Nimm zwei: Opfer des Error 53 müssen unter Umständen ein neues iPhone 6 kaufen. © Chris McGrath/Getty Images

"Öffne deine Elektronik" – dieser Aufruf ging vor einigen Wochen durch das Netz. Jeder Smartphone-Nutzer soll in der Lage sein, seine Gerät selbst öffnen und reparieren zu können, forderte der Initiator Jason Koebler. Besitzer von Apples iPhone 6 sollten sich das allerdings zweimal überlegen. Wer nämlich selbstständig Bauteile wie das Display oder den Home-Button austauscht oder auch nur einen unabhängigen Handyshop damit beauftragt, läuft Gefahr, sein Gerät unbrauchbar zu machen.

Der Grund heißt Error 53 und es gibt ihn bereits seit September 2014. Damals veröffentlichte Apple die iOS-Version 8.0.2 für das iPhone 6. Nach dem Update über iTunes bekamen die ersten Nutzer den mysteriösen Fehlercode 53 angezeigt. In keiner offiziellen Fehlercodetabelle von Apple wurde er erwähnt und selbst die Mitarbeiter in offiziellen Apple-Shops wussten teilweise nicht, was dahinter steckt. Sicher war nur: Wer ihn erst einmal angezeigt bekam, konnte sein iPhone 6 nicht mehr nutzen, das Gerät ließ sich nicht mehr booten, es war bricked, wie es umgangssprachlich heißt.

Dass der Error 53 erst jetzt eine gewisse Aufmerksamkeit erfährt, liegt an einem aktuellen Artikel des Guardian. Wie es darin heißt, seien Tausende iPhone-Nutzer von dem Problem betroffen, darunter auch ein Guardian-Fotograf. Dieser habe während einer Recherche in Mazedonien den Home-Button seines iPhones austauschen lassen. Nicht direkt bei Apple, sondern für wenig Geld in einem lokalen Handy-Shop. Schon allein deshalb, weil es in der Nähe keinen Apple Store oder Vertragspartner gab. Die Reparatur war erfolgreich, jedenfalls bis zum nächsten iOS-Update. Dann erkannte das Betriebssystem nämlich, dass der Home-Button ausgetauscht wurde – und sperrte das iPhone.  

Im schlimmsten Fall ist das Gerät nutzlos

Was der Guardian-Fotograf nicht wusste, ist Sicherheitsexperten und Technikern inzwischen bekannt. Als Apple im vergangenen Herbst iOS 9 veröffentlichte, stieg auch die Zahl der Error-53-Meldungen wieder. Und inzwischen gibt es auch eine Erklärung dafür.

Der Fehler tritt in Verbindung mit zwei Hardware-Komponenten auf, dem Home-Button und dem Home-Button-Verlängerungskabel. Zwei Szenarien sind denkbar: Die Bauteile sind in irgendeiner Form beschädigt, etwa durch eine Unachtsamkeit während einer Display-Reparatur oder durch Stürze. So ist es dem Daily Dot-Autoren Mike Wehner passiert. Oder sie werden ausgetauscht und zwar, das ist entscheidend, nicht von Apple, sondern, wie im Fall des Guardian-Fotografen, von einem Drittanbieter.

Tatsächlich ist nämlich jeder Home-Button, in dem auch der Fingerabdruck-Sensor (Touch ID) steckt, individuell mit dem iPhone verknüpft. Erkennt das System beim nächsten Update nach einem Austausch, dass diese Verknüpfung nicht mehr existiert, weil ein anderes Bauteil verwendet wurde, spielt iTunes den Error 53 aus und macht das Gerät unbrauchbar. Selbst Apple kann nach eigenen Angaben nichts mehr daran ändern, die Kunden müssen ein neues Gerät kaufen. Eine mögliche Lösung ist allenfalls, den ursprünglichen Home-Button wieder einzubauen – wenn man ihn denn noch hat und die Elektronik noch funktioniert.

US-Anwälte wollen klagen

Entsprechend kontrovers wird das Thema diskutiert. Viele Apple-Nutzer sind empört und glauben, das Unternehmen wolle gezielt gegen Drittreparaturen vorgehen, und zwar auf Kosten der Verbraucher. Wer nämlich nach Ablauf der Garantie sein iPhone 6 reparieren lassen möchte, bezahlt in Deutschland pauschal 321,10 Euro bei Apple. Ein Austausch des Home-Buttons in einem Reparaturshop kostet deutlich weniger. Schnell steht auch das Thema geplante Obsoleszenz im Raum. Wenn nur Apple das Monopol für teure Ersatzteile hat, kann es daraus noch Profit schlagen. Nicht jeder Apple-Käufer entscheidet sich schließlich für den verlängerten Garantieanspruch gegen Aufpreis.

Verbraucherschützer und Anwälte sind alarmiert. Eine entscheidende Frage lautet: Darf Apple die Geräte seiner Kunden im Nachhinein unbenutzbar machen? Wie der Guardian am Montag berichtete, sucht in den USA bereits mindestens eine Kanzlei nach Verbrauchern, die mit Error 53 konfrontiert wurden und ihr iPhone seitdem nicht mehr nutzen können. Finden sich genug Betroffene, könnten sie eine Sammelklage gegen Apple einreichen.

Alles im Sinne der Sicherheit – sagt Apple

Inzwischen hat sich das Unternehmen geäußert. Der Fehler sei demnach ein Feature für die Sicherheit der iPhones. Die Touch-ID-Funktion ist mit der sogenannten Secure Enclave verknüpft, einem, vereinfacht gesagt, gesicherten Bereich auf dem im iPhone verbauten Chip. Hier sind unter anderem der Pin-Code und der Fingerabdruck der Nutzer verschlüsselt gespeichert, sodass weder Apple selbst noch Apps von Dritten darauf zugreifen können. Erkennt das System, dass der Home-Button ausgetauscht wurde, interpretiert es dies als Manipulation und sperrt das Gerät. Nur bei offiziellen Reparaturen im Apple Shop sei es möglich, den Home-Button nach dem Austausch wieder zu "revalidieren", heißt es in einer Pressemitteilung.

Auf den ersten Blick scheint das drastisch, aber nachvollziehbar. Dadurch garantiert Apple, dass niemand unbemerkt einen Home-Button austauschen kann und die Funktion missbraucht. Über Touch ID ist es nicht nur möglich, das iPhone zu entsperren und persönliche Daten einzusehen, sondern sie wird auch für den Bezahldienst Apple Pay benutzt. Die enge Verknüpfung aus Hardware- und Software ist also der Datensicherheit geschuldet und soll Manipulationen vorbeugen. Dafür müssen die Kunden eben in Kauf nehmen, dass sie ihr iPhone nicht an jeder Straßenecke reparieren lassen können.