85 Euro kosten soll. Alle anderen Module sollen laut Fairphone zwischen 25 und 30 Euro kosten, was deutlich günstiger als eine nicht unter die Garantieleistungen fallende Reparatur ist. In der alltäglichen Nutzung ist vom modularen Aufbau des Fairphone 2 nichts zu merken. Die Module können dank guter Befestigung nicht verrutschen oder sich von selbst lösen.

Das hat dem Fairphone 2 im iFixit-Teardown als erstem Smartphone die volle Punktzahl von zehn Punkten beschert. Wir können zudem bestätigen, dass die Module selbst ebenfalls leicht auseinandergenommen werden können. Das ist zwar eigentlich nicht vorgesehen, aber wer möchte, kann sogar die Einzelteile in einem Modul selbst austauschen. Bei einem Gesamtmodulpreis von 25 bis 30 Euro lohnt sich das zwar finanziell wohl eher nicht, es wäre aber sogar noch nachhaltiger als der Austausch des ganzen Moduls, bei dem in den meisten Fällen ja nicht alle Teile gleichzeitig defekt sein dürften.