Das Surface Book ist der erste Laptop von Microsoft. © Andrew Burton/Getty Images

In dieser Hinsicht ist Microsoft konsequent. Als das Unternehmen mit dem Surface Pro vor vier Jahren erstmals ein Tablet mit Tastatur herausbrachte, wurde es für die Idee belächelt. Aber Microsoft vertraute auf das Konzept, verbesserte das Surface Pro mit jeder Generation, und hat inzwischen eine ganze Reihe anderer Hersteller zu ähnlichen Hybriden inspiriert. Apple zum iPad Pro zum Beispiel, oder Huawei, die vergangene Woche auf dem Mobile World Congress ihr MateBook vorstellten.

Mit dem Surface Book erweitert Microsoft die Surface-Reihe um ein weiteres Detachable, wie es in der Fachsprache heißt. Gewissermaßen kehrt es die Idee des Surface Pro um: Ist dieses in erster Linie ein Tablet, das sich um eine Tastatur erweitern lässt, ist das Surface Book ein voll ausgestatteter Laptop, der sich bei Bedarf auch in ein Tablet verwandeln lässt. Inzwischen ist es auch in Deutschland erhältlich. Wir haben es getestet.

Brutalismus à la Microsoft

Mein erster Eindruck: ganz schön kantig. Wo Apple bei seinen Macbook auf Rundungen setzt, erinnert das Surface Book mehr an die Architektur des Brutalismus, was aber auch am matten, mausgrauen Magnesium-Rahmen liegen könnte. Abgesehen von den vier silbernen, spiegelnden Windows-Kacheln auf der Rückseite und dem schwarzen Rand des Displays hält sich Microsoft mit Akzenten zurück, was durchaus funktioniert.

Was außerdem auffällt ist das Scharnier, mit dem Tastatur und Bildschirm verbunden sind. Microsoft nennt das Fulcrum-Gelenk, was nichts mit sowjetischen Kampfjets zu tun hat, sondern das englische Wort für Hebelpunkt ist. Es erinnert an eine halb aufgerollte Zeitung und der Unterschied zu praktisch allen Laptops zurzeit auf dem Markt besteht darin, dass durch das Fulcrum-Gelenk der Bildschirm nicht komplett auf der Tastatur aufliegt. Weil das Surface Book am Scharnier dicker ist als am vorderen Ende, gibt es durch die Schräge einen deutlichen Schlitz im geschlossenen Zustand, wie das folgende Bild zeigt:

Das auffällige Scharnier sorgt für einen Schlitz. © ZEIT ONLINE

Das kann man mögen, muss man aber nicht. Die Befürchtung einiger Tester, durch den Schlitz könne eher Schmutz in die Tastatur kommen, teile ich nicht. Jedenfalls nicht, solange man es in einer Schutztasche transportiert. Was mich mehr stört, ist, dass sich das Display nicht so einfach öffnen lässt. Weil der Bildschirm ebenso dick wie die Unterseite ist, lässt er sich an der dafür vorgesehenen und dezenten Einkerbung nur schwer greifen. Ich bin deshalb dazu übergegangen, in den Schlitz des Gelenks zu greifen und den Bildschirm aufzuklappen. Was ja vermutlich nicht im Sinne der Erfinder sein kann.

Brillanter Bildschirm im 3:2-Verhältnis

Mit einer Bildschirmdiagonale von 13,5 Zoll ist das Surface Book ähnlich groß wie die entsprechenden Varianten von Apples Macbook Pro und Macbook Air. Mit etwa 1,5 Kilogramm wiegt es zudem ähnlich viel wie das Pro. Allerdings besitzt der Bildschirm ein anderes Seitenverhältnis, nämlich 3:2 im Gegensatz zum üblichen 16:9, und hat deshalb eine Auflösung von 3.000 mal 2.000 Pixeln. Zunächst ist mir das nicht aufgefallen, aber im direkten Vergleich mit meinem Macbook Pro kann das Surface Book damit mehr Inhalte vertikal anzeigen; bei der Darstellung von Websites oder Dokumenten ist das schon mal ein guter Absatz mehr.

Was die Qualität des Displays betrifft, zeigen die genauen Tests von Experten: Das Surface Book liefert Topwerte in Sachen Blickwinkel und Helligkeit und auch Touchpad und Tastatur können überzeugen. Letztere ist nicht vergleichbar mit den Ansteck-Tastaturen des Surface Pro, sondern hat hervorragende Druckpunkte wie man sie von einem Oberklasse-Laptop erwarten kann. Wie andere Tester war ich zunächst irritiert, weil es keine Hotkeys zur Einstellung der Bildschirmhelligkeit gibt. Eine kurze Google-Suche aber hilft: Wer gleichzeitig die Funktionstaste und Entfernen/Backspace drückt, kann das Display dimmen oder aufhellen. Trotzdem darf man fragen, weshalb Microsoft eine so wichtige Einstellung versteckt.

Als Anschlussmöglichkeiten bietet das Surface Book zwei USB 3.0-Buchsen an der linken Seite, einen SD-Kartenslot sowie einen Mini DisplayPort auf der rechten. Das sind zwei Anschlüsse weniger als das aktuelle Macbook Pro (zweimal USB, zweimal Thunderbolt, einmal SD und einmal HDMI) besitzt. Die Kopfhörerbuchse ist an der Oberseite des Displays angebracht, weshalb das Kabel je nach Situation schon mal über der Tastatur hängt.

Klick und ab: Das Surface Book wird zum Tablet

Dass die Kopfhörerbuchse, der Einschaltknopf und zwei Lautstärketasten auf dem Display angebracht sind, hängt damit zusammen, dass sie gleichzeitig zum Tablet gehören, in das sich der Bildschirm verwandeln lässt.

Das funktioniert, indem man die entsprechende Taste auf der Tastatur drückt oder in der Taskleiste von Windows die Schaltfläche aktiviert. Sobald die Taste grün leuchtet, kann das Display mit etwas Kraft aus dem Gelenk gezogen werden. Wer es wieder andocken möchte, kann das Tablet (Microsoft selbst nennt es übrigens Clipboard) einfach wieder reinstecken – ein genugtuendes Klicken bestätigt die Verbindung. Die hält erstaunlich gut; auch wenn ich zunächst skeptisch war, lässt sich das Surface Book problemlos am Bildschirm herumtragen. Das Gelenk ist also deshalb so auffällig, weil es entsprechend stabil sein muss.

Das Tablet – oder eben Clipboard – hat, wie erwähnt, einen brillanten Bildschirm und lässt sich auch mit dem mitgelieferten Surface-Stift bedienen. Es hat allerdings im Vergleich zum ähnlich großen iPad Pro auch einige Nachteile. Zum einen hat es keinerlei Halterung, einen auf der Rückseite ausklappbaren Ständer wie beim Surface Pro gibt es nicht. Zum anderen enthält es keinen USB-Anschluss, etwa für eine Maus oder einen Speicherstick. Und nicht zuletzt ist die Akkuleistung vergleichsweise schwach, nach nur wenigen Stunden kommt das Tablet an sein Ende. Das ist kein Vergleich zu Tablets wie dem iPad oder auch dem Surface Pro.