Stephen Hawking muss es wissen. Auf einer Veranstaltung Anfang des Jahres in London sagte der Astrophysiker, neue Technologien stellten zunehmend eine Gefahr für die Zukunft der Menschheit dar. Und obwohl er anschließend von Atomkriegen und Erderwärmung sprach, kann er eigentlich nur eines gemeint haben: Hoverboards. Geht es nach Medienberichten und Verbraucherschützern, sind die Rollbretter nämlich eine Gefahr für Leib und Leben. In jedem Fall sind sie das wohl schlimmste Gadget seit dem Selfiestick, das wir dem Hype im Netz zu verdanken haben.

Allein der Name. Hoverboards heißen eigentlich die schwebenden Skateboards im Film Zurück in die Zukunft II, auf denen der Protagonist Marty McFly durch die Stadt flitzt. In den vergangenen beiden Jahren haben diverse Hersteller versucht, das Phänomen mithilfe von Supraleitern, Druckluft oder Wasserstrahlen zumindest ansatzweise technisch umzusetzen. Das funktionierte meist mehr schlecht als recht, war aber ein nettes Gimmick passend zum letztjährigen "Jahrestag" von Zurück in die Zukunft.

Was inzwischen als Hoverboard verkauft wird, hat damit freilich nichts zu tun. Die Geräte schweben nicht, sondern haben zwei Räder und sind deshalb am ehesten mit Segways zu vergleichen – mit dem Unterschied, dass sie keine Lenkstange haben. Sie werden einzig durch die Gewichtsverlagerung der Fahrer gesteuert. In der Wikipedia werden sie als "selbstbalancierende zweirädrige Boards" bezeichnet, was zugegeben etwas umständlich klingt. Die Website Fusion hat deshalb nach Alternativen gesucht und zwei passende Bezeichnungen gefunden: Explodaboard oder Deathboard.  

Schutzkleidung und Feuerlöscher empfohlen

Denn ja, es stimmt: Die Rollbretter sind kein besonders effektives Fortbewegungsmitteln und tendieren dazu, in Flammen aufzugehen. Allein die gesammelten Nachrichten auf dem Portal Mashable zum Thema lesen sich gruselig: Häuser in Australien, New York und Kalifornien sind abgebrannt, in Texas und Washington gab es Vorfälle in Einkaufszentren und auch in Großbritannien brannten an Weihnachten in so manchem Wohnzimmer nicht bloß Kerzen. Einem jungen Mann aus Alabama ist das Board auf dem Gehweg unter seinen Füßen explodiert.

Darüber hinaus lässt es sich von den Brettern vorzüglich auf die Nase fallen. Ex-Boxer Mike Tyson ging im Wohnzimmer zu Boden, wie es ihm im Ring nie passiert wäre. Der Twitter-Account Hoverboard Falls zeigt zahlreiche weitere peinlich-schmerzhafte Abflüge und auch auf Instagram kann man die blauen Flecken schon beim Hingucken spüren. In vielen Fällen liegt das sicherlich an den Fahrern – schließlich kann man sich auch beim Skateboarden oder Rollschuhfahren prima die Knochen brechen – aber in einigen Fällen streikt schlicht die Technik: Ein Redakteur der c't etwa brach sich den Ellenbogen, als sich das Board während eines Tests abrupt abschaltete. Die Räder blieben einfach stehen. Ironischerweise heißt die entsprechende Funktion Protection Mode – Schutzmodus.

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Nachdem im Dezember bereits Amazon die Geräte aus seinem Angebot nahm, beschäftigt sich jetzt die amerikanische Aufsichtsbehörde Consumer Product Safety Commission (CPSC) mit der Sache. In einer Pressemitteilung heißt es, man untersuche sowohl die Brand- als auch die Sturzgefahr der Rollbretter. Gleichzeitig geben die Gutachter einige Tipps für den sicheren Umgang mit Hoverboards. So sollen die Nutzer die Bretter nicht auf Straßen nutzen, dafür Schutzkleidung tragen, weit weg von brennbaren Materialien bleiben und – ganz wichtig – stets einen Feuerlöscher in der Nähe haben. Wieso auch nicht: Wer genug Swag hat, um ein Hoverboard zu fahren, kann auch einen Feuerlöscher als modisches Accessoire tragen.

USA - Elektro-Boards erobern die Straßen

Bretter am Fließband

Aber Spaß beiseite, die Sache ist durchaus ernst. Dass die falschen Hoverboards regelmäßig brennen, hat mehrere Gründe. Zum einen liegt es an den Lithium-Ionen-Akkus. Prinzipiell sind es die gleichen Akkus, wie sie auch in Smartphones oder Tablets verbaut sind, allerdings sind sie in Boards deutlich größeren Belastungen ausgesetzt. Beschleunigungen, Gewichtsverlagerungen oder Erschütterungen können dazu führen, dass die Akkus beschädigt werden, anschließend überhitzen und dadurch in Flammen aufgehen.

Zum anderen ist die Qualität der Akkus und anderer Bauteile meist dürftig, was mit ihrer Herkunft und Entstehungsgeschichte zu tun hat. Je nach Definition stammen die ersten Modelle entweder vom chinesischen Unternehmen Chic Robotics oder vom US-Startup Hovertrax im Jahr 2013. Aufgrund der undurchsichtigen Patentsituation in China entstanden in den vergangenen beiden Jahren zahlreiche Firmen, die Hoverboards herstellen. Sie hören auf hippe Namen wie Cyboard, Scoot, Future Foot, Monorover, Airboard, Esway, IO Hawk, Oxboard, Phunkee Duck oder, kein Witz, Swagway.