Elektrogeräte sollten eine Angabe über die zu erwartende Funktionsdauer tragen, wünscht sich die Präsidentin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger. "Man sieht dem Produkt nicht an, für welche Lebensdauer es konzipiert wurde. Im Sinne der Verbraucher und der Umwelt wäre eine Kennzeichnung, die beispielsweise die voraussichtliche Lebensdauer eines Geräts in Nutzungsstunden angibt", sagte sie am Montag bei Bekanntgabe des zweiten Teils einer Studie des Ökoinstituts und der Universität Bonn im Auftrag der Behörde. Viele Geräte hätten eine zu kurze Lebensdauer.

Im Fall von Notebooks etwa zeigen die Analysen der werkstofflichen Obsoleszenz, dass in Consumer-Geräten "sehr häufig" die Festplattenlaufwerke, Arbeitsspeicher, Grafikchips und Akkus sowie "häufig" Hauptplatine, Prozessorlüfter, Netzteile, periphere Schnittstellen, Bildschirm, Scharniere und Gehäuse ausfallen können.

In Business-Notebooks fallen Festplattenlaufwerke und Akkus immer noch "häufig" (statt "sehr häufig") aus, alle weiteren Komponenten dagegen nur selten. Hauptgründe dafür seien thermische Probleme, mechanische Abnutzung und fahrlässiger Umgang. Weiterhin senken fest verbaute Akkus, eingelötete Arbeitsspeicherelemente und fest verbaute Festplatten die Lebensdauer. Außerdem hänge die Lebensdauer der Bauteile wie Aluminium-Elektrolytkondensatoren und Bauteilgruppen entscheidend von der Dimensionierung der Komponenten und ihrer thermischen Exposition ab.

Fest verklebte Akkus und Spezialschrauben vor Motherboards, Arbeitsspeichern oder Festplatten lösten laut der Studie eine ökonomische Obsoleszenz aus. Bei Notebooks entstehen für den Austausch von Mainboard, Prozessor und Grafikchip die höchsten Kosten für die Reparatur.

Für Smartphones erfolgte für die Studie eine Auswertung der Reparaturplattform iFixit. Bei den untersuchten Smartphone-Modellen stellten Akku, Bildschirmeinheit, Home Button sowie An- und Ausschalter häufige Reparaturursachen dar. Die Entnahme von Akkus in Modellen ohne fest verbauten Akku war in weniger als einer Minute möglich. Bei zwei Modellen mit fest verbauten Akkus waren 15 bis 20 Minuten sowie eine Reihe von Spezialwerkzeugen notwendig.

Psychologische Obsoleszenz bei Smartphones

Eine Untersuchung der Stiftung Warentest zeige, dass insgesamt 68 Prozent der Nutzer ihr Gerät innerhalb von drei Jahren wechseln, weil sie ein noch besseres Smartphone wollen (40 Prozent) oder durch den Vertrag regelmäßig ein neues bekommen (28 Prozent). Dies wird in der Studie als psychologische Obsoleszenz bezeichnet. Nur neun Prozent tauschten das Gerät wegen eines Akkudefekts oder schwacher Akkuleistung aus.

Eine gezielte kurze Produktlebensdauer, die die Hersteller mittels eingebauter Mängel erzeugen – die geplante Obsoleszenz –, habe die Studie laut Umweltbundesamt nicht nachweisen können. "Vielmehr kalkulieren Hersteller mit einer bestimmten Produktlebensdauer, die sich auch nach Zielgruppen, Einsatzbereichen und Produktzyklen richtet. Im Bereich der Fernsehgeräte beispielsweise werden von den Verbraucherinnen und Verbrauchern innerhalb eines Jahres neue Entwicklungen erwartet. Dieser kurze Innovationszyklus kann zulasten der Qualität gehen – so werden manche Geräte nur noch auf bekannte Schwachstellen und nicht mehr umfassend getestet. Auf diese Weise lässt sich die Testzeit von mehreren Monaten auf wenige Wochen reduzieren", erklärte das Umweltbundesamt.

Konkrete Beispiele für geplante Obsoleszenz

Holger Krumme, Technikchef beim Bensheimer Testhaus HTV, hatte dagegen im Juni 2013 konkrete Beispiele für geplante Obsoleszenz in der Elektronik genannt. HTV vergibt für langlebige Modelle ein Gütesiegel.

"Wir haben eine Vielzahl von Beispielen für Produkte, die unserer Meinung nach eingebaute Sollbruchstellen enthalten: Besonders auffällig ist zum Beispiel die Verwendung besonders hitzeempfindlicher Bauteile in direkter Nähe zu Hitzequellen. Bei einer Vielzahl der unterschiedlichsten Bildschirme oder LCD-Fernseher befinden sich Elektrolytkondensatoren unmittelbar neben Leistungsbauteilen, die über 100 Grad Celsius warm werden", sagte Krumme. Die Betriebsdauer der Kondensatoren betrage dann nur noch wenige Tausend Stunden. "Nach zwei bis drei Jahren fallen diese aus, mit dem Resultat, dass der gesamte Bildschirm aufgrund zu hoher Reparaturkosten auf den Müll wandert."

Die starke Alterung von Kondensatoren bei hoher Temperatur wird seiner Ansicht nach auch gezielt bei Computerplatinen renommierter Hersteller angewandt, bei denen sich diese Bauteile genau im Heißluftstrom der Prozessorkühlung befinden.

Kurz erklärt - Obsoleszenz, das geplante Versagen von Produkten Viele Unternehmen planen bei der Herstellung ihrer Produkte einen frühen Verschleiß mit ein: Durch besonders schwache Kondensatoren oder die einprogrammierte Suizidanweisung im Code. Das Video erklärt die sogenannte geplante Obsoleszenz.