Weder Google noch Apple wollten, dass diese Zahl jemals öffentlich bekannt wird: Eine Milliarde US-Dollar hat Google im Jahr 2014 gezahlt, um die Standardsuchmaschine in iPhones und iPads stellen zu dürfen. Verraten hat das eine Anwältin von Oracle – im Rahmen eines Verfahrens, das mit dem Suchmaschinendeal gar nichts zu tun hat. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf ein mittlerweile gelöschtes Transkript einer Anhörung vor Gericht.

In dem Prozess geht es eigentlich um die Vorwürfe von Oracle, Google habe dessen Java-Software zur Entwicklung des Betriebssystems Android verwendet, ohne dafür Lizenzgebühren bezahlt zu haben. Seit 2010 streiten sich Oracle und Google darüber vor Gericht.

In einer Anhörung am 14. Januar an einem Bezirksgericht in San Francisco hat die Oracle-Anwältin Annette Hurst aus Zeugenvernehmungen berichtet und dabei Zahlen zum Google-Apple-Deal genannt, dessen Existenz kein Geheimnis, dessen Details der Öffentlichkeit aber bislang unbekannt waren. Offenbar versuchte sie, dem Gericht einen Eindruck darüber zu vermitteln, wie wichtig und einträglich der Smartphonemarkt insgesamt und Android im Besonderen für Google sind. Daraus soll das Gericht dann im für Oracle besten Fall die Höhe der Summe ableiten, die Google zu zahlen hat.

Google und Apple teilen sich Werbeeinnahmen

Ihren Angaben zufolge teilen sich Google und Apple die Werbeeinnahmen, die Google über seine Suchmaschine in iOS erzielt. Die öffentlich zelebrierte Abneigung von Apple-CEO Tim Cook gegenüber dem auf Nutzerdaten beruhenden Geschäftsmodell von Google endet also offenbar dort, wo sein Unternehmen selbst davon profitiert.

Wie genau die Einnahmen aufgeteilt werden, ging aus dem Transkript des Gerichts nicht hervor, berichtet Bloomberg. Zwischenzeitlich soll rund ein Drittel des Geldes bei einem der beiden Partner verblieben sein, das jedenfalls habe die Oracle-Anwältin gesagt. Ob damit Google oder Apple gemeint war, ist aber unklar.

Ebenfalls unklar ist, ob die eine Milliarde Dollar, die Google 2014 an Apple zahlte, aus diesen Werbeeinahmen stammt oder eine zusätzliche, fest vereinbarte Summe war. Der Bloomberg-Bericht legt ersteres nahe. In einer Meldung von Mashable wird die zweite Version beschrieben, allerdings ohne eigene Quellen.

Von den betroffenen Unternehmen ist darüber keine Aufklärung zu erwarten. US-Sprecher von Google und Apple wollten Bloomberg keine Informationen zu dem Fall geben. Beide Unternehmen versuchten im Gegenteil, die Zahlen aus dem Protokoll streichen zu lassen, was dafür spricht, dass sie stimmen. Das Gericht lehnte ab. Google und Apple beantragten daraufhin, das Transkript nicht zu veröffentlichen, weil die Zahlen für beide "hochsensibel" seien. Dem kam das Gericht offenbar nach – das Dokument war aber lange genug im Netz, um von Reportern entdeckt zu werden.

22 Milliarden Dollar Gewinn mit Android

Es sind nicht die einzigen interessanten Zahlen, die Annette Hurst verriet. Laut Bloomberg gab sie des Weiteren zu Protokoll, Google habe mit seinem Android-Betriebssystem seit dessen Veröffentlichung 31 Milliarden Dollar eingenommen und dabei 22 Milliarden Dollar Reingewinn erzielt.

Weitere Details nannte die Oracle-Anwältin offenbar nicht. Damit bleibt unter anderem unklar, wie sich die Einnahmen für Google aus Android über die Zeit entwickelt haben und wie groß der Anteil aus App-Verkäufen ist. Die Zahlen machen Googles Geschäft mit Android einfach nur etwas "greifbarer", wie ein Analyst Bloomberg sagte.

Google selbst wollte die Zahlen dennoch nicht veröffentlicht sehen. In seinem Antrag an das Gericht auf Depublizierung des Transkripts schrieb das Unternehmen, die Zahlen stammten aus vertraulichen Dokumenten, die "nur für die Augen von Anwälten" bestimmt gewesen sein: "Google stellt keine getrennten Einnahmen- und Gewinnangaben zu Android bereit. Diese nicht öffentlichen Daten sind hochsensibel, ihre Veröffentlichung könnte signifikante negative Effekte auf Googles Geschäft haben."

In Googles aktuellem Quartalsbericht an seine Aktionäre sind dementsprechend keine Zahlen zu Android enthalten.