Das kleine runde Loch links unten im iPhone 6s, das kommt weg. © Beck Diefenbach / Reuters

Apple kennt keine Trennungsschmerzen. Das bewies das Unternehmen bereits 1998, als es den ersten iMac vorstellte. Der hatte kein Diskettenlaufwerk, was damals geradezu radikal erschien. Der Mac von 2012 hatte kein CD-Laufwerk mehr. Das MacBook 12 von 2015 hat außer einer einzigen USB-C-Buchse und einer für Kopfhörer keine Anschlüsse mehr. Und das iPhone 7 wird keinen 3,5-Millimeter-Anschluss für Kopfhörer mehr haben.

Das ist bisher nur ein Gerücht, aber mittlerweile berichten so viele verschiedene Medien mit verschiedenen – wenn auch stets anonymen – Quellen über das Ende der Kopfhörerbuchse, dass man von einem Beinahefakt sprechen kann. Endgültige Gewissheit wird es wohl erst geben, wenn das iPhone 7 im Herbst der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Auswirkungen hat die Spekulation aber schon jetzt, auf die Hersteller von Kopfhörern. 

Kopfhörer-Hersteller bereiten sich auf das Lightning-Zeitalter vor

Denn für das iPhone 7 werden die Nutzer entweder Bluetooth-Kopfhörer brauchen oder ein Modell mit Lightning-Stecker, der in jene Buchse passt, die bisher (fast) nur zum Aufladen des iPhones benutzt wird. Ein paar Lightning-Kopfhörer gibt es bereits, denn iOS unterstützt das seit 2014. Viele weitere werden wohl bald auf den Markt kommen. Das jedenfalls will The Verge beim Herumfragen auf der CES in Las Vegas in Erfahrung gebracht haben.

Demnach arbeiten vor allem jene Hersteller an Lightning-Modellen, die ihre Produkte direkt auf Apples Website und in Apple Stores verkaufen. Das wären unter anderem Audeze, Bang & Olufsen, Bose und Bowers & Wilkins. Ihnen eröffnet der Wechsel sogar neue technische Möglichkeiten: Weil der Lightning-Anschluss auch für die Stromversorgung gedacht ist, ließen sich Extras wie eine aktive Geräuschunterdrückung direkt aus dem iPhone-Akku speisen, was einen Akku im Kopfhörer selbst überflüssig macht. Dafür kann der Digital-Analog-Wandler im Hörer untergebracht werden, denn der Lightning-Stecker überträgt das Audiosignal digital, anders als ein 3,5-Millimeter-Klinkenstecker.

Andere Hersteller freuen sich laut The Verge schon darauf, mehr Bluetooth-Kopfhörer verkaufen zu können. Angeblich arbeitet auch der zu Apple gehörende Hersteller Beats an speziellen Bluetooth-Ohrhörern für das iPhone 7. Sie sollen komplett ohne Kabel auskommen, also nur aus zwei einzelnen Steckern für die Ohren bestehen, sie sollen ein Mikrofon beinhalten, das Telefonieren und die Kommunikation mit Siri im iPhone erlaubt, und sie sollen aufgeladen werden, sobald sie in ihrem Aufbewahrungsbehälter stecken.

Da werden sie öfter liegen, heißt es im Bericht von 9to5Mac. Denn jeder Ohrhörer braucht eine eigene kleine Batterie und einen eigenen Chip, mehr als vier Stunden Akkulaufzeit seien deshalb nicht zu erwarten. Gedacht sei das Beats-Modell als Zubehör. Apple werde dem iPhone 7 lediglich die üblichen Ohrhörer beilegen, nur eben mit Lightning-Anschluss.

227.000 Menschen zeichnen Petition an Apple

Die Aussicht, jede Menge Zubehör für das iPhone 7 verkaufen zu können, dürfte in Apples Überlegungen nicht ganz unerheblich sein. Ob es nun die eigenen Beats-Kopfhörer sind oder die jener Hersteller, die im Rahmen von Apples MFi-Programm (Made For iPhone) Lizenzgebühren an Apple zahlen, könnte dem Unternehmen sogar egal sein.

Das Risiko, Apple-Nutzer zu verärgern, weil die ihre bisherigen Kopfhörer nicht mehr oder nur mit Adaptern verwenden können, würde Apple sicherlich nicht scheuen. Erstens haben die meisten Apple-Fans genug Geld, um sich auch noch ein paar neue Kopfhörer zu kaufen und zweitens sind sie die Trennungsschmerzen ja gewohnt. Die bisher rund 227.000 Unterzeichner einer Petition gegen Apples vermeintliche Pläne werden jedenfalls kaum auschlaggebend sein.

Außerdem bekommen sie ja im Tausch etwas von Apple. Was, ist allerdings noch unklar. Ein dünneres iPhone 7 vielleicht. Was allein allerdings kein überzeugendes Kaufargument wäre. Oder einen größeren Akku im iPhone 7. (Wie viel Platz der bisherige Klinkenstecker benötigt, lässt sich an den iFixit-Bildern eines zerlegten iPhones erkennen.) Oder ein wasserdichtes iPhone. Forbes und AppleInsider hingegen spekulieren auf hochauflösende Übertragungen in Apple Music, für die Apple aber zwingend einen Kopfhörer mit Lightning-Anschluss voraussetzt.

Letzteres wäre wenigstens ein Alleinstellungsmerkmal mit drei für Apple wünschenswerten Folgen: Das Unternehmen, dessen Wohl und Wehe von den iPhone-Verkäufen abhängt, würde wie erwähnt erstens von steigenden Einnahmen aus den Zubehörverkäufen profitieren. Zweitens könnte es Käufern des iPhone 7 eine bessere Klangqualität versprechen, als andere Smartphone-Hersteller sie bieten. Damit könnte Apple versuchen, das Thema Sound in den Vordergrund rücken, so lange es bei Kamera, Display und anderen Hardware-Elementen nicht mehr konkurrenzlos ist. Drittens wäre es eine Chance für das Unternehmen, Kunden an seinen kostenpflichtigen Musikdienst zu binden. Den Apple-Aktionären dürfte die Vorstellung gefallen.